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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Virgin 5 45425 2

3 CD • 2h 35min • 1999

01.01.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Selten hat die oft miß-bräuchlich verwendete Devise "Jugend voran" so glänzende Ergebnisse hervorgebracht wie bei dieser Don Giovanni-Aufführung der Festspiele in Aix-en-Provence: ein ausgezeichnet zusammengestelltes Ensemble, in dem die großen Namen fehlen und das doch viele pompös besetzte Wiedergaben bei weitem übertrifft. Die aufführung ist von höchster Vitalität erfüllt, feurig, stets in belebtem Fluß, aufregend dramatisch. Einzig der Sänger des Leporello ist den Arrivierten zuzurechnen: Gilles Cachemaille, der seinen Part mit guter Routine absolviert. Viel größere Beachtung zieht der Darsteller der Titelfigur auf sich: Peter Mattei, ein lyrischer Bariton von heller Farbe und einschmeichelndem Timbre, das Erinnerungen an den jungen Eberhard Waechter weckt. Allein schon dieser Sänger, der sich auch als intensiver Gestalter auszeichnet, macht die Aufnahme hörenswert. Das große Ereignis aber bietet die Sängerin der Donna Anna: Carmela Remigio, die mit gestochen klarem, "duftigem" Sopran singt, alle Schwierigkeiten der Partie mit höchster Souveränität meistert, dabei auch den Schmerz und den Heroismus der Rolle vollkommen zum Ausdruck bringt. Weiterhin Véronique Gens als Elvira mit gefühlvollem und kultiviertem Gesang. Nicht ganz so geglückt sind die Besetzungen der Zerlina (etwas piepsig Lisa Larsson) und des Don Ottavio (Mark Padmore), der hier genauso unmännlich und geisterhaft klingt wie die meisten der heutigen Mozart-Tenöre. Gute Stimmen gibt es für Masetto und Komtur (Till Fechner, Gudjon Oskarsson). Zu erwähnen ist noch, daß die Gesangspartien reichlich mit Auszierungen und Kadenzen ausgestattet wurden.

Der Live-Mitschnitt vom Festspielsommer 1999 läßt höchst bewegtes, mitunter auch heftiges Bühnenleben erkennen (Regie: Peter Brook). Das überbordende Spieltemperament bringt gelegentlich den Nachteil mit sich, daß die Textstellen etwas verhaspeln und manches sich in Unhörbarkeit verliert. Das Mahler-Orchester beeindruckt mit durchsichtigem, klarem Klang und höchster Präzision. Einigen Widerspruch fordert nur die musikalische Leitung des sehr jungen Dirigenten Daniel Harding heraus, denn fast durchgehend sind die Tempi viel zu schnell gewählt. Bereits das wuchtige Andante der Ouvertüre gestaltet sich unter seiner Führung zum Allegro, wodurch sich die Kontrastwirkung zum danach folgenden raschen Teil verflüchtigt. Ständig spürt man das Antreiben und Drängen des Dirigenten, am störendsten wohl im Quartett des ersten Akts. Diesem integralen, für die gesamte Handlung so wichtigen Stück wird hier geradezu der Atem geraubt. Fast mit Verwunderung nimmt man wahr, daß fallweise – wie etwa in Ottavios G-Dur-Arie – dann doch wieder einmal ein "normales" Zeitmaß zustande kommt. Schade, denn ohne diese Mozart-Hetzjagd wäre das ein Fall, der einer Idealaufnahme sehr nahe käme.

Clemens Höslinger [01.01.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Don Giovanni KV 527 (Dramma giocoso in zwei Akten)

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