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CD-Besprechung

Ars Musici AM 1303-2

1 CD • 71min • 2000

01.04.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Wer heute Bachs Flötensonaten einspielt, begibt sich auf schwieriges Terrain. Zum einen wiegt die Last von Konkurrenzaufnahmen, an denen man sich messen lassen muß, schier erdrückend, zum anderen sind wir heute anhand zahlreicher historischer Quellen über die Musikpraxis des 18. Jahrhunderts bestens informiert. Henrik Wiese, frisch gekürter ARD-Preisträger und Soloflötist des Bayerischen Staatsorchesters, sein Cellokollege Yves Savary sowie die Cembalistin Anikó Soltész haben sich auf das Eis gewagt, und eine Neuaufnahme vorgelegt. Freunde einer eher "philharmonischen" Bach-Tradition könnten an dieser CD durchaus ihre Freude haben. Man spielt klangschön und ausdrucksvoll auf modernem Instrumentarium, die Aufnahmetechnik ist tadellos und im Textheft findet sich ein sympathisches Vorwort des Flötisten. Bachs Musik "verträgt" ob ihrer oftmals recht "neutralen" instrumentalen Idiomatik und ihrer stupenden, kontrapunktisch durchwirkten Faktur viele verschiedene Sichtweisen und Bearbeitungen. Soweit der oberflächliche Eindruck. Studiert man Bachs Notentext etwas mehr im Detail, so schneidet die Aufnahme weit weniger günstig ab. Es sollte heute - im Jahre 2001 - kein seriöser Musiker mehr an den Erkenntnissen historischer Aufführungspraxis vorbeigehen können, zumal gerade dem Flötisten mit J.J. Quantz' Versuch einer Anleitung das Paradebeispiel einer zeitgenössischen Quelle vorliegt. Ausdrücklich sei betont, daß mich nicht in erster Linie der Einsatz moderner Instrumente stört, vielmehr vermisse ich bei dieser Einspielung ganz wesentliche allgemeine Aspekte barocken Musizierens. Von einigen deutlich falschen Lesarten abgesehen, nimmt es das Ensemble vor allem mit den Artikulations- und Dynamikangaben Bachs nicht immer sehr genau. Wieses Ton ist zwar stets klangschön, bleibt aber eindimensional und wirkt nur selten richtig entspannt. Zudem lotet der Flötist die teils schroffen dynamischen Kontraste nicht genügend aus. Das Cembalocontinuo wirkt wie das einer soliden Korrepetitorin, es fehlt mir hier an differenzierter Artikulation und flexibler agogischer Gestaltung. Von einer "sprechenden" Continuorealisierung ist auch Yves Savary leider weit entfernt. So gelingt es seinem, in den langsamen Sätzen statischen, oft mit Dauerespressivo versehenen Cellospiel nur selten, größere Bögen zu spannen. Insgesamt kann von einer "Interpretation" im landläufigen Sinne kaum die Rede sein, zu sehr wird al fresco musiziert, ohne den Figuren und der Rhetorik der Musik analytischen Tiefgang zu verleihen. Eine mehr oder weniger fehlerfreie Wiedergabe des Notentextes wird der ungeheuren Vielgestaltigkeit und Vielschichtigkeit von Bachs Musik einfach nicht gerecht!

Heinz Braun [01.04.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Sonate e-Moll BWV 1034 für Flöte und Basso continuo
2Sonate A-Dur BWV 1032 für Flöte und Cembalo
3Sonate h-Moll BWV 1030 für Oboe
4Sonate E-Dur BWV 1035 für Flöte, Basso continuo und Cembalo
5Triosonate Nr. 2 c-Moll BWV 526

Interpreten der Einspielung

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