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CD-Besprechung

Feidman plays Piazzolla

Warner Classics 0927-49505-2

1 CD • 62min • 2001

27.01.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wer hierzulande den Namen Giora Feidman vernimmt, denkt zuerst wohl an Klezmer Musik, also an die stilisierte und verfeinerte Musik der osteuropäischen Juden. Feidmans Klarinettenspiel gilt ja geradezu als Paradebeispiel für diese Musik. Die Beschäftigung mit Piazzolla mag da zunächst nicht unbedingt zwangsläufig erscheinen, doch wenn man bedenkt, dass Feidman in Buenos Aires geboren wurde und dort bereits als Achtzehjähriger im berühmten Teatro Colón spielte, dass seine Wurzeln also in Argentinien sind, wird die kreative Auseinandersetzung mit dem Vater des modernen Tango konsequent.

Und bei aller Verschiedenheit der Herkunft besitzen Tango und Klezmer Musik hinsichtlich ihrer exaltierten emotionalen Note bei gleichzeitig streng aufrechter, im Tango fast steifer Grundhaltung auch zwei wesentliche Gemeinsamkeiten: Beide Stilrichtungen wahren trotz ihren zutiefst traurigen Innenlebens die Fassung – eine in Musik übertragene Überlebenskunst.

Für den festen Boden ist das von Vladislav Czarnecki mit strenger Hand geführte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim verantwortlich. Ob bei marschierenden Achteln, in samtweiche Streicherwolken gehüllt oder in komplexen Linien, immer bleibt es der treue Diener des Solisten. Darüber singt, jubelt, murmelt, haucht und faucht die Klarinette Feidmans und bei vier Stücken musiziert das gleichsam als Botschafter zwischen den Welten fungierende Bandoneon Raul Jaurenas biegsam und geschmeidig. Jener Mann, für den Piazzolla sein Konzert für Bandoneon und Orchester geschrieben hatte, ist heute ein Mitglied von Feidmans Quartett.

Bereits das erste Stück, Moderato Tangabile präsentiert die ganz Bandbreite Feidmanscher Kunst. Heftig und markig begehren die Streicher mit strengem Duktus den klanglichen Raum, doch gelingt es Feidman, sich regelrecht aus diesem Korsett herauszuschälen. Mal mit schneidender Höhe, dann wieder auf samtweichen Pfoten bringt er sein Instrument in bekannter und doch immer wieder faszinierender Weise zum singen.

Im zweiten, vor allem aber im vierten Stück (Tristango) dieser CD hört man Feidman at his best. Das Spiel mit dem Ton ist hier schlicht atemberaubend. Wie Feidman immer wieder aufs neue die hohe Quint in a-Moll ansteuert und sie, endlich einmal erreicht, so auskostet, als wolle er sie nie wieder hergeben, besitzt dokumentarischen Charakter. Ganz am Ende dieses Kompendiums der Klarinettenkunst steht dann folgerichtig das berühmte Feidmansche pianissimo, Töne so zart, als ob sie nicht von dieser Welt wären.

Die höchste Bewertung bei der Klangqualität und dem Gesamteindruck wurde lediglich aufgrund der Verzerrungen in Tr. 2 verfehlt.

Robert Spoula [27.01.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Astor Piazzolla
1Moderato Tangabile
2Chant et Fugue
3Preparense
4Tristango
5Lo que vendra
6Milonga del Angel für Klavier (1990)
7Tango Fracanapa
Raul Jaurena
8Hommage à Piazzolla
Astor Piazzolla
9Marron y Azul
10Kicho
11Tanti anni prima

Interpreten der Einspielung

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