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CD-Besprechung

harmonia mundi HMU 907298.99

2 CD • 2h 11min • 2001, 2002

25.04.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Pünktlich zum 350. Geburtstag von Arcangelo Corelli legen Andrew Manze und Richard Egarr eine grandiose Einspielung der zwölf Violinsonaten vor, die der Komponist selbstbewußt und demonstrativ am 1. Januar 1700 publizierte und die tatsächlich während des gesamten 18. Jahrhunderts Modellcharakter behielten. Dabei sehen die Stücke auf dem Papier überraschend unspektakulär, ja geradezu karg aus: Corelli hat über Jahrzehnte hinweg an ihnen gefeilt und schließlich im Notentext eine apollinische Klarheit sondergleichen erreicht. Das heißt aber nicht, daß die Sonaten in der Praxis auch so „nackt“ aufgeführt wurden; vielmehr wurden vom Interpreten einerseits phantasievolle Verzierungen der Melodie erwartet (wofür es zahlreiche zeitgenössische Zeugnisse gibt), andererseits die eigenständige Anreicherung der Harmonie und des Kontrapunkts.

Seit der wegweisenden Einspielung von Eduard Melkus (1972) haben die Interpreten immer wieder Gefallen daran gefunden, Corellis Sonaten mit einer möglichst großen und farbenfrohen Continuogruppe aufzuführen, also mit allerlei Tasten-, Zupf- und Streichinstrumenten. Da mag es zunächst überraschen, daß Andrew Manze sich wie schon John Holloway (Novalis) auf einen einzigen Begleiter beschränkt. Diese Praxis findet aber nicht nur in dem Titel der Sammlung einen Beleg („Sonaten für Violine und Violone oder Cembalo“), sondern ermöglicht den beiden Musikern eine ungemein dichte, reaktionsschnelle und kreative Korrespondenz, wie sie in einem größeren Ensemble kaum zu realisieren ist.

So kommt es, daß die vorliegende Einspielung mit ihrer Spontaneität geradezu atemberaubend ausfällt. Gleichwohl ist Manze kein Künstler, der Corellis Sonaten etwas aufdrückt, das nicht in ihnen angelegt ist; erst recht stellt er sich selbst niemals vor die Musik. Was er hier an leidenschaftlichen Ausbrüchen, mystischem Flüstern, entspannter Würde oder echter Demut vorführt, ist eine gewiß subjektive, aber stets plausible und geschmackvolle Ausarbeitung dessen, was auf dem Papier zu finden ist. Mit etwas Mut könnte man behaupten, daß Manze den gleichen Weg, wieder zurückgegangen ist, den Corelli bei seiner Kondensierung gegangen war. Daß ihm hierbei in Richard Egarr ein kongenialer Partner zur Seite steht, braucht angesichts der exzellenten Aufnahmen, die dieses Duo in der Vergangenheit bereits vorgelegt hat, nicht eigens betont zu werden. Fazit: Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte Corelli sich nicht wünschen können!

Dr. Matthias Hengelbrock [25.04.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Arcangelo Corelli
1Violinsonate D-Dur op. 5 Nr. 1
2Violinsonate B-Dur op. 5 Nr. 2
3Violinsonate C-Dur op. 5 Nr. 3
4Violinsonate F-Dur op. 5 Nr. 4
5Violinsonate g-Moll op. 5 Nr. 5
6Violinsonate A-Dur op. 5 Nr. 6
7Violinsonate d-Moll op. 5 Nr. 7
8Violinsonate e-Moll op. 5 Nr. 8
9Violinsonate A-Dur op. 5 Nr. 9
10Violinsonate F-Dur op. 5 Nr. 10
11Violinsonate E-Dur op. 5 Nr. 11
12Violinsonate d-Moll op. 5 Nr. 12 (La Follia)

Interpreten der Einspielung

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