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CD-Besprechung

Ondine ODE 1044-2

1 CD • 62min • 2004

06.07.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Antti Siralas Naxos-Einspielung von Schubert/Liszt-Transkriptionen, aber auch sein musikalisch couragiertes, leider glückloses Auftreten beim letzten spanischen Paloma O’Shea-Wettbewerb in plastischer Erinnerung, weckt diese Brahms-Einspielung einiges Interesse. Der junge, eigenwillige Finne hat ja inzwischen den von Sulamita Aronovsky gegründeten und geleiteten, sehr renommierten Londoner Klavierwettbewerb gewonnen. Und ganz allgemein betrachtet, zählt Sirala zu jenen skandinavischen Superbegabungen, die sich in den letzten Jahren auf den verschiedensten künstlerischen Linien (Instrumentalmusik, Dirigieren, Komposition etc.) als unverbrauchte, integrationsfähige und (wichtiger noch!) als charismatische Persönlichkeiten erwiesen haben. Nun also versucht sich Sirala an zwei sehr unterschiedlichen Werkkomplexen eines Komponisten, der in seinem Schaffen der nordischen Atmosphäre nicht abgeneigt war (man denke an die Balladen op. 10!), zumal er als Norddeutscher genau jener Sphäre entstammt, die klare, ehrliche, auch herbe Kommunikation in ihren Vermittlungsformen zu kultivieren weiß.

Zugleich aber – und hier setzt meine Kritik an Siralas Brahms-Projekt an – bewegt sich Brahms in seinen frühen Klavierwerken und etwas später in den wienerisch gefärbten Walzern in einer akustischen Kulturlandschaft, die sonore Fülle, gerundeten Klang, wenn man will: philharmonisches Klavieraroma verlangt. Eben jenen zwischen Massivität, Starre und lächelnder Zärtlichkeit vermittelnden Klavierton, der sich auf schier mysteriöse Weise zwischen den Ausdruckspolen „gesund“ und „leidend“, „kämpferisch“ und „friedliebend“ eine ganz eigene ästhetische Heimat erworben hat. Sirala nun reduziert diese Qualitäten im rein pianistisch souveränen Kampf mit der f-Moll-Sonate auf Schlankheit des lauten wie leisen Formulierens. Womöglich hat auch die auf Lichtheit und klare Direktheit angelegte Aufnahmetechnik dazu beigetragen, dass sich keine „echte“ Brahms-Atmosphäre einstellt wie in den alten Dokumenten etwa mit Julius Katchen (Decca), Wilhelm Kempff (DG) oder Claudio Arrau, dessen Philips-Version der f-Moll-Sonate bei aller manuellen und gedanklichen Brillanz das Dräuende, das Geschichtete und Verzögerte dieses fünfsätzigen Werkes betont, ja rücksichtslos zur Diskussion stellt.

Sirala nun sichtet alles Schwere, alles Bedrückende dieser Partitur in Richtung Helligkeit. Der Kampf gegen die einleitenden Akkordschläge, gegen die Doppeloktaven scheint gewonnen, noch ehe das Hauen und Stechen begonnen hat. Brahms’ f-Moll-Sonate wirkt unter diesen Umständen wie eine gleichsam klassifizierte, auf Clementi rückbezogene, von allen gefährlichen romantischen Viren befreite Sonate. Und dann, im zweiten Teil der Edition, verbreiten unter den flinken, geschmeidigen Händen Siralas auch die Walzer op. 39 eine Atmosphäre der stromlinienförmigen Regsamkeit, kaum aber jene hauchenden, schmerzlichen, herbstlich-sonnigen Willkommens- und Abschiedsgefühle deutsch-wienerischer Tanz- und Bedeutungsmelancholie im kunstvollen Echo auf die Werke Schuberts, Lanners und des von Brahms so bewunderten Johann Strauß.

Peter Cossé † [06.07.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5
216 Walzer op. 39

Interpreten der Einspielung

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