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CD-Besprechung

naïve V 5026

1 CD • 78min • 2004

12.10.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Nach der mittelmäßigen, jüngst erschienenen Live-Aufnahme der Fünften Mahlers unter Sakari Oramo aus Birmingham vom Oktober 2004 (Warner Classics CD 2564 62055 2) legt Naïve nunmehr eine weitere stumpfe Version dieses Werkes vor, live aufgenommen nur wenige Wochen zuvor (1. Juli 2004) im Pariser Théatre des Champs-Élysées, diesmal mit dem Orchestre National de France unter Bernard Haitink. Das Ergebnis ist nicht besser als dasjenige Oramos und läßt mich dem Wiener Kritiker Wilhelm Sinkovicz zustimmen, der in der Ausgabe des Magazins der Wiener Gesellschaft für Musikfreunde vom November 2005 sinnreich angemerkt hat, die vor gut vierzig Jahren einsetzende Mahler-Renaissance sei inzwischen möglicherweise “sogar bereits eine allzu gründliche” geworden.

Bernard Haitink exekutiert die fünfte Sinfonie mit einer dicken, goldenen Patina, in getragenen Tempi und von der Grundhaltung her in einem Aufführungsstil, den man auch bei diesem Werk als inzwischen sattsam bekannt bezeichnen möchte. Allenfalls durchschnittlich ist die Klangqualität dieses Radio France Mitschnittes, der zu Beginn des ersten Satzes (Tr. 1, ca. 0’21 bis 0’37) gar einen Moment lang zu eiern scheint; der zweite Satz ist sehr direct, nahezu ohne Pause, schon fast attacca auf den ersten Satz folgend (Tr. 2). Der Orchesterklang ist weichgespült, in blassen Farben, mit hochgepegelten Holzbläsern, mit im Gesamtbild dominierenden Außenstimmen (Geigen, Celli, Bässe) und Blechbläsern – und noch dazu musiziert mit all den eingeschliffenen Schlampereien, die Mahler-Kenner von jeher ärgern: Die Trompeten-Triole, die Sir John Barbirolli noch 1969 so unerbittlich und streng im Takt herausgemeißelt hatte, kommt wieder im falschen, doppelt scharfen Rhythmus daher (wobei Haitink das vom ganzen Orchester übernehmen läßt). Nirgends gerät die Musik wirklich ins Brodeln; sie wirkt mitunter im Detail selbstverliebt, introvertiert, aber eben auch fahl, ja belanglos. Haitink hilft seine ganze gesangliche Phrasierungskunst (die er mitunter durch Mitsummen unterstützt) leider nichts, wenn es in seinem Musizieren keine Kontraste mehr gibt, die das Geschehen für den Hörer spannend machen könnten.

Wie man diese Sinfonie zum Kochen bringen kann, das haben große Dirigenten der Vergangenheit mehr als einmal gezeigt (Mitropoulos, Walter, Barbirolli, Bernstein); auch klangtechnisch phänomenal ist insbesondere der 1999 vorgelegte Live-Mitschnitt mit der Jungen Deutschen Philharmonie unter Rudoph Barshai geraten (Laurel Records, LR 905). Selbst die betagte Barbirolli-Aufnahme mit dem New Philharmonia Orchestra (EMI CDM 7 69186 2) hat im digitalen Remastering von 1988 weitaus mehr Kontrast und Räumlichkeit zu bieten als diese einschläfernde Neuproduktion. Und wie man Mahler auch heute noch weitaus spannender musizieren kann, zeigen zwei großartige Neuproduktionen der ersten Sinfonie unter Roger Norrington und der zehnten Sinfonie in der Cooke-Komplettierung unter Michael Gielen, die soeben bei Hänssler Classic erschienen sind.

Dr. Benjamin G. Cohrs [12.10.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gustav Mahler
1Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

Interpreten der Einspielung

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