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Besprechung CD

Harlekin sucht Colombine

Berlin Classics 0017942BC

1 CD • 80min • 2006

27.09.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

So einiges wurde in diesem Mozart-Jahr probiert, um sich nicht auf alten kommerziellen Wegen nachsagen zu lassen, man schöpfe nur aus dem Fundus des Vorhandenen. Der als Autor der Texte angegebene Wolfgang Knauer, über den im Beiheft aber nichts verraten wird, hat sich die (in Wirklichkeit überflüssige) Mühe gemacht, ein virtuelles, musikalisches „Gespräch der Baronin von Waldstätten mit dem abwesenden Leopold Mozart über Frauen im Lebens seines Sohnes Wolfgang Amadeus“ zu führen. Unter dem Motto „Harlekin sucht Colombine“ wird an den Haaren herbeigezogen, was Vater Leopold in dieser und jener liebesintensiven Sache zu plappern hatte – verbalstilistisch auf die Zeit dieser alten Jahre hingebogen, von Gudrun Landgrebe souverän verlesen. Letzten Endes aber bleibt ein schaler Nachgeschmack: ein Anhängsel an die Mozart-Geschäftigkeit 2006!

Sebastian Knauer, ein deutscher Pianist mit einigen manuellen und ideellen Gaben, bietet hier belebtes, in den gestalterischen Grundentscheidungen unauffälliges, im besten Sinn unterhaltsames Mozart-Spiel. Von den Variationen KV 265 (Ah, vous dirai-je Maman) habe ich elektrisierendere, eigenwilligere Einspielungen in Erinnerungen (etwa mit Fazil Say / Warner WE 885, mit Christoph Eschenbach / Philips 456763-2), aber auch viel langweiligere, holzigere (wie mit Carl Seemann / DG 00289 477 5856).

Es bleibt, versucht man ein Resumée zu ziehen, der Nachgeschmack, sich musikalisch-schriftstellerisch an die merkantilen Möglichkeiten des Mozart-Jahres angehängt zu haben, um etwas aus dem großen Topf der Komponisten-Verehrung und -Vermarktung 2006 abzuschöpfen. Über das Liebesleben Mozarts wissen wir inzwischen genug. Da hilft es dem Musikfreund herzlich wenig, in artigen, oft gestelzt humorigen Worten noch das eine oder andere – noch dazu spekulativ – aus der Intimsphäre serviert zu bekommen. Der Autor begibt sich hier in eine Sphäre der posthumen Regenbogenpresse, des klavierbegabten Adabeis, der weder zur Erkenntnis eines Genies noch zur Blamage eines lebensfreudigen Hallotris wirklich Wesentliches beizutragen vermag. Man sollte Mozart aufführen – freilich nicht so geballt wie jüngst in Salzburg! –, ihn ansonsten lesen, sofern er etwas zu Papier gebracht hat, nächstens aber in Ruhe lassen. Der hier publizierte Rest wird im Bereich des Peinlichen verbleiben und deshalb auch verzichtbar sein.

Peter Cossé † [27.09.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Rondo D-Dur KV 485
2Klaviersonate Nr. 7 C-Dur KV 309 KV 284b
3Rondo major KV 494 for Piano
4Fantasie c-Moll KV 475 für Klavier
5Klaviersonate Nr. 14 c-Moll KV 457
6Zwölf Variationen über Ah, vous dirai-je, Maman C-Dur KV 265 KV 300e

Interpreten der Einspielung

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