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CD-Besprechung

Ramée RAM 0801

1 CD • 62min • 2007

11.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Provokant geht der Verfasser des Begleittextes zu dieser CD ans Werk, wenn er gleich zu Beginn seiner Ausführungen die Alternativfrage „Bach – Genie oder Scharlatan?“ stellt. Die These, dass Bach unter den Komponisten seiner Zeit ein alter Zausel gewesen sei, dessen Musik von den Zeitgenossen als verzopft und artifiziell angesehen wurde, ist mittlerweile ein alter Hut, mit dem die Verteidiger von Bachs Kollegen minderen Nachruhms für diese eine Lanze brechen wollten, wies doch ihre Musik deutlicher in die galante und empfindsame Zukunft. Johann Sebastian Bach hat allerdings unter Kennern immer schon großen Respekt gefunden – sein Sohn Philipp Emmanuel (ein musikalischer Avantgardist seiner Generation) setzte sich rückhaltlos für das Werk seines Vaters ein, Mozart brach 1789 angesichts Bachscher Autographe in Leipzig in den begeisterten Ausspruch aus: „Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen läßt!“ „Nicht Bach, Meer sollte er heißen.“ – von Beethoven stammt dieser Ausspruch, und selbst Richard Wagner rechnete den alten Bach unter seine musikalischen Ahnen. Bach und Händel sind die ersten Komponisten der Musikgeschichte, die seit ihrem Tod eine ununterbrochene Wirkungsgeschichte aufzuweisen haben. Im Verlauf des Begleittextes stellt sich die provokante Eingangsthese mehr und mehr als rhetorische Finesse heraus, die dem Text wirkungsvoll Würze verleiht.

Gerade dieses hätte man sich von den Interpreten der vorliegenden CD gewünscht! Mit den Sonaten für Viola da gamba und basso continuo präsentieren sie Werke für ein Instrument, das nach einer letzten Blüte in der Frühklassik von der vorwärts stürmenden Musikgeschichte ebenso ad acta gelegt worden ist wie beispielsweise die Laute. Das romantische Zeitalter vertraute auch in der Kammermusik seine Gefühle nicht mehr Instrumenten an, die mit einem abwechslungsreichen Timbre über reiche rhetorische Entfaltungsmöglichkeiten verfügten und sich für eine emotionsgeladene Gegensätzlichkeit zwischen lauten und leisen Tönen weniger eigneten.

Mieneke van der Velden und ihre Mitstreiter gehen die Gambensonaten mit einer besinnlichen Interpretationshaltung an. Bach gibt seinen Stücken für die auch schon damals nicht mehr moderne Gambe die neue Form der Sonate, während er seine Sammlung für das durchaus zeitgemäßere Cello in das altmodische Gewand der Suite kleidet; von diesem reizvollen formalen Gegensatz ist auf der vorliegenden Aufnahme wenig zu spüren. Pieter Wispelwey benutzt für seine Einspielung der Gambensonaten zwar ein Violoncello piccolo, entlockt diesem aber dank seiner französischen Spieltechnik gambenmäßig nasale Töne und weiß vor allem den Ecksätzen eine der Sonatenform angemessene rhetorische Vorwärtsentwicklung zu geben. Bei aller Schönheit ihres Timbres tritt Mieneke van der Velden diesbezüglich oft auf der Stelle, so gewinnen dynamische Phrasen dann eine zu beschauliche Atmosphäre. Wispelwey und Egarr unterstreichen Bachs moderne Aufgabenstellung für das alte Instrument noch zusätzlich dadurch, dass sie gelegentlich ein Fortepiano als Begleitinstrument einsetzen – man weiß, mit welchem Interesse Bach diesbezügliche Experimente seines Freundes Silbermann begleitet hat.

So lässt sich bei allem Wohlklang dieser „Bach – da Gamba“ betitelten CD doch nicht verleugnen, dass gelegentlich ein wenig eine Atmosphäre stiller Einkehr, Ungeduldige würden sagen der Langeweile, aufkommt.

Vergleichsaufnahme: Bach: Gambensonaten BWV 1027-1029; Pieter Wispelwey (Violoncello piccolo), Richard Egarr (Cembalo, Orgel, Fortepiano), Daniel Yeadon (Barockcello). CCS 14198

Detmar Huchting [11.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Triosonate G-Dur BWV 1038 für Violine, Viola und basso continuo 00:08:28
5Sinfonia (aus: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes BWV 76) – Adagio Vivace 00:03:05
7Sonate Nr. 3 g-Moll BWV 1029 00:16:01
10Fantasie g-Moll BWV 917 00:02:33
11Sonate Nr. 2 D-Dur BWV 1028 00:16:47
15Sinfonia Nr. 3 D-Dur BWV 789 00:01:21
16Sonate Nr. 1 G-Dur BWV 1027 für Viola und Cembalo 00:13:45

Interpreten der Einspielung

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