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CD-Besprechung

Johann Gottlieb Graun • Carl Heinrich Graun

Concerti

cpo 777 321-2

1 CD • 63min • 2007

18.03.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die Brüder Graun waren einander im Leben eng verbunden; nur ein Jahr Altersunterschied trennte die beiden (Johann Gottlieb wurde 1703, Carl Heinrich 1704 geboren), 1713 kamen beide auf die Dresdner Kreuzschule, schließlich wirkten sie beide ab 1735 für den Rest ihren Lebens am Hof des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrichs II., Johann Gottlieb als Konzertmeister, Carl Heinrich als Sänger, Vizekapellmeister und überaus erfolgreicher Opernkomponist.

Allein der Name „Graun" bedeutete zu Lebzeiten der Brüder offensichtlich bereits ein Qualitätszeichen, tragen doch viele Manuskripte die zeitgenössische Herkunftsbezeichnung „di Graun" oder „del Sign. Graun", die durch heutige Forschungen als Werke anderer, minder berühmter Komponisten erkannt worden sind. Eine eindeutige Zuordnung von Stücken zu einem der Brüder erweist sich oft als kompliziertes Unterfangen, die beiden ähneln einander in ihren Stilmerkmalen so sehr, dass der wahre Urheber von Werken, die nichts als dem Namen „Graun" im Titel tragen, anhand musikwissenschaftlicher Untersuchungen oft nicht möglich ist.

Die Capella Academica Frankfurt ist ein Zusammenschluss von Musikern, die jahrelange Erfahrungen in führenden europäischen Barockensembles und -orchestern in ihr Ensemble einbringen – sie lehren überdies am „Institut für Historische Interpretationspraxis" der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt. Die Flötisten Michael Schneider und Karl Kaiser, die Geigerin und Bratscherin Petra Müllejans, der Fagottist Christian Beuse, Solisten dieser Einspielung, sind in der Welt der historisch informierten Aufführungspraxis klingende Namen, die für Qualität bürgen.

Das vielseitige Programm dieser CD besteht aus einer Sinfonie und vier Instrumentalkonzerten: Zwei Stücke entstammen eindeutig der Feder Johann Gottlieb Grauns, die drei anderen lassen sich keinem der beiden Brüder zuordnen, bei dem Fagottkonzert kommt sogar auch noch Johann Christoph Graupner (1683-1760) infrage. Berlin war zur Zeit Friedrichs des Großen eine Stadt mit blühendem Geistesleben. Der König selbst residierte in Potsdam und hielt sich selten in Berlin auf, sein Musikgeschmack war moderat modern, wie seine eigenen (mit reichlich Hilfe von Seiten seines Flötenlehrers Quantz entstandenen?) Kompositionen zeigen. Was über diesen etwas blassen spätbarock-galanten Stil hinausging, interessierte den König nicht – so verhielt er sich gegenüber der hochexpressiven musikalischen Musik seines Kammercembalisten Carl Philipp Emmanuel Bach ausgesprochen abweisend. Glücklicherweise bot das in Berlin aufblühende Bildungsbürgertum einen idealen Nährboden für musikalische Experimente, den C. Ph. E. Bach, Franz Benda und die Brüder Graun fleißig beackerten. So sind die Werke dieser CD ganz auf der Höhe ihrer abwechslungsreichen Zeit, in ihnen lassen sich „sämtliche stilistische Sprachen der Übergangszeit zwischen Hochbarock und der sogenannten ‚Klassik‘" nachvollziehen, wie Michael Schneider im Begleittext feststellt. Vom Blockflötenkonzert, das ein allmählich veraltendes Instrument noch ganz im eleganten Idiom Telemanns zeigt, geht das Spektrum über das charmante und ausdrucksvolle Konzert für Traversflöte bis hin zum Doppelkonzert für Geige und Bratsche und einer Sinfonie, die in ihrem Widerspiel emotionaler Gegensätze deutlich unter dem Einfluss Philipp Emmanuel Bachs stehen.

Das Spiel der Capella Academica Frankfurt ist kraftvoll, farbenreich, rhetorisch ausgeprägt, lässt allerdings auch nicht den Charme vermissen, der zum Genuss dieser Musik unbedingt dazugehört. So dürfte diese CD zu einer Pflichtanschaffung für jeden Liebhaber der Musik des 18. Jahrhunderts und des Stils zwischen Barock und Klassik werden.

Detmar Huchting [18.03.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Gottlieb Graun
1Sinfonie B-Dur Mennicke 83 Henzel A.XII:27 für Streicher und B.c. 00:07:46
4Konzert c minor Willer 116 Henzel A:XII:3 for Violin, Viola, Strings and B.c. 00:24:48
Carl Heinrich Graun
7Konzert F major Willer 147 Henzel Cv XIII:125 for Bassoon, Strings and B.c. 00:09:53
10Konzert C major Willer 3 Henzel Cv XIII:96 for Recorder, Violin, Strings and B.c. 00:09:18
13Konzert e minor Willer 53 Henzel D:XIII:171 for Baroque Flute, Violin and B.c. 00:10:48

Interpreten der Einspielung

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