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CD-Besprechung

cpo 777 310-2

1 CD • 62min • 2008

15.05.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die neueste Veröffentlichung der Julius-Röntgen-Edition bei cpo versammelt drei Sinfonien aus den späten Schaffensjahren des Deutsch-Niederländers, eines Brahms-, Grieg- und Nielsen-Freundes: die 1931, ein Jahr vor seinem Tod innerhalb von zwei Wochen vollendete Sinfonie Nr. 19 B.A.C.H. sowie zwei Werke der Vokalsinfonik, die Sinfonie Nr. 5 Schnitter Tod für Tenor solo, Chor und Orchester aus dem Jahr 1926 und die Sinfonie Nr. 6 Rijck God, wie sal ic claghen (Großer Gott, wie muss ich klagen) für Chor und Orchester von 1928.

Zu dem kammermusikalischen Schaffen des wohl wichtigsten und vielseitigsten Komponisten Hollands während der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe ich sehr schnell einen Zugang gefunden. Seinem sinfonischen Werk und damit den drei hier vorgestellten Schöpfungen stehe ich jedoch auch nach mehrmaligem Hören ziemlich ratlos gegenüber. Es ist eine Musik, die auf mich seltsam konstruiert, bisweilen ziellos wirkt und der für meinen Geschmack ein natürlicher Fluss fehlt. Ausnehmen möchte ich allein die Sinfonie Nr. 19 über das B-A-C-H-Motiv. Nicht nur, dass dieses Abbild Röntgens großer Bach-Verehrung eine handwerkliche Meisterleistung ist. Jeder der vier Sätze, der das B-A-C-H-Thema vorstellende aufwühlende Kopfsatz, das elegante und transparente Allegretto grazioso, das kraftvoll marschartige Allegro agitato (im 2./3. Satz erscheint das B-A-C-H-Motiv jeweils nur im Themenkopf) sowie die große und die Grenzen der Tonalität streifende finale Fuge – alles, bis hin zur Instrumentierung zeugt von großer Erfindungs- und vor allem Empfindungskraft und vermittelt mir den Eindruck, als ginge Julius Röntgen das Sinfonische sehr leicht von der Hand.

Aber die Sinfonien Nr. 5 und Nr. 6 und das ihnen innewohnende Spiel mit barocken und modernen Elementen sowie mit Brahms-Anklängen? Düster und beklemmend ist ihre Atmosphäre. Das mag auf ihre Thematik zurückzuführen sein. Nr. 5, einem Kommentar zu den Ereignissen des 1. Weltkrieges und der Zeit danach, liegt das weltliche Lied Schnitter Tod aus dem Dreißigjährigen Krieg zugrunde, das erst im letzten Satz komplett erscheint und hier im Wechsel von Solo-Tenor und dem Chor vorgetragen wird. Und doch wirkt dieses Werk seltsam uninspiriert; kaum organische Entwicklungen oder Spannungsverläufe, dafür merkwürdig statisch und voller ins Leere führende Sequenzierungen. Ähnlich verhält es sich mit der einsätzigen Sinfonie Nr. 6 über das weltliche Lied Großer Gott, wie muss ich klagen. Auch hier kommt das musikalische Geschehen kaum richtig in Gang, tritt immer wieder auf der Stelle. Oder liegt das vielleicht in der Absicht des Komponisten? Schließlich handelt es sich um ein Werk auf den Tod von Fürst Heinrich von Reuß XXVII (1858-1928), das Mitglied einer Adelsfamilie, mit der Röntgen einen regen Kontakt pflegte – und möglicherweise um eine Huldigung der Kaiserin Hermine, geborene Prinzessin Reuß und zweite Ehefrau des deutschen Kaisers. Doch gewollter tragischer Tonfall hin oder her: Diese Musik will sich mir einfach nicht erschließen. Eine Repertoirebereicherung ist sie allemal, auch Dank der Interpreten, allen voran der fabelhafte Tenor Marcel Beekman. Trotz dieses nicht näher definierbaren und auch nicht wirklich verständlichen meditativen Tonfalls agieren sie alle unter der Leitung von David Porcelijn sehr akkurat, voller Elan und Esprit. Und mit starker Empfindung – das Consensus Vocalis mehr noch als das Netherlands Symphony Orchestra.

Christof Jetzschke [15.05.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Julius Röntgen
1Sinfonie Nr. 6 (Rijck God, wie sal ic claghen) 00:16:32
2Sinfonie Nr. 19 (B.A.C.H.) 00:16:12
6Sinfonie Nr. 5 (Schnitter Tod) 00:28:19

Interpreten der Einspielung

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