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CD-Besprechung

Julius Röntgen

Symphonies 7, 11, 12, 14, 22-24

cpo 777 309-2

2 CD • 1h 43min • 2006, 2007

29.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

David Porcelijn schließt mit dieser Doppel-CD seinen annähernd vollständigen Überblick über das sinfonische Schaffen des deutsch-niederländischen Komponisten Julius Röntgen (1855-1932) ab. Die sieben eingespielten Werke entstanden alle zwischen 1930 und 1932. Wie bitte? Sieben Sinfonien auf zwei CDs? Ist das etwa MP3-komprimiert? Nein, fünf der Werke sind einsätzig und haben eine Spielzeit von weniger als 16 Minuten. Andere Tonkünstler hätten diese Werke wohl eher als „Sinfonische Dichtung“ oder „Konzertouvertüre“ bezeichnet. Auch die beiden viersätzigen Werke benötigen nur um die 20 Minuten Spieldauer. Denkt man an die im damaligen Holland populären Riesenwerke Mahlers, könnte man Ironie vermuten. Jedoch handelt es sich um meisterhaft instrumentierte Orchesterminiaturen harmonisch konservativen Zuschnitts, bei denen es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie auf ältere Entwürfe zurückgehen.

Würzige Kürze

Alle sieben Werke sind unbedingt hörenswert. Die Sinfonie Nr. 7 f-Moll entstand anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Edinburgh – somit ein Parallelfall zu Haydns „Oxford“- und Dvořaks 8. Symphonie für Cambridge. Hier zeigt sich Röntgen als meisterhafter Kontrapunktiker, indem er den Kopfsatz als Präludium, Fuge und Variation anlegt und dadurch an C. Franck anknüpft. Die Sinfonie Nr. 24 E-Dur schwelgt in ihren vier Sätzchen in den impressionistisch-pastellenen Farben von Ralph Vaughan Williams‘ Pastoral-Symphony. Ein effektvoller Knaller ist die 23. Sinfonie über das holländische Volkslied „In Babylone“ mit großer Bläserbesetzung und obligater Orgel. Vaughan Williams war von einer früheren Bearbeitung der Melodie durch Röntgen derart begeistert, dass er sie in das „English Hymnal“ aufnahm. Noch Unentschlossenen sei empfohlen, einmal in die Sinfonie Nr. 11 g-Moll Wirbel hineinzuhören. Ein dramatisches Stück, das durchaus dem Vergleich mit Dvořaks Mittagshexe standhält.

Erlösung aus der Schublade

Julius Röntgen hat diese Sinfonien selbst nicht mehr veröffentlichen können. Dies blieb der holländischen Stiftung Donemus vorbehalten, die sich das Ziel gesetzt hat, niederländische Komponisten zu fördern und ihre Werke zu verlegen. Da Röntgen die Vaterfigur des Amsterdamer Musiklebens von ca. 1880 bis 1925 war – er gründete das Konservatorium und war an der Errichtung des Concertgebouw beteiligt – erschienen seine Werke binnen der letzten 25 Jahre in deren Verlag als Hommage.

Engagierte Interpretation

David Porcelijn, der sich mittlerweile zum Röntgen-Spezialisten entwickelt hat und für den es ein Liebesdienst zu sein scheint, die Werke seines Landsmanns der Vergessenheit zu entreißen, leitet die Orchester aus Frankfurt/Oder und Helsinki kongenial an. Besonders gehören die delikaten Soli der Bläser und des Cellos in diesen farbig instrumentieren Werken hervorgehoben. Das Klangbild geht – auch wenn die Aufnahmen bereits 2006/7 entstanden – weitestgehend in Ordnung. Der Booklet-Text von John Smit bietet höchst wertvolle Höranleitungen.

Fazit: Musik hochromantischen Zuschnitts, die vielleicht 50 Jahre zu spät entstand, aber jedem Liebhaber von Orchestralem nur empfohlen werden kann. Röntgen beherrschte sein Metier, hatte melodisch reizvolle und wiedererkennbare Einfälle. Wer Dvořak und seine Zeitgenossen schätzt, sollte zur Abwechslung einmal eine Brise holländischer Seeluft schnuppern. Auch als „Jahresendgeschenk ohne Lieferengpass“ durchaus geeignet!

Thomas Baack [29.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Julius Röntgen
1Sinfonie Nr. 7 f-Moll (Edinburgh) 00:21:57
5Sinfonie Nr. 14 D-Dur (Winterthur) 00:09:54
6Sinfonie Nr. 12 C-Dur (In Babylone) 00:10:08
CD/SACD 2
1Sinfonie Nr. 11 g-Moll (Wirbel) 00:14:48
2Sinfonie Nr. 23 c-Moll 00:16:38
3Sinfonie Nr. 22 fis-Moll 00:12:04
4Sinfonie Nr. 24 E-Dur 00:17:34

Interpreten der Einspielung

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