Joseph Beer
Der Prinz von Schiras
Opernchor Regensburg • Philharmonisches Orchester Regensburg • Stefan Veselka
cpo 555 670-2
2 CD • 1h 55min • 2023
30.03.2026
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Gesamteindruck:![]()
Als cpo vor zehn Jahren die bis dahin völlig in Vergessenheit geratene Operette Polnische Hochzeit von Joseph Beer in einer Produktion mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer herausbrachte, war die Überraschung, selbst unter Fachleuten, perfekt. Seitdem hat dieses Stück an mehreren Theatern seine Bühnenwirksamkeit unter Beweis stellen können. Der außergewöhnliche Rang des Komponisten wird nun durch den Mitschnitt einer Bühnenaufführung seines Erstlings Der Prinz von Schiras aus dem Theater Regensburg aufs Beste bestätigt.
Generationenwechsel
Im Januar 1934 kam an der Wiener Staatsoper Franz Lehárs letzte Operette Giuditta mit Richard Tauber und Jarmila Novotna heraus, zwei Monate später in Zürich die erste Operette des damals erst 25jährigen Joseph Beer, Der Prinz von Schiras. Die Zeit für einen Generationenwechsel war überreif und der Schüler des konservativen Joseph Marx wurde nach dem großen Premierenerfolg, dem sich bald Aufführungen in anderen europäischen Städten anschlossen, auf einen Schlag der große Hoffnungsträger auf dem eher leichtfertigen Gebiet der Operette. Für dieses Genre entdeckt und gewonnen hatte ihn der (später von den Nazis ermordete) Wiener Star-Librettist Fritz Löhner-Beda, der für zahlreiche Textbücher Lehárs und Kálmáns verantwortlich zeichnete.
Dreifaches Happy End
Für den Newcomer Beer ließ er sich nichts grundlegend Neues einfallen, griff in der Wahl des Sujets auf das Erfolgsmodell Das Land des Lächelns zurück. Anstelle des chinesischen Prinzen tritt nun ein persischer, der mit ihm die Besitzansprüche und das herrische Auftreten gemeinsam hat. Die Amerikanerin Violet ist aber nicht Lisa, sondern eine emanzipierte Frau, die erst ihrem Verlobten Hastings den Laufpass gibt und dann der Ehe mit dem Perser nur unter der Bedingung zustimmt, sich danach gleich wieder scheiden zu lassen. Anders als in der Herz-Schmerz-Version Lehárs kommt es hier zu einem schwach motivierten Happy End (sie liebt ihn halt trotzdem), und mehr noch: auch Jasmine, die Schwester des Prinzen, läuft bei dem Vicomte de la Motte-Latour, einem notorischen Schürzenjäger, in einen vermeintlich sicheren Ehehafen ein. Glück und Wohlstand winkt auch Violets Gefährtin Nell an der Seite des Stewards Jimmy, der sich als verkappter Millionär entpuppt. Und noch ein weiteres Buffo-Paar kommt bei Löhner-Beda zum Einsatz: die persischen Diener Hassan und Fatme, wobei er mit einem Mezzo, sie mit einem Bariton besetzt ist.
Originelles Stilgemisch
Musikalisch zeigt sich der Anfänger Beer bereits mit allen Wassern gewaschen, erneuert die Gattung durch kühne Aneignung und Mischung gewachsener Tradition. Lehárs zur Oper tendierende Melodienseligkeit, Kálmáns folkloristisch-tänzerische Beschwingtheit und Paul Abrahams jazzige Rhythmen verbinden sich zu einem originellen Stilgemisch, in dem auch die exotischen Klangfarben nicht fehlen. Das rhythmische Element spielt dabei eine wesentlichere Rolle als in der alten Wiener Operette. Tango, Foxtrott und English Waltz wirbeln die Szene auf, aber es gibt auch ein paar Tauber-würdige Ohrwürmer wie Nadirs Arie „Du warst der selige Traum“ oder seine beiden Duette mit Violet („Süße Violetta“ und „Sag, dass Du mich lieb hast“). Zufrieden war übrigens auch der Lehrer Marx, der das Werk als „symphonische Singspiel-Operette“ einschätzte und Beer attestierte, dass er „die klassische Polyphonie“ kenne und „Figuratives und Kontrapunkt zu unterscheiden wisse“, was man nur wenigen Operetten-Komponisten nachrühmen könne.
Mitreißender Schwung
Die Regensburger Aufführung, die hier dankenswerterweise komplett (also auch mit den gesprochenen Dialogen) wiedergegeben wird, macht dem Theater, das soeben mit dem OPER! AWARD 2026 ausgezeichnet wurde, alle Ehre. Die CD vermittelt den mitreißenden Schwung der Produktion, die ungebremste Spiel- und Musizierlaune aller Beteiligten. Die Ensembleleistung ist homogen, mit einigen Glanzlichtern. So empfiehlt sich der sinnlich strahlende chilenische Tenor Carlo Moreno Pelizari (Nadir) für größere Häuser, die Sopranistin Kirsten Labonte (Violet) zeigt auch feinere Zwischentöne und der tenoral helle Bariton Matthias Störmer (Vicomte) nimmt vor allem durch klare Textgestaltung für sich ein. Der Motor des ganzen Unternehmens ist das Regensburger Orchester unter Stefan Veselka, das mit nimmermüdem Schwung Beers Partitur ausschöpft, in der neben der traditionellen Streicher- und Bläserbesetzung auch Saxophon, Banjo, Xylophon, Vibrafon und Gong zum Einsatz kommen.
Ekkehard Pluta [30.03.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Joseph Beer | ||
| 1 | Der Prinz von Schiras (Operette in drei Akten) | 01:54:42 |
Interpreten der Einspielung
- Carlos Moreno Pelizari (Prinz Nadir von Schiras - Tenor)
- Theodora Varga (Jasmine, Schwester des Prinzen - Sopran)
- Kirsten Labonte (Miss Violet Colton, eine junge amerikanische Frau - Sopran)
- Michael Haake (Harry Hastings, Violets Verlobter - Sprechrolle)
- Scarlet Pulwey (Nell Anthony, Violets Begleiterin - Sopran)
- Matthias Störmer (Vicomte de la Motte-Latour, ehemaliger französischer Botschafter - Bariton)
- Paul Kmetsch (Jimmy Winterstein, Oberkellner - Tenor)
- Felix Rabas (Hassan, Kammerdiener des Prinzen Nadir - Bariton)
- Fabiana Locke (Fatme, Hassans Frau - Mezzosopran)
- Roger Krebs (Der Kapitän - Baß)
- Opernchor Regensburg (Chor)
- Philharmonisches Orchester Regensburg (Orchester)
- Stefan Veselka (Dirigent)
