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Besprechung CDJohannes Brahms

Johannes Brahms

Ein deutsches Requiem
Arrangement for chamber orchestra by Joachim Linckelmann

Rondeau ROP6281

1 CD • 64min • 2025

14.05.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Brahms-Requiem bietet einen so gewaltigen Orchesterklang auf, dass viele Chöre nicht immer dagegenhalten können. Nicht jeder hat einen Profi-Chor oder gar die von Brahms angeblich gewünschten 200 Sänger zur Verfügung. Deshalb gab es von Anfang an immer schon Bearbeitungen des Requiems: für vierhändiges Klavier (von Brahms selber), für ein Klavier (von Theodor Kirchner), für zwei Klaviere und Pauke (von Heinrich Poos) und für Kammerorchester (von Ingo Schulz). Ebenfalls für Kammerorchester hat 2010 Joachim Lickelmann eine Fassung veröffentlicht. Diese Fassung hat Thomas Kalb verwendet für eine Aufführung mit dem Jungen Kammerchor und der Jungen Kammerphilharmonie Rhein-Neckar, die hier nun als mitgeschnittene CD vorliegt. Linckelmann hat die Doppelzahl der Holzblasinstrumente vereinfacht, die Harfe gestrichen sowie die Posaunen. Die Harfe hat er durch die Flöte ersetzt, was am Ende des 1. Satzes etwas irritiert, am Ende des Werkes aber durchaus überzeugt, wenn die Töne wie die gestorbenen Seelen in den Himmel aufzusteigen scheinen. Am meisten aber vermisst man die Posaunen, sowohl beim bohrenden Orgelpunkt im 2. Satz als auch da, wo sie im Text explizit genannt werden, nämlich „die letzte Posaune“ des Jüngsten Gerichts im 6. Satz.

Jugendlichkeit und Frische des Chorklangs

Wenn man sich einhört in diese Aufnahme, verlieren diese Bemerkungen an Wichtigkeit, vielmehr erfreut man sich an der Durchsichtigkeit des Klanges von Chor und Orchester. Und man freut sich an der Kunst der Tonregie, die es schafft, in einer einmaligen Live-Aufnahme sowohl den Raumklang der Evangelischen Kirche Hoffenheim aus dem 19. Jahrhundert stimmig miteinzufangen als auch die Trennschärfe der Chorstimmen und Orchesterinstrumente vorbildlich zu gestalten. Der Junge Kammerchor Rhein-Neckar entwickelt unter der Einstudierung von Mathias Rickert eine erfreuliche Jugendlichkeit und Frische, einen vor allem in den Frauenstimmen aufgehellten, mädchenhaften Klang und auch eine sehr exakte Artikulation: Wenn sie die „köstliche Frucht“ besingen, hört sich das wirklich köstlich, also geradezu appetitlich, an; wenn sie mahnen: „Seid nun geduldig, liebe Brüder, auf die Zukunft des Herrn“, schwingt Zukunftsfreude mit, die „lieblichen Wohnungen“ sind liebreizend ausgemalt. Sorgfältig ist die Konsonantenbehandlung: Wenn der Chor am Ende singt: „Selig sind die Toten“, ist das End- „d“ (sind“) genau getrennt vom Anfangs- „d“ („die“). Die Frauenstimmen sind immer noch tragfähig bei den schwierigen Piano-Stellen im letzten Satz, wenn man eigentlich durch den Stimmaufwand in den vergangenen Sätzen schon geschwächt ist. Und die gefürchtete Chor-Stelle im 3. Satz „(„Ich hoffe auf dich“) mit den freischwebenden Einsätzen und den aufsteigenden Triolen gelingt furcht- und mühelos. Der Chortenor singt leicht, hat aber etwas wenig durchschlagskräftig. Ein kleiner Einwand zum insgesamt hervorragenden Chorklang: Das so oft verlangte „Piano espressivo“ hat oft zu wenig Espressivo.

Ohne nachdrückliches Pathos

Ebenfalls mühelos, leicht und helllicht klingt der Sopran von Judith Wiesebrock. Sie steuert die Höhe leicht an und verweilt unangestrengt dort. Dem eher lyrischen Bariton von Jan-Ole Lingsch fehlt es etwas an verkündender Prophetenhaftigkeit. Der Dirigent Thomas Kalb geht dieses gewichtige Werk ohne nachdrückliches Pathos an, bevorzugt einen schreitenden und vorwärtsdrängenden Duktus. Dem Trauermarsch des 2. Satzes nimmt er etwas an Trauermarschcharakter, weil der Chor sehr legato singt und das Orchester nicht sehr „marcato“ artikuliert. Sonst aber freut man sich über den transparenten Orchesterklang, der einen fast Partitur hören lässt. Insgesamt ist es eine vorbildliche Aufnahme für die Kammerorchester-Version des Brahms-Requiems durch das Arrangement von Joachim Lickelmann.

Rainer W. Janka [14.05.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Ein deutsches Requiem op. 45 für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (nach Worten der Heiligen Schrift) 01:13:31

Interpreten der Einspielung

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