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Besprechung CDOscar Straus Der Traum ein Leben • Die Prinzessin von Tragant

Oscar Straus Der Traum ein Leben • Die Prinzessin von Tragant

Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt • Ernst Theis

cpo 555 532-2

1 CD • 63min • 2022, 2021

18.05.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

In seinen späten Jahren hat Oscar Straus (1870-1954), der eigentlich Strauss hieß, den Namen aber um ein „s“ verkürzte, um sich von der Walzer-Dynastie abzusetzen, seine Begegnung mit Johann Strauß II geschildert, der ihm nach einem Vorspielen seiner ersten Kompositionen geraten haben soll: „Lassen’s die faden Symphonien und schreiben Sie fesche Walzer!“ Sein erzkonservativer Lehrer Max Bruch nahm die entgegengesetzte Position ein, er drohte ihm, das Lehrverhältnis aufzukündigen, „wenn es mir einfallen sollte, leichte Musik zu komponieren oder gar eine Operette“. Wie bekannt, wurde Straus später neben Lehár, Kálmán und Fall der bedeutendste Vertreter der Wiener Operette des frühen 20. Jahrhunderts und schrieb im amerikanischen Exil Filmmusiken für Ernst Lubitsch und Max Ophüls. Die vorliegende CD mit zwei gegensätzlichen, im Gesamtwerk eher marginalen Orchesterwerken ist auf jeden Fall eine reizvolle Ergänzung zur bisherigen Diskographie des Komponisten.

Biedermeier spätromantisch

Noch vor seiner Begegnung mit dem Walzerkönig und vor seinem Wechsel zur leichten Muse schrieb Oscar Straus eine Reihe ambitionierter Orchesterwerke, darunter das dreiteilige „symphonische Gedicht“ Der Traum ein Leben nach dem dramatischen Märchen von Franz Grillparzer, das damals (und noch zu meiner Schulzeit in den 1960er Jahren) zum Kanon der Weltliteratur zählte. Es wurde 1898 am Mainzer Theater uraufgeführt, wo Straus vorübergehend als Kapellmeister und Chordirektor engagiert war. Der eigentliche Traum war ursprünglich nur als Ouvertüre geplant, wurde dann aber – der Dramaturgie des Stückes folgend – in zwei idyllische Sätze eingebettet. Die „Pastorale“ beginnt mit einem einprägsamen Hirtenmotiv im Englischhorn, das im letzten Satz „Das Erwachen“ wieder aufgenommen wird. Der Hauptteil schildert die dramatischen Ereignisse des Traums, in dem der ehrgeizige Held Rustan aus der behaglichen Enge des Landlebens, wo er seine besorgte Braut Mirza zurücklässt, zu Abenteuern in der Ferne aufbricht. Dort macht er, auf einer Lüge aufbauend, erst eine erstaunliche Karriere, wird aber schließlich zum Mörder, als sein Betrug aufgedeckt zu werden droht. In die Enge getrieben stürzt er sich von einer Brücke und – erwacht. Er bleibt danach lieber zuhause und kommt zu der Erkenntnis: „Eines nur ist Glück hienieden/Eins des Innern stiller Frieden“. Biedermeier pur, aber von Straus mit den Mitteln der Spätromantik klangprächtig umgesetzt.

Gepflegte Konfektion

Die große Wende im künstlerischen Wollen kam mit der Übersiedlung der mittlerweile fünfköpfigen Familie Straus nach Berlin, wo Oscar beim „Überbrettl“ landete, dem legendären literarischen Kabarett, und dort mit seinen Chansons Furore machte. Mit den satirischen Operetten Die lustigen Nibelungen und Der tapfere Soldat (nach Shaws Arms and the Man) setzte er die Tradition Offenbachs fort und errang mit Ein Walzertraum (1907) seinen ersten Welterfolg. Die gewonnene Reputation führte zu einem Auftrag an der Wiener Hofoper. Das Tanzspiel in einem Akt Die Prinzessin von Tragant, das im Beisein des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 13. November 1912 seine umjubelte Uraufführung erlebte, blieb in der choreographischen Tradition des späten 19. Jahrhunderts verhaftet. Es handelt von einer anspruchsvollen Märchenprinzessin, die drei hochrangigen Freiern eine Abfuhr erteilt und sich in einen ungehobelten Soldaten verliebt, der sich am Ende auch als Prinz erweist. Dem konventionellen Sujet gewinnt Straus gefällige Musik ab, schwelgt in Walzerseligkeit, aber nimmt auch alte Tanzformen wie Gavotte oder Menuett auf. Das ist nicht viel mehr als gepflegte Konfektion. Das atmosphärische Nocturne prägt sich am ehesten dem Gedächtnis ein.

Kompetente Wiedergabe

Das muss man nicht kennen, aber man hört es sich gerne an, wenn es so kompetent und sorgfältig ausgeführt wird wie hier durch das Staatsorchester Frankfurt unter dem Dirigenten Ernst Theis. Der Symphoniker Straus kommt dabei durchaus zu seinem Recht und die Tanzstücke werden mit der nötigen Lockerheit und mit rhythmischem Schwung musiziert. Der Booklet-Text von Stefan Frey ist wie immer sehr informativ und in die Details gehend. Es wäre eine gute Idee, wenn cpo gelegentlich eine komplette Straus-Operette anbieten würde.

Ekkehard Pluta [18.05.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Oscar Straus
1Der Traum ein Leben (Sinfonische Dichtung nach Franz Grillparzer) 00:17:24
4Die Prinzessin von Tragant (Ballett in einem Akt von Heinrich Regel) 00:45:18

Interpreten der Einspielung

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