Felix Woyrsch
Symphonies 1 & 6
Württembergische Philharmonie Reutlingen • Howard Griffiths
cpo 555 628-2
1 CD • 56min • 2023
01.06.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Zwischen 2012 und 2018 hatte das Label cpo vier der sechs Symphonien des für das Musikleben der bis 1938 selbständigen Stadt Altona so bedeutenden Komponisten und Dirigenten Felix Woyrsch (1860–1944) aufgenommen. Mit der Veröffentlichung der beiden noch fehlenden Gattungsbeiträge Nr. 1 & Nr. 6, diesmal allerdings unter anderer Leitung, gibt es nun mit reichlicher Verspätung doch noch die erhoffte Gesamtaufnahme. Als Komponist weitgehend Autodidakt, hat der in Troppau (heute Opava) geborene, später in Hamburg aufgewachsene Woyrsch ab 1883 in Altona 50 Jahre lang das Chorleben aufblühen lassen und seit den 1890er Jahren dort eine Art Orchesterbetrieb eingerichtet, zumeist mit Hamburger Kräften. 1914 wurde er Altonaer Musikdirektor und war als Dirigent durchaus gegenüber der Moderne aufgeschlossen. Mit seinen eigenen Werken blieb er zeitlebens der spätromantischen Tradition in der Nachfolge Bruckners und Brahms’ treu.
Leidenschaftlich und ernst
Nach einer frühen Symphonie in b-Moll (1884), die er trotz wiederholter Aufführungen quasi zurückzog, schrieb Woyrsch erst 1906/07 seine Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 52, die vom berühmten Musikkritiker Ferdinand Pfohl dann »Die Niederdeutsche« getauft wurde. Zu einer Zeit, als etwa Mahler schon seine Tragische komponiert hatte, mag Woyrschs Symphonie zunächst traditionalistisch anmuten, trägt aber dennoch eine unverkennbar eigene Handschrift. Von der Dramatik her ist sie am ehesten mit Brahms’ Erster zu vergleichen und wie diese finallastig – zweifellos ein großartiges Werk, das mit einer Choral-Apotheose in C-Dur endet. Das Stück hatten 1994 bereits die Hamburger Symphoniker unter Miguel Gómez-Martínez grundsolide eingespielt. Nicht zuletzt durch ein wenig zu behäbige Tempi wirkt diese Lesart leider recht akademisch und emotional ähnlich gedeckelt wie es Brahms vielleicht noch gerecht würde, nicht jedoch Woyrsch. Howard Griffiths nimmt die Sätze 1, 2 und 4 deutlich flotter, wodurch manches befreiter, aber auch nervöser und nicht zwangsläufig spannungsvoller erscheint. Die dynamischen Schattierungen sind bei Griffiths etwas gröber, dafür ist die Aufnahmetechnik von cpo klar präsenter als bei den Hamburgern.
Konzentriertes Spätwerk
Woyrschs letzte Symphonie (Sinfonia sacra) entstand in den späten 1930er Jahren und wurde 1941 uraufgeführt. Auch die drei Einzelsätze des mit unter 20 Minuten Spieldauer kompakten Werks sind geprägt durch außermusikalische Bezüge. Wie Norbert Florian Schuck in seinem informativen, ausführlichen Booklettext richtig hervorhebt, scheint der Komponist im Kopfsatz Sanktus „offensichtlich nach Berührungspunkten zwischen der nachwagnerischen und der vorbachischen Musik“ (Schütz) zu suchen. Der Mittelsatz (Via crucis) ist eine dann weitaus chromatischere Passacaglia, die in 14 glänzend instrumentierten Variationen die Stationen des Kreuzwegs darstellt – faszinierend konzentrierte und ausdrucksstarke Musik. Das abschließende Gloria verbindet vielschichtig fugierte und durchführungsartige Abschnitte mit einem Choral und endet mit positiver Überzeugung. Insgesamt spielt die Württembergische Philharmonie Reutlingen eindrucksvoll und Griffiths agiert mehr als nur gewohnt routiniert. Nicht erst mit dieser CD lohnt es sich, den unterschätzten Symphoniker Woyrsch kennenzulernen, dessen ansprechende, dabei höchst anspruchsvolle Musik einmal mehr direkt den Funken überspringen lässt. Wer bereits die Symphonien 2-5 gehört hat, wird sich diese Ergänzung sowieso nicht entgehen lassen.
Vergleichseinspielung (Symphonie Nr. 1): Hamburger Symphoniker, Miguel Gómez-Martínez (MDG 329 0588-2, 1994).
Martin Blaumeiser [01.06.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Felix Woyrsch | ||
| 1 | Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 52 | 00:36:29 |
| 5 | Sinfonie Nr. 6 C-Dur op. 77 (Sinfonia sacra) | 00:19:15 |
Interpreten der Einspielung
- Württembergische Philharmonie Reutlingen (Orchester)
- Howard Griffiths (Dirigent)
