Ferdinand Hiller
Symphonies in E minor & C major
Brandenburisches Staatsorchester Frankfurt • Howard Grifftiths
cpo 555 682-2
1 CD • 64min • 2024
31.07.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Ferdinand Hiller (1811-1885) scheint eine Art musikgesellschaftlicher Tausendsassa des 19. Jahrhunderts gewesen zu sein, ein äußerst umtriebiger Netzwerker: erfolgreicher Pianist, Dirigent, Komponist, Musikschriftsteller, Lehrer und Musikveranstalter, bekannt oder befreundet mit fast allen musikalischen Größen seiner Zeit, machte er in Paris, wo er acht Jahre weilte, die Musik von Bach und Beethoven bekannt, lebte mehrere Jahre in Italien, animierte Robert Schumann, für den er später auch die Grabrede hielt, seine Nachfolge als Musikdirektor in Düsseldorf anzutreten und trug als städtischer Musikdirektor von Köln, wo er auch gestorben ist, wesentlich zum Aufstieg Kölns als musikalisches Zentrum im Rheinland bei.
Über 500 Werke hat er komponiert, aber seine Musik ist weitgehend vergessen. Aus dieser Vergessenheit will das Label cpo die Musik herausholen, zwei seiner insgesamt sechs Symphonien sind hier versammelt. Liebevoll und sehr energisch widmet sich das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit seinem Dirigenten Howard Griffiths dieser vergessenen Musik. Die Tonregie arbeitet ebenso engagiert: Ganz direkt, fast überfallartig ist der Klang, die Instrumentengruppen sind trennscharf abgebildet.
Überraschend und erfindungsreich
Die Musik von Ferdinand Hiller ist insgesamt noch der Frühromantik verhaftet. Mit der symphonischen Form geht er eigenwillig um: Zwar sind es hier immer die klassischen vier Sätze, aber in der e-Moll-Symphonie ist der zweite Satz ein Capriccio, der dritte ein marschartiger Satz, auch das Adagio des zweiten Satzes der C-Dur-Symphonie ist mit seinem punktierten Rhythmus marschartig. Beide Finalsätze sind mit „con fuoco“ bezeichnet, und so feurig sind sie auch. Das Finale der e-Moll-Symphonie, betitelt „Chant des pirates“, überrascht mit einem zweiten Hörnerpaar, drei Posaunen, Becken und Triangel, der Kopfsatz mit „geräuschhaften Basseinwürfen“ – so formuliert es der kenntnisreiche und gut formulierte Booklet-Text von Bert Hagels. Überhaupt ist es eine Musik, in der dauernd „etwas passiert“, die sich oft im Dauererregungs-Gestus befindet, bisweilen vordergründig lärmig, bisweilen schmissig, ja „ranschmeißerisch“ ist. Sie wirkt eher additiv als stringent durchstrukturiert. „Interessant“ und erfindungsreich ist jeder Satz und voller musikalischer Ideen, die sich aber eher verflüchtigen als festigen oder haften bleiben.
Begeisterter und begeisternder Schwung
Howard Griffiths animiert das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt zu immer energischem Zugriff, drängenden und doch lieblichen Geigenpassagen, zu begeistertem und dadurch begeisterndem Schwung, zu liebevoller Genauigkeit und Ernsthaftigkeit und zu hörbarem Drang, diese Musik bekannter zu machen, als sie ist. Die Musiksäle werden diese beiden Symphonien nicht erobern, aber sie ab und zu einmal aufs Programm zu setzen, wäre wünschenswert.
Rainer W. Janka [31.07.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Ferdinand Hiller | ||
| 1 | Sinfonie e-Moll HWV 2.4.3 | 00:29:43 |
| 5 | Sinfonie C-Dur HWV 2.4.6 | 00:33:54 |
Interpreten der Einspielung
- Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Orchester)
- Howard Griffiths (Dirigent)

