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Besprechung CDAnton Reicha

Anton Reicha

Complete Symphonies Vol. 1
Münchner Rundfunkorchester • Valentin Egel

cpo 555 716-2

1 CD • 60min • 2024

06.08.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Seit 2020 sichten Musikwissenschaftler intensiver die zahlreichen unveröffentlichten Werke von Anton Reicha (1770-1836), dem Flötisten in der Bonner Hofkapelle, der vor allem durch seine vielen Bläserquintette bekannt ist. Das Label cpo will nun auch die symphonischen Werke aus dem Dunkel der Ungedrucktheit und Nichtaufgeführtheit heben. Anton Reicha wurde von seinem Onkel Jospeh Reicha, dem Direktor des Orchesters, unterrichtet und gefördert, außerdem war er mit Ludwig van Beethoven befreundet, mit dem er leidenschaftlich die Werke besprach, die beide spielten. So begann auch Anton Reicha zu komponieren, von seinem Onkel argwöhnisch und kritisch begleitet. Nach der Auflösung des Orchesters während der Napoleonischen Kriege ging Reicha als Musiklehrer nach Hamburg, dann nach Wien, wo er Komponieren studierte, 1808 nach Paris, wo er großes Ansehen eben als Komponist für Bläser gewann und Professor für Komposition am Pariser Konservatorium wurde, 1836 starb und auf dem Friedhof Père Lachaise begraben wurde.

Individuelle Akzente und Überraschungen

Das ausführliche Booklet rühmt an Reichas Orchestermusik die „Vorliebe für moderne Klänge und die Tendenz, etablierte Normen in Frage zu stellen“, sowie „individuelle Akzente und charmante Überraschungen“. So kann man es auch sagen. Bairisch würde man sagen: „Mal was ganz was anderes“. Diese Musik steckt wirklich voller Überraschungen und Eigenartigkeiten: vielfältiger Bläsereinsatz, plötzliche Trillerketten, lange und geheimnisvolle chromatische Akkordfolgen und langdauernde Abschweifungen in den beiden langen Ouvertüren, eigenwillige Phrasenlängen in der Melodik und dann sogar in der D-Dur-Ouvertüre ein 5/8-Takt, womöglich der erste Einsatz dieses Metrums in der klassischen Musik, lange vor dem 5/4-Takt in Tschaikowskys Pathétique. Als Musikschriftsteller begründet Reicha die Verwendung des Fünfer-Taktes, er sei nicht, wie man angenommen habe, „wider das Gefühl des Menschen.“ Die Geschichte der Volksmusik bestätigt ihn darin. Auch seine überraschungsreiche Harmonik lobt er selber, nämlich „die mannigfaltigen Wendungen der Harmonie, die „verschiedenen Ausnahmen in der Verbindung und Auflösung der Accorde“ und die „schnellen und unerwarteten Ausweichungen“ und die oftmalige Verwendung des Sextakkords. Dass er auch Fugentechnik gelernt hat, demonstriert er in der C-Dur-Ouvertüre.

Musik verblüfft, entwickelt sich aber nicht

Der Rezensent muss bekennen, dass er die Lobpreisungen nicht teilt: Gewiss ist die D-Dur-Symphonie eine Wundertüte voller Überraschungen – aber es sind immer nur Überraschungen, die nirgendwohin führen, die keine Linie aufzeigen, zu keiner Entwicklung fähig sind. Um das Publikum zu verblüffen taugt diese Musik allemal. Das Münchner Rundfunkorchester unter Valentin Egel öffnet mit Hingabe und Begeisterung diese musikalische Wundertüte voller Knalleffekte und stellt diese gehörig aus. Dem Orchesterklang würde man in der Tonregie dabei ein bisschen Obertonschärfe wünschen. Insgesamt findet der Rezensent, dass diese CD wichtig für die Musikgeschichte, weniger zwingend für die Aufführung im Konzertsaal ist.

Rainer W. Janka [06.08.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Reicha
1Sinfonie D-Dur AJR I:17 00:34:19
5Ouvertüre D-Dur AJR I:8a 00:14:22
6Ouvertüre C-Dur AJR I:2 00:11:28

Interpreten der Einspielung

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