Paul Wranitzky
Symphonies op. 35 Nos. 1-3
Münchner Rundfunkorchester • Howard Griffiths
cpo 555 715-2
1 CD • 72min • 2024, 2025
09.09.2026
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Gesamteindruck:![]()
Der in Neureisch (Nová Říše) in Mähren 1756 geborene und 1808 in Wien gestorbene Paul Wranitzky, ein Zeitgenosse Mozarts, ist heute kaum bekannt, war seinerzeit aber in Wien sehr bekannt und auch beliebt: Er war Musikalischer Direktor des Grafen Johann Baptist Esterházy von Galantha, Orchesterdirektor des Kärntnertortheaters und „Direktor bei der Violine“ des Wiener Hofopernorchesters im Burgtheater, Sekretär der Wiener Tonkünstler-Societät und Dirigent von Haydns Schöpfung. Er war bekannt mit Mozart und Beethoven, und ein sehr produktiver Komponist: Seinen größten Coup landete er mit seinem Singspiel Oberon, König der Elfen. Neben zahlreichen Bühnen- und Ballettmusiken komponierte er mindestens 47 Symphonien, 6 Sextette, 16 Streichquintette und 60 Streichquartette. Bei der kaiserlichen Familie und im Wiener Hochadel stand er in großem Ansehen: Öfters durfte er für repräsentative Anlässe Kompositionen liefern, und die Kaiserin Maria Theresia besaß allein 16 seiner Symphonien. All dies ist im ausführlichen Booklet der Aufnahme des Labels cpo zu lesen, das die Werke von Paul Wranitzky wieder bekannt machen möchte. Das Münchner Rundfunkorchester unter Howard Griffith ist dafür ein idealer Partner.
„Hanswurstartige Bänkelsängerei“
Drei Sinfonien sind auf dieser CD vereint. Sie alle sind in lebensfreudigem Schwung verfasst, der sogar das lange Adagio der G-Dur-Symphonie (Track 6) erfasst, ein fröhlich-diesseitiger Schwung, der wenig bis gar nichts von dem Ernst, dem Pathos, der Emphase oder gar der existenziellen Bedeutsamkeit der Symphonien von Mozart oder Beethoven hat. Langgezogene ausdrucksstarke Melodien sind Wranitzkys Sache nicht – obwohl alle drei Symphonien mit einer Adagio-Einleitung beginnen. Gleichwohl dürften Wranitzkys Symphonien den damaligen volkstümlichen Zeitgeschmack getroffen haben, wo doch Beethovens Symphonien die Zuhörer oft mehr erschreckt als ihnen gefallen hatten. So gehörten in den 1790-er Jahren Wranitzkys Symphonien zu den meistaufgeführten im deutschen Bereich. Bert Hagels zitiert in seinem außerordentlich kundigen Booklet den Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl, der im 19. Jahrhundert bei der Bewertung von Wranitzkys Symphonien von „Bänkelsängerei“, Hanswurst“ und gar „Pumpernickel“ sprach. Feiner formuliert es Bert Hagels selber, wenn er Wranitzky thematische Verarbeitungskunst abspricht: „Wranitzky verfährt mit seinem motivischen Material eher wie mit einem musikalischen Baukasten…Das motivische Material ist bewusst einfach gehalten.“ In der Tat: Wenig bleibt beim Hören in späterer Erinnerung im Ohr.
Lebensfreudiger Schwung
Den lebensfreudigen Schwung aber nimmt das Münchner Rundfunkorchester gerne auf, verstärkt ihn sogar und stellt vor allem die vielen reizvollen Bläser-Passagen deutlich und lustvoll heraus. Allenthalben herrscht ein kraftvoll zupackender Gestus, Transparenz und Präzision des Spiels zeugen von der pädagogischen Freude der Wiederentdeckung und öffentlichen Vorstellung unbekannter Werke. Die Tonregie setzt auf Unmittelbarkeit und versetzt den Zuhörer virtuell mitten unter die Geigen. Ob Wranitzkys Symphonien im Konzertsaal eine Wiederauferstehung feiern werden, sei dahingestellt. Wünschenswert wäre es.
Rainer W. Janka [09.09.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Paul Wranitzky | ||
| 1 | Sinfonie C-Dur op. 35 Nr. 1 P 1 | 00:24:18 |
| 5 | Sinfonie G-Dur op. 35 Nr. 2 P 40 | 00:27:43 |
| 9 | Sinfonie Es-Dur op. 35 Nr. 3 P 32 | 00:20:11 |
Interpreten der Einspielung
- Münchner Rundfunkorchester (Orchester)
- Howard Griffiths (Dirigent)

