Vivaldi Bassoon Concerti Vol. IIII
Sophie Dervaux • La Folia Barockorchester
Berlin Classics 03044828BC
1 CD • 54min • 2025
18.08.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Wieso nur inspiriert mich die dritte Folge der Gesamtaufnahme der Fagottkonzerte von Antonio Vivaldi durch Sophie Dervaux und ihr La Folia Barockorchester nur zu folgender Boshaftigkeit? „Was tat Vivaldi, wenn man ihn mit einem Fagottkonzert beauftragte? Er folgte der Anweisung: ‚Schreibe ein Cellokonzert und lass dabei alle Doppelgriffe und Akkorde weg! Verzichte unbedingt auch auf Passagen im Tenor-Schlüssel, da die Töne über f‘ nicht klingen!‘“ Dementsprechend unbläserisch geriet ihm dann auch die Figuration seiner endlos mäandernden Phrasen.
Flottes Komponieren fordert den Interpreten
Vivaldis übliche Strickmuster für Konzertsätze können – wie in den Jahreszeiten, wo eben der programmatische Gedanke trägt – durchaus einen erheblichen Sog entfalten. Bei Dutzendware, wie sie in dieser Aufnahme vielfach vorliegt, ist der Interpret nach barocker Vorstellung zu erheblichen Eingriffen berechtigt. Die mit gleichmäßigen Punktierungen versehene Linie im Mittelsatz des a-Moll-Konzerts RV 499 hätte ein Solist im Barock sicherlich – eher am Anfang als bei der Wiederholung – durch völlig eigene melodische Formulierungen ersetzt und das Original als Variation gespielt, sie jedoch niemals wiederholt. Ebenso wären die stereotypen Auszierungen des Siciliano im g-moll-Konzert RV 496 zunächst durch die klassische Siciliano-Melodik und hernach mit Varianten ebendiesen Verzierungsvorschlags versehen worden. Wenn die Elaboratio des Komponisten schwach ist, muss sich der Interpret durch die eigene, möglichst phantasievolle Executio behelfen.
Einseitige Gestaltung
Sophie Dervaux und ihr Begleitensemble haben zumindest erkannt und beherzigt, dass es keine gute Idee ist, die beiden einsamen Violinen mit dem auch noch vom Fagott verstärkten Bass zu erschlagen. Ansonsten geht man die Kopf- und Schlusssätze sportlich an, das heißt im Klartext, so schnell und laut wie möglich. Feindynamik und das Treiben der sich minimalistisch in sich selbst drehenden Spielfiguren auf einen Höhepunkt findet man nicht, sodass die Soloabschnitte zu häufig als annähernd perfekt abgelieferte Geläufigkeitsetüden daherkommen. Das kann man zur Verblüffung des Publikums live ohne weiteres machen, sollte dann aber nur eines der Konzerte präsentieren, da sich diese Masche in kürzester Zeit abnutzt. Ich musste jedenfalls nach der halben CD meinen inneren Schweinehund arg überreden, auch noch die weiteren drei Elaborate aufmerksam anzuhören. Vielleicht fällt mein Urteil auch deshalb harsch aus, weil Miho Fukai erst im April bewiesen hat, welches Feuer eine verständige Interpretin aus diesen Werken schlagen kann.
Dort findet nämlich ein Konzertieren – ein wirklicher Wettstreit zwischen Solistin und Tutti – statt, während Frau Dervaux und ihre Streicher kaum interagieren oder sich gar Bälle zuwerfen.
Die Aufnahmetechnik scheint der Intention der Solistin zu folgen und stellt ein kraftvolles Fagott wispernden Streichern gegenüber, für deren Wahrnehmung man die Lautstärke jenseits der Zimmerlaustärke anheben muss. Das Booklet sorgt ebenfalls für Unmut, da Hannah Schmidt in Musiktheorie nicht aufgepasst hat und deshalb den Unterschied zwischen kleinen Mollterzen und verminderten Terzen nicht zu kennen schein.
Thomas Baack [18.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Antonio Vivaldi | ||
| 1 | Fagottkonzert Es-Dur RV 483 | 00:08:24 |
| 4 | Fagottkonzert C-Dur RV 479 | 00:09:29 |
| 7 | Fagottkonzert a-Moll RV 499 | 00:07:34 |
| 10 | Fagottkonzert F-Dur RV 489 | 00:09:51 |
| 13 | Fagottkonzert c-Moll RV 480 | 00:08:36 |
| 16 | Fagottkonzert g-Moll RV 496 | 00:09:39 |
Interpreten der Einspielung
- Sophie Dervaux (Fagott)
- La Folia Barockorchester (Orchester)
