Ottorino Respighi
Sinfonia Drammatica
Orchestra Sinfonia Nazionale della RAI • Robert Trevino
Ondine ODE 1477-2
1 CD • 64min • 2025
13.08.2026
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Gesamteindruck:![]()
Ottorino Respighis (1879–1936) einzige Symphonie, dreisätzig und von Brucknerschen Dimensionen, entstand kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sie wurde zwar 1915 in Rom uraufgeführt, allerdings erst 1922 bei der Wiener Universal Edition gedruckt und hat sich im Konzertsaal freilich bis heute nicht durchsetzen können, ganz im Gegensatz zu den drei späteren symphonischen Dichtungen der sogenannten Römischen Trilogie. Diese hatte der Amerikaner Robert Treviño mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI (Turin) vor drei Jahren in einer beachtlichen Darbietung auf dem finnischen Label Ondine herausgebracht und legt nun mit der Sinfonia drammatica nach.
Zyklische Anlage mit diversen Einflüssen
Respighis zyklische Anlage erinnert weniger an offenkundig programmatische Werke wie Berlioz’ Symphonie fantastique, sondern mehr an Vorbilder wie Francks d-Moll Symphonie, zudem jedoch auch an Mahler oder Bruckner-Nachfolger – etwa die gleichzeitig entstandene 2. Symphonie Franz Schmidts. Es gibt also keine idée fixe, aber z. B. ein rhythmisch markantes Motiv, das als eigentliche Keimzelle des Werkes konsequent nicht nur im Untergrund werkelt und in allen Sätzen wiederkehrt – erstmals ab Takt 21 in den Hörnern [Track 01 bei 00’:49’’]. Kurt Weill hat sich übrigens dann in seiner 2. Symphonie (1933/34) daran bedient; ob wissentlich oder nicht, sei hier einmal dahingestellt. Die große Besetzung (u. a. sechs Hörner und vier Schlagzeuger) führt als Besonderheit ein Orgelpedal, das bei lauten Stellen das tiefe Blech nochmals verstärkt und leisere Streicherabschnitte weicher werden lässt. Die Orchestrierung vermengt Einflüsse von Respighis diesbezüglichem Lehrmeister Rimsky-Korsakow und solche von Richard Strauss sowie der französischen Impressionisten. Die Leidenschaftlichkeit, die schon allein durch die ausgefeilte Melodik durchgängig dramatische bis tragische Züge zum Vorschein kommen lässt, ist dann doch unverkennbar italienisch. Diese Hybris, oft als eklektisch kritisiert, macht Respighis Werk für heutige Hörer nach Ansicht des Rezensenten geradezu unwiderstehlich faszinierend, hier völlig anders als bei seinen Filmmusik vorwegnehmenden Tondichtungen.
Ausgewogene strukturelle Klarheit und Ausdrucksstärke
Vergleicht man die wenigen Aufnahmen des gewaltigen Stücks, kommt man zu dem Schluss, dass Treviño vorrangig auf Ausgewogenheit bedacht ist. Er erreicht zwar weder die grandiose strukturelle Klarheit John Neschlings, noch kommt die leicht verhangene Aufnahmetechnik an die akustisch fast erschlagende Dynamik jener BIS-Einspielung heran. Immerhin entsteht bei der Neuaufnahme keine Überbetonung der Bässe an den Abschnitten mit Orgel. Die Farbigkeit der Partitur wirkt stets stimmig, kaum jemals krass, trotzdem bleibt die Stimmführung selbst in den dichtesten Momenten klar. Treviños Interpretation erscheint im Ausdruck tiefer und ehrlicher als bei Neschlings ein wenig unterkühlter Lesart, in mancherlei Hinsicht verwandter mit der älteren, etwas zu glatten Wiedergabe Edward Downes’. Das Turiner Orchester geht alle Sätze ruhiger an als die Konkurrenz, was der dramatischen Entwicklung meist nicht schadet. Nur die Passagen, wo sich Respighis Musik vor formalen Einschnitten eh’ schon beruhigt, namentlich im Kopfsatz, bringt Treviño quasi zum Stillstand, wodurch der 25-Minüter hier unnötig zerfällt. Auch könnten ein paar Bläsereinsätze präziser sein. Diese Sinfonia drammatica ist eine runde Sache, der man gerne 63 Minuten zuhört, was das außerordentliche Stück fraglos verdient hat. Eine unter jedem Aspekt überzeugende Einspielung steht aber noch aus.
Vergleichsaufnahmen: BBC Philharmonic, Edward Downes (Chandos CH9213, 1991); Orchestra Sinfonia di Roma, Francesco La Vecchia (Brilliant Classics 94394, 2011); Orchestre Philharmonique Royal de Liège, John Neschling (BIS-2210, 2015).
Martin Blaumeiser [13.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Ottorino Respighi | ||
| 1 | Sinfonia drammatica | 01:13:37 |
Interpreten der Einspielung
- Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI (Orchester)
- Robert Trevino (Dirigent)

