Prokoviev
Piano Sonatas Nos. 6, 7, 8
Antonina Suhanova
Prospero Classical PROSP0150
1 CD • 79min • 2024
06.10.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
In ihrem beeindruckenden Debütalbum widmet sich die lettische Pianistin Antonina Suhanova einem der großen Klavierzyklen des 20. Jahrhunderts: den Sonaten Nr. 6 bis Nr. 8 von Sergei Prokofjew. Zwischen 1939 und 1944 entstanden, werden sie als „Kriegssonaten“ bezeichnet. Mit ihren schroffen Themen, herrischen Rhythmen, ausufernden Dimensionen spiegeln sie die Angstgefühle und sozialen Erschütterungen jener Jahre wider. Als Prokofjew 1939 seine Sechste Sonate skizzierte, fielen engste Freunde der stalinistischen Kulturpolitik zum Opfer; Russland stand kurz vor Kriegseintritt – die Welt geriet aus den Fugen.
Akkordsalven und barbarische Märsche
Bei diesen äußerst anspruchsvollen Werken erweisen sich Antonina Suhanovas Spieltechnik und auch ihr Selbstvertrauen als unanfechtbar. Im sperrigen, verschachtelten Kopfsatz der Sechsten steht der Pianistin die Kraft für permanente Unisono-Oktaven und weite Sprünge mühelos zur Verfügung. Sie verbreitet hier eine aggressive, geradezu groteske Klanglichkeit: barbarische Märsche, hammerschwere Akkorde und schreiende Dissonanzen prallen aufeinander. Auch im Finale geht Suhanova in die Vollen. Ihre Tonrepetitionen und Ostinati rufen geradezu den Eindruck von Gewehrsalven hervor. Sie zwingt das Klangwettern in eine kontrollierte Ordnung, ohne der Musik ihre Wucht zu nehmen.
Auch in der alptraumhaften, gehetzten Sonate Nr. 7 erweist sich Suhanova als entschlossene Interpretin. Sie verbindet maschinenhafte rhythmische Präzision mit nervöser Spannung. Das Precipitato-Finale, eine unerbittlich hämmernde Toccata im seltenen 7/8-Takt, gewinnt durch Suhanovas klare Artikulation, nicht durch Kraftmeierei. Die introvertierte startende Sonate Nr. 8 gestaltet Antonina Suhanova großen Linien. Zugleich arbeitet sie die harmonischen Schattierungen und ironischen Brechungen genau heraus. So wird die Ambivalenz dieser Musik – Härte und Lyrik, Sarkasmus und Verletzlichkeit – unmittelbar erfahrbar.
Große Bögen und feine Nuancen
In ihren überzeugenden Prokofjew-Interpretationen verbindet Antonina Suhanova stilistische Souveränität, klangliche Fantasie und Strukturbewusstsein. Sie entlockt dieser erschütternden Musik ihre ganze Dramatik, ohne auf den bloßen Effekt zu setzen.
Bei diesen vielgespielten Kompositionen muss sich Antonina Suhanova an meisterhaften Einspielungen messen lassen. Maßstäbe setzten in jüngerer Zeit vor allem Giorgi Gigashvili mit seiner fein-nuancierten Herangehensweise sowie Peter Donohoe mit kraftvoll zupackenden Interpretationen. Suhanovas Lesart bewegt zwischen diesen beiden Polen, ohne der Musik eine eigene, unverwechselbare Handschrift aufzuprägen.
Antje Rößler [06.10.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Sergej Prokofjew | ||
| 1 | Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82 | 00:29:22 |
| 5 | Klaviersonate Nr. 7 B-Dur op. 83 | 00:19:37 |
| 8 | Klaviersonate Nr. 8 B-Dur op. 84 | 00:29:53 |
Interpreten der Einspielung
- Antonina Suhanova (Klavier)
