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Besprechung CDJohannes Kalitzke

Johannes Kalitzke

Kapitän Nemos Bibliothek

Kairos 0022204KAI

2 CD • 1h 38min • 2022

03.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Oper für fünf Solisten und Kammerensemble“ nennt Johannes Kalitzke sein siebentes Bühnenwerk Kapitän Nemos Bibliothek, das als Auftragskomposition der Schwetzinger Festspiele in Co-Produktion mit den Bregenzer Festspielen entstand. Es basiert auf dem 1991 erschienenen gleichnamigen Roman des schwedischen Autors Sven Olov Enquist (1934-2020). KAIROS legt den Audio-Mitschnitt der erfolgreichen Schwetzinger Uraufführungs-Produktion von 2022 vor.

Oper und Puppentheater

Es geht in dem Roman von Enquist, den Julia Hochstenbach zu einem Opernlibretto kondensiert hat, um zwei Jungen in einem schwedischen Dorf, die bei ihrer Geburt vertauscht wurden. Als man das nach sieben Jahren bemerkt, werden sie der „göttlichen Ordnung“ wegen zurückgetauscht und in einen anderen Familienverbund verpflanzt. Das führt für die Heranwachsenden zu einer endlosen Folge von Problemen und Katastrophen. Der Komponist bezeichnet das Werk als „eine Oper über zerstörte Kindheit und die Flucht in einen imaginären Bereich der Fantasie“. Im Gefolge von Kapitän Nemo in Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer richten sich die beiden Jungen in der Bibliothek des U-Boots Nautilus ein, die für sie zugleich ein Rückzugsort zum Schreiben und Reflektieren ist. Diese Reflexionsebene schafft Kalitzke durch den Einsatz von zwei Puppen. Da sich die heranwachsenden Jugendlichen an ihre Kindheit zurückerinnern, machen diese kindlichen Puppen-Doubles auch dramaturgisch Sinn.

Originelles Klanggemisch

Die Begegnung mit dem Figurentheater, die einem lange gehegten Wunsch des Komponisten entsprach, legte es nahe, Elemente von Kinderliedern und anderer kindgemäßer Musikformen einzubeziehen. Eine andere formale Ebene bringen die Verweise auf die Passionsgeschichte und die Kantaten von Johann Sebastian Bach ein. Sie werden verfremdet durch den Einsatz von Elektronik, die auch bei der Darstellung konkreter Alltagsgeräusche eine bedeutende Rolle spielt. Sehr originell ist die Zusammensetzung des zehnköpfigen Kammerensembles. Es gibt keine Violinen, nur eine sogenannte „Strohgeige“, die ohne Resonanzkörper auskommt (und hier von der Bratsche mitbedient wird), daneben Cello, Kontrabass, drei Klarinettenarten, E-Gitarre, Posaune, doppeltes Schlagwerk und ein Akkordeon, das die Orgel ersetzt.

Nur die halbe Miete

Eine audiovisuelle Umsetzung von Enquists Roman war Kalitzkes erklärtes Ziel, Bild und Klang stehen damit gleichberechtigt in ständiger Wechselwirkung, das eine geht aus dem anderen hervor. Ein Audio-Mitschnitt kann also nur die halbe Miete sein. Der Hörer der CD bekommt nichts mit von dem so zentralen Spiel der Puppen, nichts von dem durchgehenden Videofilm, der auch in die Unterwasserwelt der Nautilus führt. Ein hohes Maß an eigener Phantasie wird ihm da abverlangt. Die musikalische und klangtechnische Umsetzung ist gleichwohl zu bewundern. Stimmen, Instrumente und elektronische Klänge finden zu einer organischen Balance. Das Ensemble Modern ist auf den dirigierenden Komponisten eingeschworen und die Sänger zeigen sich den hohen Ansprüchen ihrer Partien gewachsen. Der russische Countertenor Iurii Iuskevich (Ich) und die Sopranistin Johanna Zimmer (Johannes) unterscheiden sich in der Stimmfarbe nicht wesentlich, was besondere Aufmerksamkeit beim Zuhören erfordert. Attraktive Opernstimmen haben der englische Bariton Reuben Willcox (Pastor, Sven) und die Sopranistin Rinat Moriah (Eva-Lisa) einzusetzen, theatralisch lebendig wird vor allem die Mezzosopranistin Noa Frenkel in den Mütterrollen der resoluten Josefina und der verwirrten Alfild.

Ekkehard Pluta [03.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Kalitzke
1Kapitän Nemos Bibliothek (Oper für fünf Solisten und Kammerensemble) 01:38:00

Interpreten der Einspielung

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