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Besprechung CD

Stilles Leuchten

Swiss Choral Music ot the Late Romantic Era

Prospero Classical PROSP0097

1 CD • 57min • 2021

16.07.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Welch hübsche Idee der Basler Madrigalisten, einmal Chormusik von Basler Komponisten von der Hochromantik bis zur ganz frühen Moderne aus den Jahren 1850-1930 der Vergessenheit zu entreißen! So entstand eine CD, die Chorleitern weltlicher Chöre aber auch Kirchenmusikern für „bunte Programme“ wertvolles Repertoire erschließt. Manchem sind die Namen Hans Huber, Walter Courvoisier und Conrad Beck gelegentlich einmal untergekommen. Friedrich Hegar mag der eine oder andere als Lehrer von Othmar Schoeck im Gedächtnis sein. Aber wer hat außerhalb der Eidgenossenschaft schon etwas von August Walter, Hermann Suter, Rudolf Moser oder Albert Moeschinger gehört?

Was tun, nach dem Konservatorium?

Wie konnte um 1850 ein junger Dirigent oder Komponist direkt nach seiner Abschlussprüfung am Konservatorium seinen Lebensunterhalt bestreiten? Nächstliegend war es natürlich, Unterricht in Klavier, einem Zweitinstrument und womöglich Musiktheorie zu geben. Doch bot sich häufig als weitere Möglichkeit, die Leitung eines bürgerlichen Laienchores zu übernehmen, die sich gerade zu dieser Zeit in großer Zahl in jeder Stadt zusammenfanden. Hier entwickelte sich die schweizerische Stadtkultur – zumal es durchaus eine gesunde Konkurrenz bezogen auf das kulturelle Renommee gab – geradezu zum Eldorado. Somit bot ein solches Chordirigat drei Vorteile:

1. Man kam mit gesellschaftlichen Kreisen des gehobenen, kulturaffinen Bürgertums zusammen, die einem für den weiteren Karriereweg dienlich sein konnten.

2. Man konnte Werke für diese Klangkörper schreiben, ihre Wirkung testen, daran lernen und auf diesem Wege sein Ansehen mehren.

3. Man machte bei den alljährlichen Aufführungen der großen Oratorien von Bach, Haydn, Mendelssohn, Brahms wertvolle Erfahrungen in der Leitung großer Klangkörper.

Und so waren alle auf dieser CD verewigten Komponisten selbst Chorleiter, die für ihre Chöre komponierten. Als besonders eindrucksvoll seien die drei mit einem anspruchsvollen Klavierpart versehenen Chöre Die Nacht, Nixenreigen und Nachtlied von Hans Huber, Winters Ende in seiner herb-modalen Quartenharmonik von Hermann Suter und das ähnlich gehaltenen Abendlied von Conrad Beck hervorgehoben. Viele durchweg klangschöne Sätze sind eher folkloristisch oder im Stil Mendelssohns gehalten. Keine Komposition kann als schwach oder langweilig gelten.

Gelungene Gestaltung

Man merkt den Basler Madrigalisten unter Raphael Immoos das Engagement für unbekannte Werke ihrer Heimat in jedem Takt an. Alles wurde sorgfältigst erarbeitet, die Intonation ist vorbildlich, die Klangbalance stimmt. Die Textdeklamation könnte hingegen noch plastischer sein. Allerdings weicht die Interpretation durch ein 17-köpfiges Vokalensemble doch recht weit von der Aufführungspraxis der Entstehungszeit ab, wo diese Werke von 50 Sängern – oder bei Chortreffen auch weitaus mehr – zu Gehör gebracht wurden. Dies vergrößert nicht unbedingt die dynamischen Möglichkeiten, führt aber zu einem Sfumato, einem Weichzeichner-Effekt, der die nötige heimelige Stimmung dieser durchweg romantischen Gesänge unterstreicht. Also genau der Effekt, den man bei Schütz oder Bach tunlichst vermeiden sollte und der uns die Oratorienaufnahmen von Karajan, Böhm oder Richter heute gründlich verleidet. Hier wäre er am richtigen Platz.

Ein ausgezeichneter Booklet-Text von Martina Wohlthat verhilft der Einspielung zur vollen Punktzahl beim Gesamteindruck. Die Aufnahme ist zwar transparent, hätte eventuell aber etwas mehr Hall vertragen können.

.Fazit: Interessantes, wertvolles, bis auf Huber mit seinem anspruchsvollen Klavierpart gut machbares Repertoire. Deshalb vor allem etwas für Chorleiter, aber auch für Chorsänger, die ihren „Chef“ von den Evergreens wegmanövrieren wollen.

Thomas Baack [16.07.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Huber
1Die Nacht 00:04:46
2Nixenreigen 00:04:38
3Herbstlied 00:04:37
Friedrich Hegar
4Morgen im Walde 00:03:11
5Der Wald 00:03:30
Hermann Suter
6Mein Schatz, der ist auf die Wanderschaft hin 00:02:30
7Winters Ende op. 16 Nr. 3 00:02:19
August Walter
8Morgenlied op. 14 Nr. 1 00:02:31
9Frühlingsahnung op. 14 Nr. 2 00:03:57
10Abschied op. 14 Nr. 3 00:02:31
Ernst Reiter
11Morgenwanderung 00:03:58
Rudolf Moser
12Die Quelle op. 27 Nr. 5 00:02:36
13Jägerlied op. 27 Nr. 2 00:01:42
Walter Courvoisier
14Der Kehraus op. 34 Nr. 5 00:04:02
15Zwielicht op. 34 Nr. 2 00:03:19
Albert Moeschinger
16Vergänglichkeit op. 19 Nr. 3 00:01:35
Conrad Beck
17Abendlied 00:02:46
18Lösung 00:02:23

Interpreten der Einspielung

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