Berliner Oratorien-Chor mit Richard Strauss-Uraufführung
Herbstkonzerz mit dem Brahms-Requiem und der Strauss-Komposition "Besinnung"
Am 3. November 2021 um 20 Uhr führt der Berliner Oratorien-Chor (BOC) in der Philharmonie Berlin im Rahmen seines traditionellen Herbstkonzertes Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms auf. Außerdem feiert das von Richard Strauss begonnene und jetzt durch den BOC-Dirigenten und Komponisten Thomas Hennig fertiggestellte Werk Besinnung, eine Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Hermann Hesse (1933), seine Welturaufführung.
Zur Entstehung und Vervollständigung der „Besinnung“
Ursprünglich war die Uraufführung der Besinnung von Richard Strauss schon für November 2020 vorgesehen. Das Werk für Chor und Orchester wurde in dem Jahr von Thomas Hennig mit Erlaubnis und freundlicher Unterstützung der Familie Strauss vervollständigt. Das Konzert sollte zusammen mit weiteren Werken von Strauss und Braunfels die Umbrüche, welche Europa im 20. Jahrhundert erlebte, musikalisch reflektieren.
Richard Strauss hatte im August 1941 seinen Abschied als Komponist verkündet und beabsichtigte, nur noch gelegentlich und ohne ambitionierte Absichten zu komponieren. Er selbst bezeichnete seine späten Werke als ‚Handgelenksübungen‘. Dieses Understatement wird der außerordentlichen Genialität des späten Schaffens allerdings nicht gerecht, wie das Oboenkonzert und die Metamorphosen zeigen. In seinen letzten Lebensjahren hat sich der Komponist dem dichterischen Schaffen von Herrmann Hesse sehr intensiv zugewandt. Neben drei Gedichtvertonungen, die nach dem Tod des Komponisten als Vier letzte Lieder in einem Zyklus verbunden wurden, gibt es ein weiteres, nicht vollendetes Lied für Sopran und (wahrscheinlich) Orchester mit dem Titel Nacht, das nicht mehr abgeschlossen werden konnte.
Fragmentarische Komposition
Zu Besinnung hat Strauss umfangreiche Skizzen hinterlassen, die in zwei Heften überliefert sind. In einem zweiten Arbeitsschritt hatte er die ersten Skizzen in ein Particell, einen erweiterten Klavierauszug, übertragen, das als Grundlage für die Partitur-Reinschrift gedacht war. Eine weitere Sammlung der Fugen-Ausarbeitung im Particell ist ebenso überliefert. Die Beendigung der Skizzen und den Beginn der letzten Arbeiten zur Vollendung der Partitur konnte Strauss nicht mehr realisieren. Der Plan blieb ein Fragment.
Im Bestreben den musikalischen Ideen nachzuspüren hat Thomas Hennig versucht, zwischen den fertigen und fast fertigen Teilen des Werkes jeweils Brücken zu schlagen, damit sich ein Kreis schließt, der eine Aufführung ermöglichen kann. Verschiedene andere Kompositionspläne hat Strauss in den letzten Lebensjahren noch einmal aufgegriffen und leider auch nicht vollenden können. Die Besinnung als letzte angelegte musikalische Konzeption gehört jedoch zum unmittelbaren Erbe eines Lebenswerks, das am Ende auch eine Ära beschließt.
Chöre, Solisten und die Berliner Symphoniker gestalten das Konzert
Den Abend gestaltet der Berliner Oratorien-Chor gemeinsam mit dem Apollo-Chor der Staatsoper (Einstudierung: Artur Just), den Young Voices des Max-Delbrück-Gymnasiums (Einstudierung: Franziska Günther) sowie den Berliner Symphonikern unter der Leitung von Thomas Hennig. Die Solopartien übernehmen Yvonne Friedli (Sopran) und Artur Just (Bariton).
Tickets ab 15 Euro (ggf. zzgl. weiterer Kosten) sind erhältlich in den bekannten Vorverkaufsstellen, über die Website des BOC, bei Ticketmaster und Eventim sowie an der Gastkasse der Philharmonie. Schüler und Studenten zahlen gegen Nachweis 10 Euro an der Abendkasse. Es gelten die aktuellen Hygienevorschriften der Philharmonie Berlin (3-G-Nachweis, AHA-Regeln, Kontaktnachverfolgung).
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