UA von "Il Teorema di Pasolini" an der Deutschen Oper Berlin
Abendfüllenden Oper von Giorgio Battistelli
Die Uraufführung von Giorgio Battistellis Il Teorema di Pasolini findet am 9. Juni um 19.30 Uhr unter musikalischer Leitung von Daniel Cohen und in der Lesart des Regieduos Dead Centre an die Deutsche Oper Berlin statt. Wohl nur wenige Künstler des 20. Jahrhunderts haben sich so umfassend mit der bürgerlichen Gesellschaft auseinandergesetzt wie der 1922 geborene Pier Paolo Pasolini. Sexuelle und moralische Zwänge, kapitalistische Ausbeutung und politische Unterdrückung – für nahezu alle gesellschaftlichen Missstände machte Pasolini die „Borghesia“ verantwortlich und er wurde bis zu seiner Ermordung 1975 nicht müde, das Bürgertum in seinen Filmen, Romanen, Essays und Schriften als fatale Fehlentwicklung der Menschheit anzuprangern. Il Teorema, 1968 als Roman und Film veröffentlicht, ist eine der berühmtesten Ausformungen von Pasolinis Lebensthema: Wie in einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung (auf die auch die Bezeichnung „Theorem“ zurückzuführen ist) zeigt Pasolini hier das Auseinanderbrechen einer großbürgerlichen Familie, die nur noch durch Konventionen zusammengehalten wird. Nachdem ein geheimnisvoller Fremder in allen Mitgliedern dieser Familie die nahezu verschütteten Ideen von Humanität und Liebe wiedererweckt hat, versucht jedes Mitglied, sich auf unterschiedliche Weise von seiner bürgerlichen Existenz zu emanzipieren.
Zunächst als Kammeroper
Die Möglichkeiten, die in Pasolinis Stoff für das Musiktheater liegen, erkannte schon Hans Werner Henze, als er den jungen italienischen Komponisten Giorgio Battistelli Anfang der 1990er Jahre damit betraute, Il Teorema als Kammeroper für die Münchener Biennale zu vertonen. Battistelli schuf damals ein knappes, lakonisches Werk für stumme Sänger und einen Erzähler. Jetzt, 30 Jahre später, wagt er sich erneut an den Stoff und macht II Teorema di Pasoli zur abendfüllenden Oper: diesmal mit Gesangspartien, deren stimmlicher Ausdrucksradius vom bloßen Atemgeräusch bis zum vollen Gesang reicht und einem Orchester, das Farben und Klänge für all das findet, was die Figuren selbst nicht aussprechen können.
Mit Il Teorema di Pasolini setzt der 70-jährige Battistelli, der erst im vergangenen Jahr auf der Biennale von Venedig mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt wurde, seine Laufbahn als einer der bedeutendsten Opernkomponisten der Gegenwart fort: Seit seiner Handwerkeroper Experimentum Mundi, die ihn 1981 schlagartig bekannt machte und die im vergangenen Oktober auch in Berlin gezeigt wurde, hat Battistelli mehr als zwanzig Werke für das Musiktheater geschrieben, darunter Opern wie Richard II. und zuletzt 2020 Giulio Cesare für die Oper Rom.
Kreatives Regie-Team
Die Uraufführung von II Teorema di Pasolini ist zugleich die erste Arbeit des britisch-irischen Theaterkollektivs Dead Centre an einem Opernhaus. Dead Centre haben sich in den vergangenen zehn Jahren zu einer der gefragtesten Regiekollektive in Europa entwickelt und arbeiten regelmäßig am Burgtheater Wien (wo sie zuletzt den Nestroy-Preis erhielten) und an der Berliner Schaubühne. Ihr Debüt im Musiktheater feierten sie 2021 mit einer Inszenierung von Olga Neuwirths Bählamms Fest für die Ruhrtriennale.
Für die musikalische Leitung kehrt der ehemalige Kapellmeister der Deutschen Oper Berlin und mittlerweile Generalmusikdirektor des Staatstheaters Darmstadt, Daniel Cohen, an seine einstige Wirkungsstätte zurück. In den sechs Solopartien sind Ángeles Blancas Gulin, Monica Bacelli, Meechot Marrero, Davide Damiani, Andrei Danilov und Nikolay Borchev zu erleben.
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