Gerhard Schmidt-Gaden im Alter von 88 Jahren gestorben
Der Gründer und langjährige Leiter des Tölzer Knabenchores starb nach längerer Krankheit in Benediktbeuern
Vor genau 70 Jahren gründete Gerhard Schmidt-Gaden den Tölzer Knabenchor, der von ihm bis 2016 musikalisch geleitet wurde. Nach längerer Krankheit ist Gerhard Schmidt-Gaden am 19. April 2026 im Alter von 88 Jahren im oberbayerischen Benediktbeuern verstorben. Der 1937 im böhmischen Karlsbad geborene Gerhard Schmidt-Gaden gründete schon 1956 den „Tölzer Knabenchor“ – eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Durch Tonaufnahmen beim Bayerischen Rundfunk im Gründungsjahr wurde der Chor überregional und international bekannt.
Seine Ausbildung zum Kapellmeister erhielt Gerhard Schmidt-Gaden bei Kurt Eichhorn an der Münchner Musikhochschule. Danach war er drei Jahre lang Schüler des Thomaskantors Kurt Thomas in Leipzig, der ihm anschließend die Stimmbildung in zahlreichen seiner Chorleiterkursen anvertraute. Stimmliche Impulse sammelte er in weiterführenden Studien bei renommierten Pädagogen und Sängern wie Hanno Blaschke, Otto Iro, Julius Patzak, Helge Rosvaenge, Margarete von Winterfeldt, Mario Tonelli und William Ernst Vedal. Aus diesem Wissen und seiner langjährigen Praxis als Leiter des Tölzer Knabenchores entwickelte der Pädagoge und Dirigent schließlich seine eigene Gesangsschule für die Ausbildung der Knabenstimme. Sie begründete und festigte den Weltruhm seines Chores, dem er sechzig Jahre lang vorstand.
Prägend: Zusammenarbeit mit Carl Orff und Nikolaus Harnoncourt
Besonders die über 25 Jahre dauernde enge Zusammenarbeit mit Carl Orff, an dessen Orff-Institut Gerhard Schmidt-Gaden in Salzburg unterrichtete, prägte seine frühe Schaffensphase. Das „Orff‘sche Schulwerk“ legte er mit dem Tölzer Knabenchor in einer Gesamteinspielung vor, die den Deutschen Schallplattenpreis erhielt. Ab 1973 entwickelte sich eine weitere prägende Künstlersymbiose durch die Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt. Bei dessen Gesamtaufnahme von Johann Sebastian Bachs Kantatenwerks wirkten der Tölzer Knabenchor und seine Solisten in insgesamt 96 Kantaten maßgeblich mit. Harnoncourt vertraute den von Gerhard Schmidt-Gaden ausgebildeten Knabensolisten außerdem zahlreiche Partien in seinem Zürcher Monteverdi-Zyklus an, einem Markstein historischer Aufführungspraxis, der von Jean-Pierre Ponnelle kongenial szenisch umgesetzt wurde.
Mehrfach ausgezeichnete Schallplatten- und CD-Aufnahmen
Als Dirigent leitete Gerhard Schmidt-Gaden bedeutende Konzerte, unter anderem beim English Bach Festival, dem renommierten Leipziger sowie anderen Bachfesten, beim Würzburger Mozart-Fest, den Berliner Festwochen und dem Israel Festival. Ferner dirigierte er bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala, im Louvre de Paris und am Teatro La Fenice in Venedig.
Das musikalische Schaffen des vielseitigen Künstlers ist mit unzähligen Schallplatten und CD-Aufnahmen dokumentiert, bei denen er sich vornehmlich der authentischen Aufführungspraxis widmete. Einige davon erhielten wichtige Auszeichnungen – wie etwa die Aufnahmen von Bachs Weihnachtsoratorium (Deutscher Schallplattenpreis), der Bußpsalmen von Orlando di Lasso (ECHO Klassik) und die Einspielung von Mozarts erster Oper Apollo et Hyacinthus (Diapason d’Or). 1982 wurde Gerhard Schmidt-Gaden für die Aufnahme der Bach-Kantaten für den Grammy Award nominiert.
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