Schicksalsmomente bei Schönberg, Ravel und Messiaen
1. "Paradisi gloria" 2026/27 am 20. November in der Münchner Herz-Jesu-Kirche
Im ersten Konzert von "Paradisi gloria" 2026/27, der Reihe mit spiritueller Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, füllt das Münchner Rundfunkorchester am Freitag, 20. November, die Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen mit Klängen der Erinnerung. Unter dem Titel "Memento" stehen Werke von Schönberg, Ravel und Messiaen auf dem Programm. Es singt der BR-Chor, die Leitung hat der Erste Gastdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, Patrick Hahn.
Arnold Schönberg, Maurice Ravel, Olivier Messiaen – alle drei betrachten die Schicksalsmomente ihrer Epoche und gelangen zu musikalischem Ausdruck, der kaum unterschiedlicher sein könnte: Schönbergs Melodram lässt uns in die traumatischen Abgründe der Shoah blicken, Ravel gestaltet ein barockes Tombeau – ein Trauerstück auf im Ersten Weltkrieg gefallene Freunde – und Messiaen komponiert während der deutschen Besatzung Frankreichs eine radikale geistliche Gegenwelt, in der göttliche Präsenz anstelle von Gewalt herrscht.
Traumatische Schicksale, musikalisch verarbeitet
Aus der Perspektive eines Überlebenden schildert Sprecher Robin Adams in Schönbergs A Survivor from Warsaw die erschütternden Ereignisse und verbindet die erzählerische mit der musikalischen Ebene. Ravels Orchesterfassung von Le tombeau de Couperin ist eine Hommage an die französische Barockmusik des 18. Jahrhunderts, die gleichzeitig als kühles, lichtes Memorial für im Ersten Weltkrieg gefallene Freunde dient und auch als Bewältigung des Todes seiner geliebten Mutter. Aus dem ursprünglich sechssätzigen Klavierwerk hat er vier Sätze ausgewählt und ein fantasievolles und virtuoses Orchesterstück mit alten Gesellschaftstänzen im modernen Gewand und spannenden Instrumentaleffekten geschaffen.
Geistliche Gegenwelt zu irdischer Gewalt
In Messiaens Trois petites liturgies de la présence divine kommt dem Klavier eine eigenständige, teils virtuose Rolle zu – interpretiert von Joonas Ahonen. Nathalie Forget ergänzt das Ensemble um charakteristische, schwebende Klangfarben mit dem Ondes Martenot. Im Zusammenspiel mit Frauenchor und Orchester entsteht eine unverwechselbare Klangwelt.
Freitag, 20. November, 20.00 Uhr, Herz-Jesu-Kirche, München-Neuhausen
Einführung um 19.00 Uhr, moderiert von Christopher Mann
- Arnold Schönberg – "A Survivor from Warsaw" für Sprecher, Männerchor & Orchester op. 46 Maurice Ravel – "Le tombeau de Couperin", Fassung für Orchester
- Olivier Messiaen – "Trois petites liturgies de la présence divine" für Frauenchor, Klavier,
- Ondes Martenot, Celesta, Vibraphon, Schlagwerk und Streicher
- Joonas Ahonen, Klavier
- Nathalie Forget, Ondes Martenot
- Robin Adams, Sprecher
- Chor des Bayerischen Rundfunks
- Münchner Rundfunkorchester
- Leitung: Patrick Hahn
Karten erhältlich zu 32,- bis 42,- Euro (U30-Tickets für junges Publikum 10,- Euro) bei BRticket über br-ticket.de (Tel. 0800 / 5900 594) und über München Ticket (muenchenticket.de; Tel. 089 / 54 81 81 81).
BR Klassik sendet einen Konzertmitschnitt am Sonntag, 6. Dezember um 19.05 Uhr im Radio. Danach steht das Konzert 30 Tage auf rundfunkorchester.de/medien zum Nachhören zur Verfügung.
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