Clara Schumann
Piano Music • 2
Jean-Pierre Armengaud
Grand Piano GP931
1 CD • 74min • 2024
01.04.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Clara Schumanns (1819‒1896) wichtigste Solo-Klavierwerke liegen mittlerweile in zahlreichen überzeugenden Einspielungen vor. Auch der französische Pianist und Musikwissenschaftler Jean-Pierre Armengaud (Jahrgang 1943) hat 2023 einige der bekanntesten Stücke für das Label Grand Piano in seinem privaten Tonstudio aufgenommen. Überraschenderweise widmet sich die 2. Folge der Reihe nun bisher eher vernachlässigtem Repertoire: ausschließlich Transkriptionen von Stücken Robert Schumanns, die meisten anscheinend erst nach dessen Tod 1856 entstanden. Diese sind natürlich nicht in den beiden ‚Gesamtaufnahmen‘ von Claras Klavierwerken zu finden (Jozef de Beenhouwer auf cpo beziehungsweise Susanne Grützmann auf Hänssler).
Sehr gelungene Umsetzung der Genoveva-Ouvertüre
Robert Schumanns einzige Oper Genoveva gelangt bis heute nur sehr selten auf die Bühne. Claras Klaviertranskription der Ouvertüre zumindest erweist sich unter den Händen Armengauds als recht dankbare Musik. Er setzt mit seinem wachen Sinn für differenzierte Klangfarben auf dem Klavier die vielen Details, die Clara hier für eine möglichst partiturnahe Bearbeitung in die Noten geschrieben hat, äußerst ansprechend um. So kommt der Vortrag sowohl strukturell klar als auch atmosphärisch dicht beim Hörer an, auch wenn dieses Stück keinerlei virtuosen Glanz bietet und Armengaud beim Haupteil (Leidenschaftlich bewegt) ein wenig zu langsam ist.
Studien für den Pedalflügel als romantische Antwort auf Bach
Roberts Sechs Studien für den Pedalflügel in kanonischer Form op. 56 hört man zumeist auf der Orgel oder in vierhändiger Fassung. Claras Umsetzung von vier Stücken für zwei Hände ist schwerer als der erste Höreindruck vermuten lässt, was Armengaud jedoch überzeugend löst, in dem er die Agogik dieser über Strecken sehr innigen Musik entsprechend modifiziert, so dass die gesprungenen Basstöne oder Linien den Fluss kaum jemals stören. Die kontrapunktische Grundidee bleibt immer nachvollziehbar, aber tritt gegenüber der höchst romantischen Empfindungsebene deutlich in den Hintergrund. Vielleicht hat Clara genau dieses Ziel angestrebt – der Höhepunkt dieser Veröffentlichung.
Liedtranskriptionen ohne Lisztsche Deutungshoheit
Die zwanzig hier vorgestellten Liedtranskriptionen Claras stammen wahrscheinlich alle aus dem Jahr 1873, respektieren Roberts Vorlagen sehr getreu und wollen offenkundig keine bravourösen Schaustücke für den Konzertsaal daraus machen wie etwa Liszt. Man vergleiche etwa Track [19]: Nr. 1 Widmung aus den Myrthen op. 25 mit der Lisztschen Version (S.566). Bei vielen geschieht nichts anderes, als die Gesangsstimme in den Klaviersatz zu integrieren, was bereits recht knifflig werden kann. Armengaud versucht Claras Intentionen gewissenhaft darzustellen und trifft die Stimmungen der Lieder genau, mit einem durch seine intensive Beschäftigung mit den französischen musikalischen Impressionisten manchmal etwas diffusem Klangbild. Dafür hebt er die charakteristischen Dissonanzen der Mondnacht (Track [12]) über Gebühr hervor. Der Booklettext des Pianisten ist ausgezeichnet, dafür die Stimmung seines Flügels während einiger der Aufnahmesessions leider suboptimal. Sicher hat diese Zusammenstellung ‒ nicht nur wegen zwei Liedtranskriptionen in Erstaufnahme ‒ einen gewissen Repertoirewert, richtet sich allerdings eher an hartgesottene Fans von Bearbeitungskunst.
Martin Blaumeiser [01.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Robert Schumann/Clara Schumann | ||
| 1 | Genoveva op. 81 (Ouvertüre) | 00:09:24 |
| 2 | Schöne Wiege meiner Leiden op. 24 Nr. 5 | 00:04:13 |
| 3 | Lust der Sturmnacht op. 35 Nr. 1 | 00:01:54 |
| 4 | Wanderlied op. 35 Nr. 3 | 00:02:43 |
| 5 | Sehnsucht nach der Waldgegend op. 35 Nr. 5 | 00:02:19 |
| 6 | Stille Tränen op. 35 Nr. 10 | 00:04:15 |
| 7 | Er, der Herrlichste von allen op. 42 Nr. 2 | 00:03:21 |
| 8 | Helft mir, ihr Schwestern op. 42 Nr. 5 | 00:02:04 |
| 9 | In der Fremde op. 39 Nr. 1 | 00:02:03 |
| 10 | Intermezzo op. 39 Nr. 2 (Dein Bildnis wunderselig) | 00:01:51 |
| 11 | Die Stille op. 39 Nr. 4 | 00:01:41 |
| 12 | Mondnacht op. 39 Nr. 5 | 00:03:49 |
| 13 | Schöne Fremde op. 39 Nr. 6 | 00:01:48 |
| 14 | Frühlingsnacht op. 39 Nr. 12 | 00:01:26 |
| 15 | Studie für den Pedalflügel in kanonischer Form a-Moll op. 56 Nr. 2 | 00:04:23 |
| 16 | Studie für den Pedalflügel in kanonischer Form As-Dur op. 56 Nr. 4 | 00:04:17 |
| 17 | Studie für den Pedalflügel in kanonischer Form h-Moll op. 56 Nr. 5 | 00:02:57 |
| 18 | Studie für den Pedalflügel in kanonischer Form B-Dur op. 56 Nr. 6 | 00:03:48 |
| 19 | Myrthen op. 25 Nr. 1 | 00:02:16 |
| 20 | Freisinn op. 25 Nr. 2 | 00:01:17 |
| 21 | Der Nussbaum op. 25 Nr. 3 | 00:02:56 |
| 22 | Die Lotosblume op. 25 Nr. 7 | 00:01:54 |
| 23 | Lied der Braut op. 25 Nr. 11 | 00:02:24 |
| 24 | Du bist wie eine Blume op. 25 Nr. 24 | 00:01:48 |
| 25 | Dein Angesicht op. 127 Nr. 2 | 00:01:58 |
Interpreten der Einspielung
- Jean-Pierre Armengaud * 1943 (Klavier)
