Johann David Heinichen
Italian Soprano Cantatas
Miriam Albano Soprano • Academia Montis Regalis
cpo 555 668-2
1 CD • 66min • 2023
22.06.2026
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Gesamteindruck:![]()
In der Musikgeschichte hat Johann David Heinichen (1683-1729) vor allem als Theoretiker, mit seinen Schriften über den Generalbass, Spuren hinterlassen, sein vielseitiges kompositorisches Schaffen, das nahezu alle Gattungen umfasst, blieb dagegen bis heute eine Angelegenheit für wenige Kenner und Spezialisten. Die fünf italienischen Soprankantaten, die cpo hier präsentiert, sind allerdings keine Produkte von Stubengelehrsamkeit, sondern vital-sinnliche, phantasievoll gearbeitete Kompositionen, die den Hörer entzücken und Lust auf mehr machen.
Italienisches in Dresden
Ausgebildet an der Leipziger Thomasschule, wo er bei Thomaskantor Johann Kuhnau (neben Christoph Graupner) privaten Kompositionsunterricht nahm, absolvierte Heinichen neben dem Musik- auch ein Jura-Studium und begab sich nach sporadischer Tätigkeit als Kapellmeister und Komponist 1710 wie der zwei Jahre jüngere Georg Friedrich Händel auf eine mehrjährige Bildungsreise nach Italien, die seinen Stil nachhaltig beeinflusste. In Venedig, Florenz und Rom studierte er die Musik von Vivaldi, Alessandro Scarlatti und anderen Zeitgenossen und trat dort auch mit eigenen Kompositionen hervor. Zurück in Deutschland übernahm er 1716 die Kapellmeisterstelle am Dresdner Hof, die er bis zu seinem frühen Tod 1729 innehatte. In seinem reichhaltigen musikalischen Nachlass nehmen mehr als sechzig Kammerkantaten einen herausragenden Platz ein. Formal orientieren sie sich am Stil der italienischen Kantaten seiner Zeit mit ihrem Wechsel von jeweils zwei (oder drei) Rezitativen und nachfolgenden Arien. Heinichen trifft das italienische Idiom mit seiner Kantilenen-Seligkeit sehr genau, erweitert es mit harmonischen und kontrapunktischen Errungenschaften deutscher Provenienz und einer einfallsreichen instrumentalen Klangdramaturgie.
Zauber der Instrumente
Bei den ersten beiden Kantaten handelt es sich um Huldigungsgesänge. 1719 heiratete Friedrich August II., Sohn Augusts des Starken, die strenggläubige Katholikin Maria Josepha von Österreich. Die wird in La Virtù nel giorno di Gioseffa als eine Göttin der Tugend verehrt, während der Kurprinz, der erst Jahre später als August III. König von Polen wird, in der ihm gewidmeten Geburtstagskantate quasi schon vorauseilend als großer Held gefeiert wird („Di giubilo tutto abbondo di gioia“). Der feierliche Gestus wird in beiden Fällen durch die reichhaltige Besetzung erreicht, zu Streichern und Basso continuo gesellen sich bei Maria Josepha zwei Flöten und zwei Hörner, bei Friedrich August zwei Flöten und zwei Oboen. In vergleichbar üppiger Besetzung malt Heinichen in Già la stagion novella eine pastorale Frühlingsstimmung aus. Die Leiden eines Liebenden im Angesicht seiner schlafenden Schönen beschreibt die Kantate Dori, vezzosa Dori, in deren zweiter Arie die Solo-Oboe die elegische Stimmung stützt und dem Basso continuo eine Laute beigefügt wird. In Lieve turba canora wird der Verliebte mit einem Vogel im Käfig verglichen, der sich seiner Gefangenschaft freut. Wie schon in der Arie „La bella tortorella“ aus der zweiten Kantate erreicht Heinichen hier in der Arie „Chi chiedesse all’augelletto“ durch den Einsatz der Flöte reizvolle Vogelstimmen-Effekte.
Animierende Wiedergabe
In der Academia Montis Regalis und der Sopranistin Miriam Albano haben diese Kantaten überzeugende Interpreten gefunden. Die Sängerin gestaltet die Rezitative sehr prononciert und glänzt in den Koloraturteilen der Arien, die Instrumentalisten ziehen den Hörer durch ihr lebendig pulsierendes Spiel und das richtige Tempo in Bann. Das Klangbild ist ausgewogen und klar konturiert. Das Booklet enthält die gesungenen Texte im italienischen Original und in englischer Übersetzung sowie eine gründliche Werkeinführung von Giacomo Sciommeri auf Deutsch und Englisch.
Ekkehard Pluta [22.06.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann David Heinichen | ||
| 1 | La Virtù nel giorno di Gioseffa (Kantate) | 00:12:23 |
| 7 | Cantata nel giorno di Christiano | 00:17:51 |
| 13 | Già la stagion novella (Kantate) | 00:11:02 |
| 17 | Dori, vezzosa Dori (Kantate) | 00:16:04 |
| 23 | Lieve turba canora (Kantate) | 00:08:31 |
Interpreten der Einspielung
- Miriam Albano (Sopran)
- Academia Montis Regalis (Orchester)
- Diego Ares (Cembalo)
