Claudio Monteverdi
Il secondo libro de madrigali
Glossa GCD 920922
1 CD • 69min • 2004
19.11.2004
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Klassik Heute
Empfehlung
Sein zweites Madrigalbuch veröffentlichte Monteverdi 1590 in der Hoffnung, eine feste Anstellung in Mailand zu bekommen. Tatsächlich folgte kurz darauf aber der Ruf nach Mantua, wo der Herzog Vincenzo Gonzaga sich als Förderer der Künste und insbesondere durch seine Gemäldesammlung einen Namen gemacht hatte. Wo ist die Verbindung zu suchen? Wie kaum ein anderer Zyklus ist Monteverdis zweites Madrigalbuch von Naturschilderungen durchzogen, mehr noch: nicht nur die Natur, sondern auch ihrer poetische und musikalische Schilderung scheint unmittelbar sinnlich greifbar zu sein. Dabei ist der Komponist noch ganz, wie er es später selbst ausdrückt, der prima prattica verpflichtet; die Sprünge und Brüche der seconda prattica, wie sie ab dem revolutionären fünften Buch zu erleben sind, sucht man hier vergebens.
Diese Feststellung ist wichtig, um den interpretatorischen Ansatz von La Venexiana zu verstehen. Er steht zwischen der noblen Zurückhaltung des Consort of Musicke unter Leitung von Anthony Rooley (Virgin) und den scharfen Kontrasten des Concerto Italiano unter Leitung von Rinaldo Alessandrini (Opus 111). Interessanterweise haben mit einer Ausnahme alle Musiker von La Venexiana vor zehn Jahren bereits in Alessandrinis Aufnahme mitgewirkt, was die Ähnlichkeit des Klangbildes erklärt. Konzeptionell sind die Unterschiede aber beträchtlich: Während Alessandrini im Madrigal „Ecco mormorar l’onde“, in dem das poetisch-musikalische Proprium dieser Sammlung vielleicht am deutlichsten wird, das murmelnde Rauschen des Baches und das Zittern des Laubes vordergründig dramatisiert und dabei die einzelnen Verse gedanklich fast schon isoliert, baut La Venexiana die geheimnisvolle Atmosphäre des Tagesanbruchs behutsamer, eher von innen und mit weiteren Spannungsbögen auf. Die Einheit des Affektes, eben die Erwartung des „noch nicht“, kommt hier deutlich subtiler zum Ausdruck als in der Vergleichseinspielung, welche Gefahr läuft, die Gattungsgrenzen zwischen Lyrik und Drama voreilig zu übertreten. Die Integration der Einzelaspekte, in der deutlich wird, wie stark Monteverdi in jungen Jahren noch einigen Ideen der Renaissance verpflichtet war, gelingt La Venexiana in geradezu vorbildlicher Weise. Damit sind übrigens auch – vermutlich unbeabsichtigt – die Qualitäten der beiden bisherigen Refenzeinspielungen (Rooley und Alessandrini) in einer Aufnahme vereinigt.
Dr. Matthias Hengelbrock [19.11.2004]
Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Claudio Monteverdi | ||
1 | Il secondo libro de madrigali (Das zweite Madrigalbuch, 1590) |
Interpreten der Einspielung
- La Venexiana (Ensemble)