Erinnerungen an das Goldene Zeitalter der seinerzeit in zwei Jahrzehnten gereiften historisch informierten Aufführungspraxis ruft diese CD den Freunden der Alten Musik ins Gedächtnis. Denn hier erscheint eine Aufnahme von Neuem, mit der seinerzeit ein erstrangiges Ensemble Literatur vorstellte, die nach Jahrhunderten der Vergessenheit entrissen wurde: Das erste Madrigalbuch von Johann Grabbe (1585-1655) – er teilt nicht unverdient sein Geburtsjahr mit Heinrich Schütz – wurde 1985 eingespielt; jetzt kommt eine Neuauflage auf CD: Sie bedeutet die Würdigung des diesjährigen 80. Geburtstags von Anthony Rooley, der mit seinem Consort of Musicke seinerzeit diese noch noch auf dem damaligen Leitmedium der Schallplatte erschienene Einspielung aufgenommen hat.
CDs der Woche der zurückliegenden Jahre:
Fantasies
for bassoon solo
MDG 903 2323-6
1 CD/SACD stereo • 73min • 2023
06.01.2025 • 10 10 10
Dazu gehört Courage: Ein ganzes Programm aus Übertragungen von Werken zu bestreiten, die nicht für das eigene Instrument geschrieben wurden. Céleste-Marie Roy hat es gewagt: Sie bietet Kompositionen für Flöte auf dem Fagott dar und spannt darüber hinaus noch einen weiten zeitlichen Rahmen vom Spätbarock J. S. Bachs über den für die frühe Klassik prägenden Stil seines Sohnes Carl Philipp Emanuel bis zum Zeitalter der Romantik, das hier von Friedrich Kuhlau (1786-1832) verkörpert wird. Ein mutiges Vorhaben, nicht nur die instrumentale Stimme von der Flöte auf das Fagott zu übertragen, sondern dabei auch ein musikalisches Jahrhundert zu umspannen, das zu Friedrich Kuhlaus Lebzeiten in den letzten hundert Jahren – ganz ähnlich zur politischen Geschichte – einen radikalen Wechsel vollzogen hatte.
Es ist das Land der Gegensätze und Widersprüche, aber auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Amerika. Das lässt sich auch trefflich musikalisch vorexerzieren, wie die Pianistin Claire Huangci mit ihrer Einspielung „Made in USA“ zeigt. Hier ist eine große Bandbreite der stilistischen Vielfalt zu erleben, die das Land ausmachen: Spätromantik à la Amy Beach, Jazz und Improvisation à la George Gershwin und Earl Wild sowie Avantgarde à la Samuel Barber. Claire Huangci, das zeigt sie hier sehr deutlich, ist in allen Genres zu Hause. Pianistische Brillanz geht hier mit musikalischer Intelligenz einher. Das Ergebnis ist schlichtweg atemberaubend.
Wenn ein Regensburger Stadt- und Dekanatskantor die Gelegenheit erhält, eine neue Orgel zu disponieren, möchte er diese auch mit mannigfaltigem Repertoire vorstellen. Hierbei verlässt sich Roman Emilius jedoch nicht auf die größten Hits der Orgelliteratur – obwohl er es zweifelsohne könnte – sondern stellt ein höchst abwechslungsreiches, drei Jahrhunderte umfassendes Programm zusammen, zu dem er sogar eigene Bearbeitungen beisteuert. Nebenbei entsteht auf diese Weise eine „Schule der originellen Registrierung“.
Streichtrios erregen immer noch weit weniger Aufmerksamkeit als Streichquartette, obwohl über einige Komponistengenerationen die Werke dieser Gattung eigentlich gleich innovativ oder interessant waren und sind. Mit Beiträgen dreier in Deutschland noch recht unbekannter Komponistinnen sowie dem ersten Streichtrio von Max Reger stellt sich nun das TriOlogie String Trio vor: Nevena Tochev (Violine), Meredith Kuliew (Viola) und Elodie Théry haben sich 2019 an der Hochschule Luzern kennengelernt, konzertieren regelmäßig miteinander und sind in gerade mal vier Jahren zu einem bemerkenswerten Ensemble zusammengewachsen.
Originalwerke des 20. Jahrhunderts für Flöte und Harfe Les Connivences Sonores
Ars Produktion ARS 38 363
1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2023
03.02.2025 • 9 10 10
Das seit 2014 bestehende Ensemble „Les Connivences Sonores“ hat sich zur Aufgabe gemacht, Originalwerke für Flöte und Harfe zu entdecken und vorzustellen. Auf eine erste CD mit Werken von Inghelbrecht, Liebermann, Mayani, Rorem und Lutoslawski folgt nun eine zweite, die Komponisten der „Nach-Debussy-Zeit“ gewidmet ist. Einige der Werke des neuen Albums erinnern tatsächlich an den impressionistischen Stil eines Debussy, wie eingangs die Quatre Pièces, leichtgewichtige Stücke, die der französische Komponist polnischer Herkunft Ladislas Rohozinski 1925 schrieb. Und auch bei der längeren, kontrastreichen Komposition Naïades aus dem Jahr 1970 des englischen Komponisten William Alwyn gibt es Passagen, die noch in der Debussy-Zeit entstanden sein könnten.
Aufnahmen der Cello-Sonaten von Ludwig van Beethoven gibt es zahlreich, auch das Label Naxos hat alle Werke für Cello und Klavier im Programm (1991 mit Jenő Jandó und Csaba Onczay) – trotzdem startet Naxos eine Neuaufnahme mit dem Cellisten Gabriel Schwabe und dem Pianisten Nicholas Rimmer. Gabriel Schwabe wurde 1988 in Berlin geboren und hat die drei renommiertesten Cello-Wettbewerbe gewonnen: den Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin, den Concours Rostropovich in Paris und den Pierre Fournier Award in London. Er gastiert in der ganzen Welt mit den berühmtesten Orchestern und bei den bekanntesten Festivals. Das Label Naxos hat ihn unter Exklusiv-Vertrag. Nicholas Rimmer ist 1981 in England geboren, hat in Hannover Klavier und Musikwissenschaft in Cambridge studiert und ist ein sehr gefragter Kammermusiker.
Erinnerungen an das Goldene Zeitalter der seinerzeit in zwei Jahrzehnten gereiften historisch informierten Aufführungspraxis ruft diese CD den Freunden der Alten Musik ins Gedächtnis. Denn hier erscheint eine Aufnahme von Neuem, mit der seinerzeit ein erstrangiges Ensemble Literatur vorstellte, die nach Jahrhunderten der Vergessenheit entrissen wurde: Das erste Madrigalbuch von Johann Grabbe (1585-1655) – er teilt nicht unverdient sein Geburtsjahr mit Heinrich Schütz – wurde 1985 eingespielt; jetzt kommt eine Neuauflage auf CD: Sie bedeutet die Würdigung des diesjährigen 80. Geburtstags von Anthony Rooley, der mit seinem Consort of Musicke seinerzeit diese noch noch auf dem damaligen Leitmedium der Schallplatte erschienene Einspielung aufgenommen hat.
Die erste Zeile des Psalms 2 der hebräischen Bibel stellt die immer aktuelle Frage, warum die Menschheit sich im Toben verstrickt statt Frieden zu schaffen. Annette Schavan liest auf ernste, unaufgeregte Weise ausgewählte Psalmtexte, der Cellist Julius Berger spielt ausdrucksstark Sätze von Ernest Bloch aus der Suite von 1919 und der Sammlung „Jewish Life“ von 1924, in denen die jüdische Tradition durchschimmert. Berger wird feinfühlig begleitet vom Percussion-Duo GRAD (Vibraphon und Marimba). So wird Musik gleichsam zum Gebet.
Erneut legt der serbische Cembalist Slobodan Jovanović, nach zwei CDs „The Italianate Bach“, eine Konzept-CD vor, diesmal Cembalomusik von Komponisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gewirkt haben. Und wieder ist man fast berauscht von der prachtvoll rauschenden Musik, die hier auch von der Tonregie unterstützt wird: Das zweimanualige Cembalo, das Jovanović spielt, ist ein Nachbau von Eckehart Merzdorf nach den Instrumenten des französisch-königlichen Hofinstrumentenbauers Pascal-Joseph Taskin. Den Klang dieses Instrumentes fängt die Tonregie vollumfänglich ein, vor allem die sonoren Basstöne. Der Raumklang der Laurentiuskirche in Karlsruhe ist ebenso präsent.
Es hat vier Jahre gebraucht, bis das cpo Label aus Osnabrück die zweite Folge der wichtigsten Orchesterwerke Franz Schrekers (1878–1934) mit den Bochumer Symphonikern unter dem amerikanisch-israelischen Dirigenten Steven Sloane herausgebracht hat. Die Aufnahmen selbst sind gar gut zehn Jahre alt. Das Repertoire diesmal enthält die vielleicht interessantesten Werke des österreichischen Opernkomponisten für den Konzertsaal überhaupt.
Ernst von Dohnányi, 1877 in Preßburg, dem heutigen Bratislava, geboren, war ungarischer Herkunft. Seine cis-Moll-Violinsonate von 1912 verrät allerdings kaum diese Provenienz; sie erinnert vielmehr an den Stil von Brahms, dem Dohnányi nacheiferte, ohne dessen Originalität zu erreichen. Hellen Weiß, die in Köln und Dresden lehrt, und Paul Rivinius, der in München lebt, machen in ihrer flüssigen, ausgewogenen Darstellung deutlich, dass das epigonal wirkende, spätromantische Stück kontrastreich gearbeitet ist. Interessanter wirkt die zehn Jahre zuvor komponierte C-Dur-Serenade für Streichtrio, die in ihren fünf Sätzen sowohl Temperament und Sentiment wie auch einen Schuss Humor verrät. Hellen Weiß musiziert mit ihren beiden Partnern schwungvoll und dynamisch flexibel. Vom einleitenden Marsch, der einer alten Serenadentradition entspricht, bis zum humorvollen Finalrondo erlebt man vergnügliche Klänge und Rhythmen.
Ähnlich wie der nur wenige Monate jüngere, lange überschätzte Heinrich von Herzogenberg (1843-1900), oder der 12 Jahre später geborene Heinrich XXIV. Prinz Reuss von Köstritz (1855-1910, nicht zu verwechseln mit dem derzeit wegen Revolutionsfantasien verhafteten gleichnamigen heutigen Prinzen), ist Hans Heinrich XXIV. Bolko Graf von Hochberg (1843-1926) einer jener Adligen, welche den hohen Stand der gelehrten Kompositionskunst konservativ-klassizistischer Couleur der Zeit zwischen Bruckner/Brahms und Mahler/Strauss im deutschsprachigen Raum belegen. Der gebürtige Schlesier studierte bei dem Kontrapunktpapst Friedrich Kiel in Berlin, gründete 1876 die Schlesischen Musikfeste und war von 1886 bis 1902 General-Intendant der Königlichen Schauspiele in Berlin, also auch der Preußischen Hofoper, wo er 1898 Richard Strauss als Hofkapellmeister engagierte.
As Within So Without Lisa Maria Schachtschneider Piano
Ars Produktion 38 377
1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2024
31.03.2025 • 9 10 10
Unter dem Titel „Planet Earth“ verbirgt sich der Versuch, den vier klassischen Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer Klavierstücke aus verschiedenen Epochen zuzuordnen und dabei für eine angemessene Frauenquote zu sorgen. Die deutsche Pianistin Lisa Maria Schachtschneider, die in der Schweiz lebt, möchte mit ihrer Auswahl darin erinnern, dass „wir die Elemente nicht nur um uns, sondern auch in uns tragen“.