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CD-Besprechung

Sharon Bezaly

Pipe Dreams

BIS 1789

1 CD • 60min • 2009

02.10.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Schon häufiger hatte ich Gelegenheit, Aufnahmen Sharon Bezalys, der Star-Flötistin des schwedischen BIS-Labels, zu besprechen. Ich würde mich wiederholen, stellte ich erneut die Vorzüge dieser Ausnahmekünstlerin heraus. Fast alle ihre Einspielungen überzeugen durch ein Höchstmaß an Musikalität, technischer Perfektion und Ausdruckskraft. Viele herausragende neue Kompositionen sind ihr gewidmet oder von ihr angeregt worden. In lebhafter Erinnerung ist mir diesbezüglich etwa die CD „Nordic Spell", u.a. mit dem fantastischen Konzert des finnischen Komponisten Kalevi Aho (BIS-CD 1499).

Ihre neueste Einspielung „Pipe Dreams" mit dem zweifellos exzellenten Australian Chamber Orchestra unter Richard Tognetti hinterlässt jedoch einen zwiespältigen Eindruck. An Expressivität, meisterhafter Instrumentalbeherrschung und vollendeter Tontechnik gibt es auch diesmal nichts zu bemängeln. Die Auswahl der eingespielten Werke jedoch hat mich enttäuscht. Zwar finde ich es grundsätzlich erfreulich, wenn sich eine Künstlerin wie in diesem Fall ausschließlich Musik des 20. und 21. Jahrhunderts widmet. Im Gegensatz zu vielen früheren Aufnahmen Bezalys beschleicht mich hier allerdings der Eindruck einer gewissen Müdigkeit und Mangel an Inspiration. Keines der Stücke ist von herausragender Erfindungskraft. Da hilft es auch nicht, wenn relativ prominente Namen zusammenkommen.

José Serebrier ist vor allem als Dirigent bekannt. Sein 2008 für Bezaly komponiertes Flötenkonzert mit Tango erlebte gerade dieser Tage seine USA-Premiere in der Carnegie Hall. Sicher, Serebrier ist Profi genug, um zu wissen, wie's geht. Ihm gelingt ein ansprechendes, unterhaltsames Opus von instrumentengerechter Virtuosität und gekonnter Instrumentation. Professionell, nicht mehr und nicht weniger. Das ursprünglich 1987 entstandene und 2007 revidierte und um eine spezielle Kadenz für Sharon Bezaly erweiterte Stück Pitangus sulphuratus der venezolanischen Komponistin Adina Izarra geht stilistisch andere, deutlich experimentellere Wege als Serbriers Konzert. Es spielt auf den variantenreichen Gesang eines südamerikanischen Vogels, des „Schwefeltyrannen" an. Ein zartes, filigranes Werk mit vielen kammermusikalischen Interaktionen und motivischen Verästelungen. Für mich das interessanteste Stück der CD.

Der australische Komponist Carl Vine zählt zu den international bekanntesten Tonschöpfern des fünften Kontinents. Seine 2003 entstandenen Pipe Dreams habe ich als zwar recht effektvolles, aber im Grunde etwas an der Oberfläche bleibendes Werk erlebt, und ob nun Alberto Ginasteras Impresiones de la Puna aus dem Jahr 1934 dem Versuch geschuldet sind, dem Programm eine südamerikanische Kohärenz zu verleihen (dann aber fiele Vine aus dem Rahmen) oder vielmehr, um sich im Licht eines bekannten Namens zu sonnen, sei dahingestellt. Besonders spannend sind die drei von indigener Musik beeinflussten Miniaturen jedenfalls nicht, zumal sie auch mit ihren knapp sieben Minuten Spieldauer und ihrem fast siebzigjährigen zeitlichen Abstand zu den restlichen Werken der CD nicht so recht ins Konzept passen.

Kurzum: Ich habe von Sharon Bezaly schon weitaus interessantere Programme gehört. Und von einem Mangel an guten zeitgenössischen Flötenkonzerten kann nicht die Rede sein. Hartgesottene Bezaly-Fans werden sicher auch an dieser CD ihre Freude finden. Wer wirklich herausragende zeitgenössische Musik hören möchte, dem sei nochmals eindringlich die oben erwähnte CD „Nordic Spell" ans Herz gelegt.

Heinz Braun [02.10.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
José Serebrier
1Flute Concerto with Tango 00:22:12
Adina Izarra
6Pitangus Sulphuratus 00:15:05
Carl Vine
7Pipe Dreams 00:14:53
Alberto Ginastera
8Impresiones de la Puna for Flute and String Quartet 00:06:57

Interpreten der Einspielung

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