Miklós Rózsa
El Cid
Antes BM319296
1 CD • 58min • 2014
26.11.2015
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Diese Orgelmusik ist anders und man kann gar nicht mal so klar verorten, warum. Zu treibend und pulsierend sind die Rhythmen, um noch für einen sakralen Rahmen zu taugen. So plakativ, ja cineastisch sind die eingängigen melodischen Muster und doch scheint alles mächtig vom Himmel zu kommen, wenn Philipp Pelster schließlich volles Tutti an der riesigen Klaisorgel aufzieht: 5 Manuale, 65 Register, gleich mehrfach besetzte horizontale Trompeten etc. stehen in der Kathedrale im spanischen Leon zur Verfügung. Und so braust und faucht es, bündeln sich Töne zu mächtigen Stahlen, so dass sich eine opulente Feierlichkeit breitmacht, die eher an Monumentalfilme und weniger an Hochämter denken lässt.
Mit solchen Assoziationen ist man heim Hören dieser neuen Antes-Produktion schon auf der richtigen Spur: El Cid bestimmt als zyklisches Gesamtwerk die gesamte Spiellänge dieses Tonträgers – und die Komposition des Ungarn Mikós Rósza ist ein Filmsoundtrack zum gleichnamigen, US-amerikanischen Abenteuer und Historienfilm des Regisseurs Anthony Mann aus dem Jahr 1961. Rodrigo Diaz de Vicar ist der Held „El Cid“, der im elften Jahrhundert gegen die maurischen Almoraviden und für die spanische Einigung im Zuge der Reconquista kämpfte. Ob man diesen Stoff im heutigen Geschichtsverständnis noch heroisieren würde, mag dahin gestellt sein. Auf jeden Fall kehrt zumindest die musikalische Ausgestaltung dieses Epos wieder an einen „original“ anmutenden Schauplatz, nämlich eine spanische Kathedrale zurück.
Musikalisch wirkt das ausgebreitete Material außerordentlich unverbraucht. Dorische und sonstige Kirchentonskalen, viel Chromatik und melodisches Moll bringen mittelalterliche-manchmal orientalische Färbungen ein. Fast schon Flamenco-artig ist die Motivik manchmal. Vermutlich transportiert diese Orgelbearbeitung deutlich mehr Wucht, als es dies die Originalinstrumentierung in diesem Historienfilm vermocht hat.
Elegische Parts wechseln mit breiten dissonanten Fanfarenstößen. Breite vorwärts wälzende Crescendi lassen an Massenszene denken. Immer wieder versetzen aufwühlende Orientalismen die Fantasie in Wallungen. Philipp Pelster reizt hier viele extrovertierte Klangmöglichkeiten aus. Leitmotive und wiederkehrende Themen geben Stringenz und Halt. Punktierte Rhythmen deuten auf mächtig Action bei der imaginären Filmhandlung hin. Es gibt Märsche und Liebes-Themen, die sogar richtig romantisch-balladesk, aber nie kitschig wirken. Auch dann nicht, wenn sich eine Solovioline Gehör verschafft – eine Hommage an die Original-Filmkomposition.
Hier ist alles da, was zu großem Hörkino dazugehört und in diesem unkonventionellem Crossover mittels einer Orgel-Bearbeitung neue, ungeahnte Hör-Filme freisetzt. Vor allem: Philipp Pelster, 1984 in Wuppertal geboren, hat sich hier als kreativer junger Interpret um erfrischendes Neuland für sein Fach in bestem Sinne verdient gemacht!
Stefan Pieper [26.11.2015]
Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
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CD/SACD 1 | ||
Miklós Rózsa | ||
1 | El Cid | 00:58:07 |
Interpreten der Einspielung
- Philipp Pelster (Orgel)