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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Magnus Lindberg

Ondine ODE 1281-5

1 CD/SACD stereo/surround • 66min • 2015

29.02.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wie bei der vokalsymphonischen Produktion mit Graffiti und Seht die Sonne aus dem Jahre 2010 [sh. Rezension bei Klassik-Heute vom 26.4.2010] und der drei Jahre später erschienenen CD mit dem (ersten) Violinkonzert, dem Souvenir und den Jubilees [sh. Rezension bei Klassik Heute vom 27.9.2013], so macht sich auch jetzt nach dem recht erfreulichen Anfangseindruck schnell die Ernüchterung breit: Da arbeitet endlich mal wieder einer mit markanten Motiven und, man wagt es kaum zu sagen, thematischen Elementen, die sich gerade in Al Largo, dem ersten der drei Werke, bis zu romantischer Breite auswachsen; da gibt es Steigerungen, Kantilenen, nahezu tonale Zusammenklänge im glänzend orchestrierten Gewebe, dass einem recht warm ums Herze werden möcht’ – und dann verlieren sich die Substanzen in einem strukturellen Ungefähr, das sich trotz seiner hurtigen, lebhaften, geradezu temperamentvollen Ausbrüche wieder als einer jener zähen Ströme dahinwälzt, um sich nach rund 25 Minuten mit den letzten Takten der Verklärten Nacht zu verbünden, von denen Lindberg meint, es sei darin einer der schönsten Schlüsse der gesamten Musikliteratur zu finden.

Ganz abgesehen davon, dass Magnus Lindberg vor seinem hurtigen Urteil vielleicht einmal den Tristan oder auch nur Franz Schrekers Vorspiel zu einem Drama hätte versuchen sollen, stellt er sich mit seinen sehr einseitigen Kommentaren zahlreiche Fallen, in die er nachher mit großer musikalischer Geste hineintappt. So lesen wir gleich in den ersten Zeilen des englisch-finnischen Booklets die gewichtige These, dass „alles auf die Fundamente Schönbergs und Strawinskys zurückgeht” und „die Musik überhaupt keinen anderen Weg hätte einschlagen können”. Dann führt er die vorbildhafte vierte Symphonie von Jean Sibelius ins Treffen, bekennt den Einfluss des Till Eulenspiegel – und landet dabei hin und wieder bei Aram Chatschaturjan: Die knatternden Fanfaren der dritten Symphonie und die filigranen Geflechte des Spartakus mögen unfreiwillig zu Stande gekommen sein, wirkungsvoll sind sie allemal.

Während sich mir beim zweiten und dritten Anhören der drei Stücke ein immer tieferer Graben zwischen theoretisch-ideologischem Anspruch und praktisch-ästhetischem Geschehen auftut; während ich feststelle, dass es durchaus genügt, eins der zwei Cellokonzerte von Lindberg zu kennen; und während ich – erneut bei der einigermaßen kompakten Era angekommen – meine aktuelle Wanderung durch die Trümmerwüsten der Tonkunst für dieses Mal mit einem leisen Schulterzucken beschließe, treten doch die exzellente Leistung des vielfarbigen, brillanten Orchesters und das engagierte Spiel des Solisten Anssi Karttunen immer plastischer hervor: Den Ausführenden, allen voran ihrem Dirigenten Hannu Lintu, wird man einen Mangel an Engagement gewiss nicht vorhalten können – und auch die Klangregie hat alles getan, um das äußere Erscheinungsbild dieser Musik nach bestem Wissen zu gestalten. Dem Komponisten sei indes geraten, sein zweifellos erhebliches Potential endlich von seinen historischen Vorstellungen zu befreien, anstatt sich – ganz Gulliver in Liliput – von tausenden dogmatischer Erwägungen am Boden festnageln zu lassen.

Rasmus van Rijn [29.02.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Magnus Lindberg
1Al largo 00:24:53
2Violoncellokonzert Nr. 2 00:20:58
5Era 00:20:19

Interpreten der Einspielung

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