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CD-Besprechung

Fritz Volbach

Symphony op. 33 • Es waren zwei Königskinder

Fritz Volbach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 07.10.19

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cpo 777 886-2

1 CD • 62min • 2019

Fritz Volbach (1861-1940) aus dem rheinischen Wipperfürth wirkte nach dem Berliner Studium beim Singakademie-Direktor Eduard Grell zunächst in Mainz (ab 1891), dann in Tübingen (ab 1907) als Musikdirektor, leitete ab 1916 während der deutschen Besatzung in Belgien ein Symphonieorchester und war nach dem Kriege die entscheidende Persönlichkeit beim Aufbau des Musiklebens im westfälischen Münster, wo er nicht nur die Westfälische Schule für Musik, sondern auch das Städtische Symphonieorchester gründete, welches ihm nun mit vorliegendem überarbeitetem Konzertmitschnitt vom 29. Januar 2019 unter seinem derzeitigen Chefdirigenten Golo Berg eine Hommage darbringt, wie wir sie zuletzt auch beispielsweise dem Anhaltischen Symphonieorchester aus Dessau in Bezug auf seinen einstigen Leiter August Klughardt verdanken. Eine weitere gute Gelegenheit also für cpo-Direktor Burkhard Schmilgun, seinem Katalog ein passgenau zugeschnittenes Stück hinzuzufügen. Denn es handelt sich um idealtypisches cpo-Repertoire der späten, klangprächtigen klassizistischen Romantik.

Volbach ist heute primär aufgrund seiner verdienstvollen musikwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Arbeiten über Händels Oratorien, das Chordirigieren und die Instrumente des Orchesters in Erinnerung. Umso überraschender die Begegnung mit seinem potenten, vitalen Schaffen, das von höchster Könnerschaft, großer Schönheit und Effektivität, und durchaus auch von gelegentlich bemerkenswerter Inspiration zeugt. Der einzigen Symphonie geht auf dieser CD die 1900 veröffentlichte symphonische Dichtung über den Grimm’schen Märchenstoff ‚Es waren zwei Königskinder‘ voraus, dessen schauriges Ende Valbach versöhnlich in ein optimistisch gestimmtes Hohelied der unsterblichen Liebe umwandelt. Beeindruckend intoniert er von Beginn an einen volkstümlich sagenhaften Tonfall, der – gerade auch dank seiner exzellenten Beherrschung des harmonischen Raumes voll kühner Modulationswendungen – erheblichen dramatischen Eruptionen unterworfen wird. Die Orchestration ist nichts äußerst farbenreich und stets so berechnet, dass alles Wesentliche sich gut durchsetzen und alles in charakteristisch klar gezeichnetem Licht zu unmissverständlichem Ausdruck gebracht werden kann.

Die Symphonie in h-moll op. 33 vollendete Volbach 1908. Sie ist ein architektonisch mächtiges Werk in vier Sätzen, deren Scherzo dem Adagio vorausgeht. Der Kopfsatz ist, wie schon die Vortragsbezeichnung es verrät, von herausfordernd trotzigem Charakter, wobei die lyrische Gegenwelt wenigstens ebenso intensiv ausgekostet wird. Das Oppositionspotential der Sonatenhauptsatzform wird in vollendeter Weise ausgeschöpft, die kontrapunktische Geschmeidigkeit und Konsequenz ist beeindruckend. Das Scherzo überrascht mit seinen ruppigen metrischen Wechseln zu Beginn und besticht mit lakonischer Kürze. Das Adagio zählt in seiner herrlichen Konzentration der Mittel und ihrer wunderbar natürlichen Entfaltung zu den schönsten langsamen Symphoniesätzen des frühen 20. Jahrhunderts. Eher gibt es ein mögliches Finale-Problem, vergleichbar den Schlusssätzen von Beethovens Eroica, Mendelssohns Schottischer oder Sibelius’ Erster: ein feierlich breiteres Tempo (in diesem Fall eine Intonation des ‚Hallelluja‘) tritt in Gegensatz zu einem keck fugierenden Allegro von durchaus humoresken Zügen, und diese scheinbar unvereinbaren Elemente gilt es nun zu vereinigen.

Das Sinfonieorchester Münster unter Golo Berg gibt sich alle Mühe, sämtliche Ausdrucksebenen der beiden Werke mustergültig darzulegen, wobei man zwischendurch schon auch mal merkt, dass die Musik nicht hundertprozentig vertraut ist – wie auch, wenn sie heute sonst nicht gespielt wird! Schade ist, dass oft der Zug nach vorne so dominiert, dass – zumal im Adagio – Übergänge zu unvorbereitet kommen und der Schluss so plötzlich mit einem Not-Ritardando erreicht wird, so dass von einer wirklich organischen Gestaltung dann doch nicht die Rede sein kann. Auch gelingt es nicht, alle kontrapunktischen Details jederzeit klar zum Klingen zu bringen, und bezüglich der Temporelationen ist – z. B. im Scherzo – nicht gerade immer die Ideallinie erreicht, gelegentlich wird übertrieben plötzlich vorangedrängt, dann auch mal in Anbetracht auftretender Komplexitäten etwas geschleppt. Im Finale wäre eine klarer gerichtete Phrasierung des Halleluja sehr zu wünschen gewesen, sprich: die Betonungen im Einklang mit der jeweils innewohnenden Kadenzspannung würden das so oft und zentral auftretende Thema weniger banal und machtvoll-feierlicher erscheinen lassen. So ist es etwas unbewusst mechanisch betont geraten. Aber man kann nicht immer alles auf einmal verlangen, und ernsthaft und engagiert ist die Leitung Golo Bergs allemal. Das Orchester erweist sich als im Grunde ausgezeichneter Klangkörper auf der Höhe unserer Zeit, und die Aufnahmetechnik scheint weitgehend herauszubringen, was im Bereich des technisch Möglichen lag. Der Booklettext von Frederik Wittenberg informiert angemessen solide.

Christoph Schlüren [07.10.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Volbach Es waren zwei Königskinder op. 21 (Sinfonische Dichtung) 00:18:36
2 Sinfonie h-Moll op. 33 00:43:01

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sinfonieorchester Münster Orchester
Golo Berg Dirigent
 
777 886-2;0761203788620

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