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CD/SACD stereo-Besprechung

Samuel Barber

Piano Music

MDG 904 2177-6

1 CD/SACD stereo • 67min • 2019

08.09.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Samuel Barber – von dem ist doch das berühmte Adagio for Strings, zu dem häufig gegriffen wird, wenn tiefe Trauer in Musik ausgedrückt werden soll (und ein ganzes Requiem den Rahmen sprengen würde). Wahrscheinlich würde der amerikanische Komponist Samuel Barber, der 1981 starb, das Werk, mit dem ihm 1938 der Durchbruch gelangen, heute als Segen und Fluch zugleich empfinden. Wenige wissen, dass es lediglich ein Satz eines Streichquartetts ist und noch viel weniger wissen, dass Samuel Barbers Œuvre noch viel mehr musikalische Kostbarkeiten zu bieten hat. Geboren 1910 in Pennsylvania, zählt er bis heute zu den wichtigsten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. In seiner Musik orientiert er sich am Neoklassizismus eines Igor Strawinskys, baut zeitgenössische amerikanische Elemente ein, wie beispielsweise den Jazz, und bleibt zugleich in eher klassizistischen und romantischen Harmonien, was seine Musik auch für die hörbar macht, denen die ‚Neutöner‘ sonst eher nicht liegen. Im Laufe seines kompositorischen Schaffens schrieb er zwei Sinfonien sowie weitere Orchesterwerke, außerdem Konzerte für Violine, Violoncello und Klavier, Kammermusik und Vokalwerke. Einen wichtigen Bereich nehmen seine Opern ein, die in Europa weitestgehend unbekannt sind. Hinzu kommen zahlreiche Kompositionen für Klavier solo, allein 48 mit Opuszahl sowie zahlreiche unveröffentlichte, die alle binnen eines halben Jahrhunderts von 1928 bis 1978 entstanden.

Alles andere als ein klassisches One-Hit-Wonder

Die junge, südkoreanische Pianistin Yeseul Moon leistet mit ihrem Debüt-Album bei MDG Pionierarbeit. Auf ihrer neuen CD vereint sie die gesamte veröffentlichte Klaviermusik Barbers. Geboren 1992 in Suwon, studierte sie zunächst an der Ewha Womans University und absolvierte ihr Masterstudium in Freiburg, wo sie kurz vor dem Konzertexamen steht. Bei der Aufnahme geht sie überwiegend chronologisch vor und beginnt mit den Excursions op. 20. Diese kleinen musikalischen ‚Ausflüge‘ mit amerikanischen Elementen entstanden zwischen 1942 und 1944 und wurden nicht zuletzt dadurch bekannt, dass Vladimir Horowitz sie in der Carnegie Hall aufführte. Moon setzt hier die unterschiedlichen Stimmungen gekonnt um – so erklingt das erste Stück heiter-verspielt, eher bluesig das folgende. Mit schwelgerischer Melodie setzt sie die Aufnahme mit dem Allegretto fort, das schnell in jazzige Variationsansätze übergeht. Der jungen Pianistin gelingt hier problemlos die Mischung aus transparentem Spiel und quasi sekündlich wechselnden Stimmungen.

Originell und tiefgründig

Eine andere Tiefe hat Barbers Hauptwerk für Klavier, seine einzige Klaviersonate, die 1949 entstand und ebenfalls von Horowitz uraufgeführt wurde. Und nicht nur das: Es herrschte auch ein reger Austausch zwischen Pianist und Komponist während der Entstehung des Werks. Das hochkomplexe Werk, das – auf Anregung Horowitz‘ – mit einer rasanten Fuge endet, setzt Moon ebenfalls problemlos und klar um. Die beiden eher introvertierten Werke Ballade op. 46 von 1977 und das Nocturne op. 33 von 1959, die Moon auch feinfühlig so umsetzt, umrahmen die sechs Charakterstücke Souvenirs op. 28. Es sind originelle Stücke, die Barber hier geschaffen hat – mal im Stile eines Walzers, dann eines Schottischen, dann wieder erklingt ein Pas de Deux oder auch ein Tango. Obschon es durchaus auch eine Version für Klavier solo gibt, hat Yeseul Moon für ihre Debüt-CD die für Klavier zu vier Händen gewählt und spielt diese gemeinsam mit ihrem Lehrer Hardy Rittner. Eine herrlich spritzige und bildhafte Umsetzung! Mit ihrem Debüt-Album zeigt die junge Pianistin, wie vielseitig Samuel Barbers Œuvre ist und dass es eine Entdeckung wert ist.

Verena Düren [08.09.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Samuel Barber
1Excursions op. 20 00:14:26
5Klaviersonate es-Moll op. 26 00:22:15
9Ballade op. 46 00:07:38
10Souvenirs op. 28 (Ballettsuite) 00:17:20
16Nocturne As-Dur op. 33 00:05:02

Interpreten der Einspielung

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