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Besprechung CD

Nordic Journey

Volume XV • Baltic Sojourn
James H. Hicks

Pro Organo 7309

1 CD • 79min • 2023

26.03.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

James D. Hicks ist auf seiner Reise durch die nordische Orgelmusik des 19. – 21. Jahrhunderts bereits bei der 15. Folge angekommen und www.klassik heute.de bekommt erstmalig die Gelegenheit auf diese hochinteressante Serie hinzuweisen. Nachdem er zuvor Skandinavien von Island im Westen bis Finnland im Osten durchquert hat, macht er nun im Baltikum Station und präsentiert teilweise nur im Manuskript vorliegende Werke estnischer, litauischer und lettischer Komponisten, bei denen es sich zumeist um Ersteinspielungen handeln dürfte. Beraten wurde er bei der Auswahl durch den Organisten der Universität Vilnius, Vidas Pinkevicius, dessen Website zur Orgelpädagogik einen Besuch lohnt und der mit seiner Suite nach litauischen Volksliedern auch als Komponist auf der CD vertreten ist.

Zwischen Reger und Dupré

Wer von den baltischen Komponisten Irisierendes à la Olivier Messiaen erwarten würde, sähe sich getäuscht. Alle Werke bewegen sich in gesichert tonal-modalem Rahmen, verfügen über „erinnerbare“, teils folkloristische Melodik. Der Schlager ist sicherlich das Prelude in Memoriam M. K. Ciurlinionis von Giedrius Kuprevičius (Tr. 5), das sich für jede tragische Filmszene eignen dürfte. Großformatig die Sonate Nr. 3 in f-Moll von Alfred Karindi. Höchst originell die 3 Stücke für Orgel und Kannel – das estnische Nationalinstrument, eine Kastenzither, die in Finnland Kantele genannt wird – von Malle Maltis (Tr. 8-10).

Aus eins mach zehn

James D. Hicks hat für die Einspielung keine baltische Orgel, sondern diejenige der Pauluskirche in Ulm gewählt. Hierbei handelt es sich um ein äußerst farbenreiches Instrument mit zwei Schwellwerken, das als Universalorgel, die deutsche und französische Klangfarben vereint und für Barockes durch Superoktavkoppeln aufgelichtet werden kann, konzipiert wurde. Dabei wurde teilweise die Multiplex-Technik verwendet, die auf Abbé Vogler zurückgeht. Diese funktioniert nach dem Prinzip, dass eine oder mehrere – hier acht – Pfeifenreihen über den gewöhnlichen Umfang (C-a3) hinaus ausgebaut werden. Verwendet man einen Umfang vom Subkontra-C bis a4 kann aus dieser Pfeifenreihe eine Registerfamilie mit Bourdon 32‘, Lieblich Gedackt 16‘, Gedackt 8‘ auf allen Werken und Gedackt 4‘+ 2‘ im Pedal generiert werden. Zusätzlich werden dadurch Sub- und Superoktavkoppeln vereinfacht. Nachteil dieser Mehrfachverwendung von Pfeifen innerhalb der Reihe ist, dass sie nicht die allerletzte Wucht entfalten kann, was gern durch höheren Winddruck ausgeglichen wird, der dann die Obertonregister etwas grell färben mag. Der Spieltisch dürfte mit seinen 320 Registerwippen für die insgesamt 86 Register und die in großer Anzahl vorhandenenen Spielhilfen zu den weltweit größten gehören.

Virtuoser Zauber

James D. Hicks meistert die – wie die Toccata von Rihards Dubra (Tr. 15) – teils eine hochvirtuose Technik erfordernden Werke souverän. Sein Timing ist elegant, er kann Spannung aufbauen und registriert meisterhaft. Auch die Auswahl und Anordnung der Kompositionen ist höchst gelungen

Das Booklet enthält ausführliche Informationen zu Komponisten und Werken sowie – lobenswerterweise – die komplette Disposition. Für den nur englischen Text ziehe ich keinen Punkt ab, weil die Aufnahme mir so viel Freude bereitet hat.

Fazit: Eine höchst gelungene Aufnahme spektakulärer, virtuoser und stimmungsvoller litauischer und estnischer Orgelmusik, die jeder Freund des Instruments gehört haben sollte und die den „Aktiven“ bei der Gestaltung wirkungsvoller Programme behilflich sein kann. Klare Empfehlung – auch in die 14 Vorgänger einmal per Streaming hineinzuhören!

Thomas Baack [26.03.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jēkabs Mediņš
1Allegro Appassionato 00:02:31
Alfred Karindi
2Orgelsonate Nr. 3 00:23:28
Giedrius Kuprevičius
5Prelude in Memory of M.K. Čiurlionis 00:03:43
Česlovas Sasnauskas
6Introduction et Fugue-double 00:07:56
Romualds Jermaks
7Con anima (aus First Book of Latvian Folk Melodies) 00:06:09
Malle Maltis
8Jaaniöö seisatus 00:04:34
9Hõbeallikas 00:04:16
10Pill oll' helle 00:03:41
Vidas Pinkevicius
11Lithuanian Folk Suite op. 150 00:14:18
Rihards Dubra
15Toccata 00:08:50

Interpreten der Einspielung

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