Gottfried Heinrich Stölzel
5 Masses
Cantus Thurigia • Capella Thuringia • Bernhard Klapprott
cpo 555 366-2
1 CD • 58min • 2020, 2022
22.01.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Kompositionen von Messen gehören zu den Kernstücken der geistlichen Musik: Je nach Feierlichkeit und Aufwand der Komposition wurde im katholischen Bereich zwischen „Missa solemnis“ und „Missa brevis“ unterschieden, in Musik gesetzt wurde dabei üblicherweise der gesamte Messtext. Für die Ordnung des Sonntagsgottesdienstes der lutherischen Kirche kamen allerdings für die Vertonung nur das „Kyrie“ und das „Gloria“ infrage: In der lutherischen Kirchenmusik waren diese Missae breves der Normalfall und erhielten so die Bezeichnung „lutherische Messe“.
Die Missa brevis als liturgisches „tägliches Brot“
Bei den „Missae breves“ der katholischen Kirchenmusik kommt einem Wolfgang Amadé Mozart in den Sinn, der seit 1779 dem Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo als Hoforganist diente. Seinen Dienst an dem Salzburger Kirchenfürsten versah der junge Mozart mit steigendem Widerwillen, und was ihn besonders verdrossen haben mag, war die Ungeduld seines Brotherren: Damit die fürsterzbischöfliche Hoheit rechtzeitig auf die Jagd kam, waren die Gottesdienste kurz zu halten, was sich auch auf die liturgischen Kompositionen seines Hoforganisten auswirkte und die zahlreichen Missae breves Mozarts aus seiner Salzburger Zeit erklärt. Durchaus seines eigenen Wertes bewusst und ständiger Unterforderung ausgesetzt, zeigte er sich schließlich als widerspenstiger Untergebener – 1781 wurde er durch den berühmten Fusstritt des Grafen Arco, seines Zeichens hochfürstlicher Oberstküchenmeister und Vorgesetzter der Dienerschaft, aus Salzburger Diensten entfernt.
Für Komponisten in Diensten lutherischer Obrigkeit – wie J. S. Bach in Leipzig und Gottfried Heinrich Stölzel als Hofkapellmeiter in Gotha – gehörte die Komposition lutherischer Kirchenmusik zum täglichen Brot, was sich im Werk beider Komponisten in etlichen „Kyrie/Goria-Messen“ niederschlägt. Der Gebrauch der lateinischen Sprache in gesungenen Teilen der lutherischen Liturgie war seinerzeit keineswegs ungebräuchlich, sodass der Begriff „lutherische Messe“ sich in der evangelisch-lutherischen Liturgie als ausgesprochen zutreffend erweist und für beide Komponisten als „allsonntägliches liturgisches Brot“ durchaus passend ist.
Sorgfalt und Einfühlsamkeit
Zunächst ist für die Rubrik „Sorgfalt“ anzumerken, dass Bernhard Klapproth und seine Sänger sich für die deutsche Aussprache des lateinischen Messtextes entschieden haben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, es freilich keinesfalls ist: Selbst der hohe deutsche Klerus verwendet heute anlässlich der seltenen Gelegenheiten, bei denen im gottesdienstlichen Leben Latein zur Anwendung kommt, meist die italienische Aussprache des Lateinischen anstelle der durch eine Jahrhunderte alte Tradition geadelten deutschen: Sie herrschte in den humanistischen Gymnasien bis in die 1950er Jahre. Wenigstens in der Interpretation alter Musik machen es unsere französischen Nachbarn da besser, die beispielsweise „dominus tecum“ als „domminüs tecomm“ aussprechen, wie man es seinerzeit in Frankreich pflegte. Hier schon ein Grund, vor Klapproth den Hut zu ziehen.
Gleichfalls besticht die Einspielung durch ihr Gleichgewicht zwischen den orchestralen und vokalen Partien, hier herrscht eine schöne Harmonie zwischen Musikern und den Technikern der Aufnahme. Dass diese lutherischen Messen bei allem Wohlgefallen, das sie auslösen, nicht mit Bachs „Lutherischen Messen“ mithalten können, liegt eher am Platz der Komponisten in der Skala tonsetzerischer Meisterlichkeit als an der musikalischen Befähigung der Interpreten und dem technischen Können ihres Aufnahmeteams.
Detmar Huchting [22.01.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Gottfried Heinrich Stölzel | ||
| 1 | Missa a-Moll StoeR III:a1 | 00:13:01 |
| 5 | Missa e-Moll StoeR III:e1 | 00:11:12 |
| 8 | Missa C-Dur StoeR III:C1 (Missa canonica) | 00:13:49 |
| 15 | Missa G-Dur StoeR III:G1 | 00:09:13 |
| 19 | Missa Es-Dur StoeR III:Es1 | 00:10:20 |
Interpreten der Einspielung
- Cantus Thuringia (Chor)
- Capella Thuringia (Orchester)
- Bernhard Klapprott (Dirigent)
