Barbara Strozzi
A Portrait in Five Acts - duets for Two Sopranos
Dorothee Mields & Hana Blažiková soprano
cpo 555 510-2
1 CD • 81min • 2021
15.01.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Sie war nicht nur eine der ersten weiblichen Komponisten überhaupt, sondern eine der wenigen, die von ihrer Arbeit auch leben konnten. Barbara Strozzi (1619-1677), jahrhundertelang von der Geschichte ignoriert und erst 1978 von der amerikanischen Musikwissenschaftlerin Ellen Rosand wiederentdeckt, hat seither eine beträchtliche Renaissance erlebt, wobei das wachsende Interesse nicht nur ihren Werken, sondern auch ihrer ungewöhnlichen Biographie gilt, die teilweise noch im Dunkeln liegt. Das vorliegende Album versucht ihrem Geheimnis diskret auf die Spur zu kommen.
Leben und Werk
Barbara war die Adoptivtochter des Juristen und Dichters Giulio Strozzi, der eine zentrale Rolle im kulturellen Leben Venedigs spielte und dafür sorgte, dass sie schon früh eine gründliche musikalische Ausbildung erhielt. So wurde sie Schülerin des berühmten Opernkomponisten Francesco Cavalli, dessen Stil nicht ohne Einfluss auf ihre eigene Arbeit blieb, auch wenn sie keine Opern komponierte. In der von Strozzi 1637 gegründeten „Accademia degli Unisoni“, in der sie bald den Ton angab, konnte sie ihre eigenen Werke vortragen, wobei sie sich selbst singend auf der Gambe begleitete. Mit dem 14 Jahre älteren Adligen Giovanni Paolo Vidman, der verheiratet war, hatte sie vier Kinder, was ihr den Ruf einer Kurtisane einbrachte, wie das auch das freizügige Bild „Die Gambenspielerin“ ihres Namensvetters Bernardo Strozzi andeutet, das angeblich ihr Porträt darstellt. Schon zu Lebzeiten wurden ihre Werke veröffentlicht, 125 Vokal-Kompositionen in acht Bänden – Madrigale, Arien und Kantaten mit überwiegend weltlicher, häufig erotischer Thematik.
Innige Zwiegesänge
Da Strozzi vorwiegend für den Eigengebrauch komponierte, beschränkte sie die Begleitung der Sopranstimme auf zwei Melodie-Instrumente und Basso continuo. In der Einrichtung durch das Hathor Consort wird das Instrumentarium etwas erweitert: Violine, Nyckelharpa („Schlüsselfidel“), Salterio (Kastenzither), 2 Harfen, 2 Theorben, Orgel, Lirone und Viola da gamba. Dieses von Romina Lischka, die selbst den Part der Viola da Gamba übernimmt, geleitete Ensemble erzeugt einen warmen und farbenreichen Klang und beschwört die Atmosphäre der Spät-Renaissance herauf. Die 20 Liedbeiträge des vorliegenden Albums folgen nicht der Chronologie der Entstehung, sondern einem klaren dramaturgischen Plan. Ein Porträt der Komponistin in fünf Akten ist angestrebt, wobei jeder Akt eine thematische Vorgabe hat. Um Selbstbestimmung, erotische Freiheit, die Zwänge der Gesellschaft, Mutterliebe und väterliche Fürsorge geht es dabei. Die Musik vertieft die intimen Bekenntnisse der Texte, es entstehen innige Zwiegesänge, in der die Stimmen der beiden Sopranistinnen, die helle, brunnenklare von Dorothee Mields und die dunkel-sinnlichere von Hana Blažiková, einerseits reizvoll kontrastieren, gelegentlich aber auch zu einer einzigen Stimme verschmelzen, zärtlich eingebettet in den harmonischen Klang des Instrumental-Ensembles.
Ekkehard Pluta [15.01.2026]
Anzeige
Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Barbara Strozzi | ||
| 1 | L' Amante modesto op. 1 Nr. 13 | 00:01:07 |
| 2 | Mercé di voi op. 1 Nr. 1 | 00:05:18 |
| 3 | Lagrime mie, a che vi trattenete op. 7 Nr. 4 (Lamento) | 00:01:52 |
| 4 | Al battitor di bronzo op. 1 Nr. 18 | 00:04:18 |
| 5 | Begli occhi op. 3 Nr. 9 | 00:05:00 |
| 6 | L' Eraclito amoroso - Udite amanti op. 2 Nr. 14 (aus: Cantate, ariette e duetti op. 2) | 00:06:19 |
| 7 | Godere e tacere op. 1 Nr. 19 | 00:03:12 |
| 8 | L' Amante segreto op. 2 Nr. 16 | 00:07:17 |
| 9 | Il romeo op. 2 Nr. 13 | 00:01:36 |
| 10 | Moralità amorosa op. 3 Nr. 2 | 00:03:13 |
| 11 | Sospira, respira op. 6 Nr. 17 | 00:02:59 |
| 12 | Tradimento op. 7 Nr. 9 | 00:02:25 |
| 13 | Silentio novico op. 1 Nr. 6 | 00:03:11 |
| 14 | Cuore che reprime: Ardo in tacito foco op. 3 Nr. 1 | 00:06:25 |
| 15 | Dal pianto op. 1 Nr. 21 | 00:03:23 |
| Bartolome de Selma y Salaverde | ||
| 16 | Susanne un jour (Passegiata a basso solo) | 00:06:59 |
| Barbara Strozzi | ||
| 17 | Libertà op. 1 Nr. 10 | 00:02:29 |
| 18 | Godere in gioventù op. 1 Nr. 12 | 00:02:15 |
| 19 | La vendetta op. 2 Nr. 9 | 00:02:24 |
| 20 | I baci op. 2 Nr. 23 | 00:03:15 |
Interpreten der Einspielung
- Dorothee Mields (Sopran)
- Hana Blažiková (Sopran)
- Hathor Consort (Ensemble)
- Romina Lischka (Leitung)
