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Besprechung CD/SACD stereo/surround

Friedrich Schneider

Christus der Erlöser
Oraotrium in zwei Teilen

Ars Produktion ARS 38 372

2 CD/SACD stereo/surround • 1h 39min • 2024

14.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Langsam tauchen auf dem CD-Markt immer mehr Aufnahmen der zahlreichen Oratorien auf, die im 19. Jahrhundert komponiert worden sind. Das Label Ars Produktion hat von Friedrich Schneider aus dessen Christus-Trilogie schon Christus das Kind und Christus der Meister veröffentlicht, jetzt kommt der Schluss dieser Trilogie – die eigentlich, wie der Ring des Nibelungen, als Tetralogie gedacht war – heraus: Christus der Erlöser. „Besonders ist die Trilogie Schneiders auch dadurch, dass sie von der Geburts- bis zur Leidensgeschichte reicht und damit das gesamte Leben Jesu umfasst“, stellt das kundige Booklet fest. Die Werke sind vergessen wie ihr Schöpfer: Friedrich Schneider wurde 1786 in Altwaltersdorf im damaligen Niederschlesien geboren, besuchte das Gymnasium in Zittau, studierte ab 1805 in Leipzig die „Humaniora“, also Geisteswissenschaften, und bildete sich nebenbei als Musiker aus.

1813 wurde er Organist an der Thomaskirche und 1917 Musikdirektor des Stadttheaters, ab 1820 Herzoglich-Anhalt-dessauischer Hofkapellmeister, gründete die Dessauer Liedertafel und 1829 eine Musikschule. Daneben komponierte er fleißig: 16 Oratorien, 6 Opern, 23 Sinfonien, 20 Ouvertüren, zwei Klavierkonzerte, 10 Streichquartette, viele Klavierwerke sowie etwa 400 Chorwerke. Nach seinem berühmtesten Oratorium Das Weltgericht firmierte er seinerzeit als „Weltgerichts-Schneider“. 1853 starb Friedrich Schneider, begraben ist er in Dessau.

Viele Volkschöre

Alexander Lüken hat mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und der Kantorei Barmen-Gemarke alle drei Christus-Oratorien aufgenommen. Christus der Erlöser behandelt in zwei Teilen Christi Leiden und Tod in 37 oft recht kleinteiligen Nummern, dazu kommen zwei Orchestereinleitungen. So ergibt sich – bei zwei CDs –eine Aufführungszeit von etwas über zwei Stunden. Der Text „nach Worten der heiligen Schrift“ von Philipp Mayer ist nicht immer logisch schlüssig. In 18 Chören lässt er die Propheten, das Volk, die Jünger, Pharisäer, Engel, Höllengeister und Frauen auftreten. Dabei gelingt Schneider das Kunststück, in den Chören öfters gegen den Wortrhythmus zu komponieren.

Mehr elegisch als erregt

Die erste Orchester-Einleitung orientiert sich in den Bläsern am Choral „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ und ist schwerblütig-tragisch, die zweite machtvoll mit einem Fugato, aber doch recht farblos. Die Orchesterbegleitung der Arien ist anfangs etwas gleichförmig streicherlastig, erst später, beim Männerchor der Jünger (CD 1, Track 13), fahren die Hörner drein, in der Ölberg-Arie von Jesu klagen die Holzbläser (CD 1, Track 17) und im „Kreuziget!“-Chor gellen gar die Trompeten (CD 2, Track 6). Angemessenes Orchestertosen herrscht dann nach Christi Tod, wenn die Erde bebt und der Vorhang im Tempel zerreißt (was im Text aber nicht vorkommt) (CD 2, Track 18). Im „Läster-Chor“ der Pharisäer seufzen die Bläser zum Streicher-Pizzicato (CD 2, Track 17). Im ersten Läster-Chor lästern die Pharisäer in Fugenform (CD 2, Track 9). Selbst wenn es erregt zur Sache geht, bleibt Schneider mehr elegisch als zornig.

Die Kantorei Barmen-Gemarke singt engagiert und wacker, auch wortdeutlich, aber im Tenor manchmal etwas zaghaft, im Sopran manchmal etwas höhenängstlich.

Satan und Jesus mit derselben Stimme

Bei den Solisten ist die Zuordnung zu den Arien bzw. Personen im Booklet nicht genannt. Dorothea Brand hat in ihrem Sopran etwas Mütterliches, was zu Maria passt. Patrick Grahls Tenor ist kraftvoll, als Judas hochdramatisch (CD 1, Track 6), der Bassist Thomas Laske wütet vorbildlich als Satan (CD 1, Track 3) und ist dann herrscherlich-erhaben als Jesus: etwas irritierend, dass Satan und Jesus dieselbe Stimme haben. Das Sinfonieorchester Wuppertal reizt alle orchestralen Mittel der Komposition aus, ist in den Geigen bisweilen etwas inhomogen. Sowohl Orchester als auch die Sänger sind sehr nahe an die Mikrophone gerückt, was sich nicht immer als positiv zeigt.

Fazit: Musikhistorisch eine gelungene und wertvolle Wiederentdeckung, jedoch wird dieses Oratorium wohl selten aufgeführt werden, da die Konkurrenz an Passionen zu groß ist.

Rainer W. Janka [14.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Schneider
1Christus der Erlöser (Oratorium in zwei Teilen nach Worten der heiligen Schrift von Philipp Mayer) 01:38:42

Interpreten der Einspielung

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