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Besprechung CD

Rocco Rescigno

Echoes of Now

Ars Produktion ARS 38 695

1 CD • 60min • 2025

25.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Italiener Rocco Rescigno, Solo-Posaunist bei den Duisburger Philharmonikern, setzt sich als Solist für die zeitgenössische Musik ein. Auslöser war vor zehn Jahren eine Einladung zum renommierten Neue-Musik-Festival „Risonanze“, das in Rescignos Heimatstadt Udine (Friaul) über die Bühne geht. Mehr als vierzig Uraufführungen hat der Posaunist seither gespielt. Neun von ihnen, allesamt Stücke für Posaune solo, wählte er für sein Album „Echoes of Now“ aus – höchst verschieden in Charakter, Ausdrucksform, Schwierigkeitsgrad.

Los geht es mit dem Klang eines Nebelhorns. Der tiefe, langgezogene Ton erzeugt das Gefühl von Raum und Weite. „Drone“ nennt man einen solchen musikalischen Effekt, mit dem Jorge Antunes sein Experimentalstück „Inutilemfa“ startet. „Inutile“ heißt nutzlos – die scheinbar sinnfreie Klangforschung ist ein faszinierender Einstieg.

Nebelhörner und Kaffeeflecken

Simone Fontanellis Coffee Spots erweist sich als effektvolle Solo-Etüde. Die Kaffeeflecken werden durch unregelmäßige Rhythmen, scharfes Staccato und schwungvolle Glissandi dargestellt, was Rocco Rescigno mit größter Virtuosität und geschmeidigen Registerwechsels meistert.

Es folgt ein intimer Nacht-Monolog der iranischen Komponistin Karen Keyhani. Der Posaunist erweckt hier mit hier mit luftigen Klängen und Dämpfer-Effekten den Eindruck von Einsamkeit.

Warum Bruno Zanolini seinen Posaunen-Monolog Bag's nannte, bleibt sein Geheimnis. Es erklingen grobe, gleichsam körnige Töne, perkussive Attacken, tiefes Brummen. Rescigno verleiht dem Stück eine expressive, erdverbundene Vitalität.

Der Komponist Davide Pitis schwimmt gegen den Strom mit In direzione ostinatamente contraria. Rocco Rescigno sorgt hier für Spannung mit komplexer Schein-Polyphonie und heiklen Zickzack-Sprüngen. Abermals legt er eine beeindruckende Virtuosität an den Tag.

Die Posaune ruft „olé“

Paolo Longo benannte sein Stück jaleo, jaleo nach den anfeuernden Rufen im Flamenco. Die Posaune imitiert das durch kurze, perkussive Einwürfe; das Instrument ruft gleichsam „olé!“ Das Ganze wirkt aber melancholischer, als es der Titel vermuten lässt. In Antonio Agostinis La solitudine di Medusa wird die mythische Einsamkeit der Medusa heraufbeschworen durch verzerrte, eisige, erstarrt anmutende Klänge. Dem Posaunisten werden hier multiphonische Klänge abverlangt; beim Blasen soll er gleichzeitig singen. Das wirkt gespenstisch intensiv.

​Den Abschluss macht eine Art Mini-Theater: Der Gentleman aus Livorno von Sonia Bo. Rocco Rescigno sagt „Buongiorno“ und darf auch einen Text rezitieren. Neben seiner Posaune sind allerlei Geräusche integriert.

Deutsche Hörer dürften kaum wissen, dass es sich um einen in Italien berühmten Kinderreim handelt. Der überhebliche „Gentleman aus Livorno“ spricht mit einem Spiegel und beißt seinem Spiegelbild schließlich die Zunge ab.

Die Verse sind im Booklet nicht abgedruckt, womit wir zum schmerzlichen Manko dieses Albums kommen: Das Beiheft bietet keinerlei Informationen zu Komponisten und Musik – ein Umstand, der die Entdeckungsreise durch Welt der zeitgenössischen Solo-Posaune erschwert. Schade, handelt es sich doch um eine interessante, facettenreiche Auswahl, die von Rocco Rescigno auch brillant und spieltechnisch fulminant interpretiert wird. Nicht zuletzt ist das Album eine Fundgrube für Posaunisten, die ihr Repertoire erweitern wollen.

Antje Rößler [25.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jorge Antunes
1Inutilemfa 00:05:01
Simone Fontanelli
2Coffee Spots 00:07:51
Karen Keyhani
3Nightly Monologue III 00:06:11
Bruno Zanolini
4Bag's 00:05:02
Martin Lichtfuss
5Monolog für Posaune 00:05:35
Davide Pitis
6In direzione ostinatamente contraria 00:05:55
Paolo Longo
7Monologo Sesto ... jaleo, jaleo ... 00:06:25
Antonio Agostini
8La solitudine di Medusa 00:07:18
Sonia Bo
9Il Gentiluomo di Livorno 00:10:58

Interpreten der Einspielung

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