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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.390

1 CD • 65min • 2001

01.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Sir Neville Marriner, inzwischen 80 Jahre alt, ist einer der erfahrensten Dirigenten unserer Zeit. Mit der 1958 von ihm gegründeten Academy of St. Martin in the Fields hat er eine bis heute ungebrochene Erfolgsgeschichte geschrieben – die gemeinsam produzierten Aufnahmen zählen zu den bestverkauften und am häufigsten im Radio gespielten überhaupt. Insbesondere Marriners immer verläßliches Musikantentum mag der Grund für die enorme Popularität sein: Menschen schätzen Verläßlichkeit, und auch diese Produktion dürfte ihre Käufer finden.

Bei aller sorgsamen, effizienten Vorbereitung fehlt mir auch bei Marriners besten Einspielungen immer ein letztes Quentchen an Risiko: Das Wasser, mit dem er kocht, ist immer sehr heiß, aber es brodelt nie über. So auch bei dieser CD mit Werken von Max Bruch, die insbesondere durch ihre gelungene Dramaturgie besticht: Das Violinkonzert g-Moll ist eins der großen, häufig gespielten Repertoirestücke, doch die Orchesterwerke (und übrigens auch die Oratorien und Kammermusik) dieses Romantikers werden immer noch weitgehend vernachlässigt, weil sie als altmodisch und eklektizistisch abgestempelt werden. Diese Fahne hält auch Beiheft-Autor Sebastian Urmoneit hoch, der wieder einmal Mendelssohn als geistigen Vater Bruchs heraufbeschwört (wobei allerdings leider der Lapsus unterläuft, zu behaupten, Mendelssohns Schottische Sinfonie Nr. 3 a-moll stünde „in Es-Dur“...).Wirklich erhellend ist sein letzter Satz, wonach das Hauptthema des Finales der hier eingespielten Sinfonie Nr. 1 Es-Dur an das des ersten Violinkonzertes anknüpft. So bringt er beide Werke in einen dramaturgischen Zusammenhang, der herkömmlichen Einspielungen des Konzertes fehlt. Die Popularität des Konzertes soll hier also endlich einmal nicht der ohnehin vorzüglichen und bekannten Solistin Pamela Frank zum Wohle gereichen, sondern dieser knapp halbstündigen Sinfonie aus dem Jahr 1867, die keinem geringeren als Johannes Brahms gewidmet ist – eine originelle Konzeption, die durch die Anbindung des langsamen Satzes an das Finale besondere Qualität gewinnt, auch wenn die thematische Erfindung und somit das Durchführungspotential des Kopfsatzes nicht sehr aufregend ist. Das Scherzo (Tr. 12) ist da schon von ganz anderem Kaliber, und der Bauplan mit dem Adagio in es-Moll und dem eigentlich nur ironisch aufzufassenden Allegro guerriero als „kämpferischem“ Finale setzt dieser Produktion einen Schlußpunkt, bei dem man durchaus schon an Richard Strauss oder die Orchesterwerke von Reznicek denken mag. Eine Brücke zwischen beiden Werken schlagen die im besten Sinne unterhaltenden Schwedischen Tänze.

Pamela Frank spielt das Virtuosen-Paradepferd tadellos und gibt eine rundum überzeugende Visitenkarte ab. Neville Marriner und sein Orchester liefern bewährte Qualität. Leider ist das Klangbild weniger erfreulich: Zwar sind die Blechbläser vergleichsweise zurückgenommen, doch das Übergewicht der Violinen links und der Celli und Bässe rechts wirkt fast wie die Breitseite eines Keils, bei dem die so wichtigen Violen und alle Bläser nach hinten getrieben werden. Der Klangraum wirkt insbesondere in den reinen Orchesterwerken ausgesprochen unnatürlich. Nur im Violinkonzert ist die Balance geringfügig besser; auch die Lautstärke-Abstufungen wurden weitaus sorgsamer vorgenommen, während in den Orchesterwerken doch manchmal der Eindruck von Dauer-Mezzoforte aufkommt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [01.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Bruch
1Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 28
2Konzert Nr. 1 g-Moll op. 26 für Violine und Orchester
3Schwedische Tänze op. 63 (Orchestersuite Nr. 1)

Interpreten der Einspielung

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