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CD-Besprechung

Baltic Voices 2

harmonia mundi HMU907331

1 CD • 68min • 2003

26.10.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der Estnische Philharmonische Kammerchor gilt mit Fug und Recht als Estlands führendes Vokalensemble, das jedem internationalen Vergleich standhält. 1981 wurde diese Vereinigung von Tonu Kaljuste gegründet und hat 2001 auf Ersuchen Kaljustes mit Paul Hillier einen weltweit renommierten, künstlerisch bewährten neuen Leiter gewinnen können. Schon die ersten CD-Produktionen nach dem Wechsel, von Hillier als repräsentative Auswahl baltischen Chorschaffens der Gegenwart konzipiert, von ihm realisiert und in den Beiheften kommentiert, erweisen sich in mehrfacher Hinsicht als Gewinn. So ergänzen sie nicht nur aktualisierend die Begegnungen mit den üblichen, eher auf die zentraleuropäischen, südlicheren oder fernöstlichen Stilrichtungen konzentrierten Quellen zeitgenössischer Musik, sondern machen den Hörer mit den geradezu verblüffend kreativen Aktivitäten in den weniger vertrauten baltischen Regionen bekannt. Zugleich rufen sie aber auch den hierzulande kaum wahrzunehmenden ökumenischen Facettenreichtum orthodoxer, katholischer und protestantischer Textvertonungen in Erinnerung.

Dies jedenfalls ist eine deutliche Tendenz der Fortsetzungsfolge „Baltic Voices 2“ als Ergänzung zu den „Voices 1“ mit deren instrumentalbegleiteten Chorkompositionen von Kreek, Pärt, Rautavaara, Sandström, Tormis und Vasks (HMU 807311). Leider gibt die vorliegende Folge überhaupt keinen informativen Hinweis auf die vorangegangene CD 1 und verrät auch nichts über eventuelle Weiterführungen dieser beachtenswerten Anthologie. Zur Qualität in kompositorischer, interpretatorischer und aufnahmetechnischer Hinsicht lassen sich in gebotener pauschaler Kürze ausschließlich Bestnoten verteilen, sofern nicht die Textverständlichkeit – wie inzwischen bei vielen vergleichbaren Spitzengruppen weltweit zu beobachtenden – als Opfer für einer Perfektion an ästhetisch geglätteten Vokalfarben dargebracht wird. Fehlanzeige also für vernehmbare, strukturformende Konsonanten. Konsequenz ist die Verdrängung – oder Verklärung? – der wortgebundenen Aussagen zu einer abstrakten Inspirationsquelle für die Komponisten und für die Interpreten zu be- und entrückenden Meditationsklängen.

Folglich können sich viele Inhalte der vorliegenden Werkauswahl vor dem Hintergrund lateinischer, englischer und russischer Textvorlagen, ja sogar mit der CD-Premiere einer Ave-Maria-Vertonung von Toivo Tulev in einer aus Kerala stammenden Sprachmixtur auf Malajalamisch, Italienisch und Spanisch inhaltlich nur durch gedruckte Übersetzungshilfen verständlich machen (Track 6). Den überraschenden Kontrast hierzu bietet bei aller Spiritualität eine (in russischer Sprache komponierte und gesungene) Rosenkranz-Litanei von Alfred Schnittke mit wortgezeugter Akkordik und Rhythmik (Track 13-15).

Dr. Gerhard Pätzig [26.10.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Urmas Sisask
1Five Songs from "Gloria Patri" (1988)
Tolvo Tulev
2And then in silence there with me be only You (2002)
Per Nørgård
3Winter Hymn (1976/1984)
Galina Grigorjeva
4On leaving (1999)
Alfred Schnittke
5Three Sacred Hymns (1983/1984)

Interpreten der Einspielung

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