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CD-Besprechung

Carl Stamitz Clarinet Quartets

Hungaroton HCD 32561

1 CD • 77min • 2007

06.11.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4
Klangqualität:
Klangqualität: 4
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Obwohl von den 14 Klarinettenquartetten Carl Stamitz’ (1745-1801) seit 1958 (nur) die beiden Werke Opus 14 und seit 1970 drei weitere Beiträge aus dem Opus 19,1-6 der Pariser Drucke von 1777 und 1779 als praktische, auch in der vorliegenden CD-Produktion verwendete Neuausgaben vorliegen, hat der allgemeine Konzertbetrieb von diesen hörenswerten Kammermusiken bisher kaum Notiz genommen. Als öfter begegnende, relativ unkompliziert auszuführende Hausmusiken erfreuten sie sich dagegen größerer Beliebtheit in Amateurkreisen. Angesichts erfolgreicher Einspielungen der Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz als Vertreter der dritten Mannheimer Generation lag eine Darbietung auch der „kleineren“ Werke dieses fruchtbaren Komponisten und Geigen-Bratschen-Virtuosen geradezu in der Luft. Soweit ist das hier realisierte Vorhaben eine sehr zu begrüßende Bereicherung. Aber kaum nachzuvollziehende Schwierigkeiten bei der Ausführung der Studioarbeit stellen jedoch den Erfolg in Frage. Es geht dabei, wie so oft, um die Synthese einer vermeintlich historisch korrekten Aufführung mit den instrumentalen Gegebenheiten der Gegenwart. Für den Zuhörer offenbart sich diese Diskrepanz ganz vordergründig in der Balance der Instrumente.

So stellt sich der Bläsersolist selbst erschwerend die Frage nach den Anforderungen und Grenzen einer stilgerechten Einspielung: „Die Aufnahme ist so auch eine Art Experiment, in dem die Herausforderung des Zusammenspiels von ‚moderner‘ Klarinette mit ‚historischen‘, darmbesaiteten Streichern zu einer Neubetrachtung vieler wichtiger Fragen veranlaßt. Auf den ersten Blick mag dies als Mischlösung erscheinen, aber letztlich ließen sich nur so meine Klangvorstellungen und musikalischen Gesichtspunkte vollständig umsetzen“ (Lajos Rozmán). Was aber geschieht, wenn sich die Aufnahmetechnik und die unterschiedlichen akustischen Eigenschaften einer solchen Altneu-Mischung als sperrig erweisen?

Obgleich der Bläser in den Mitgliedern des ungarischen Authentic Quartet erfahrene Experten alter Musik „on period instruments“ (über deren Herkunft sich das Beiheft leider ausschweigt) gewonnen hat, kann sich weder die dünnblütig wirkende Darmseiten-Geige, noch weniger die wichtige Füllstimme der Bratsche gegenüber dem fast schon penetrierenden Anspruch der Bläserfarbe auch nur annähernd durchsetzen. Ein dynamisch erstarrtes Non-Vibrato-Spiel der Klarinette bei vermeintlich authentischer Betonung der Taktschwerpunkte lassen darüber hinaus dem Charme der Musik kaum einen Spielraum zur Entfaltung. Lediglich der Cellist bleibt in seiner schlichten Continuofunktion ungeschoren. Angesichts der von Stamitz bereits um 1780 in Paris als „Quatuor brillant“ erweiterten frühklassischen „Wiener“ Werkarchitektur, geformt von eingängig singender Allegro-Thematik, bleibt dieses pseudohistorische Experiment den Kammermusikfreunden so gut wie alles schuldig.

Dr. Gerhard Pätzig [06.11.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Stamitz
1Quartett A-Dur op. 14 Nr. 6 für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello 00:08:48
4Quartett D-Dur op. 14 Nr. 3 für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello 00:08:38
6Quartett Es-Dur op. 19 Nr. 1 für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello 00:15:34
9Quartett B-Dur op. 19 Nr. 2 für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello 00:22:05
12Quartett Es-Dur op. 19 Nr. 3 für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello 00:20:49

Interpreten der Einspielung

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