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CD-Besprechung

Johann Philipp Förtsch Sacred Concertos

cpo 777 369-2

1 CD • 79min • 2007

19.01.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Johann Philipp Förtsch, 1652 im fränkischen Wertheim geboren, war ein Multitalent von echtem Schrot und Korn: Einem Medizinstudium in Jena folgte eine musikalische Ausbildung bei Johann Philipp Krieger zur Zeit von dessen Wirken in Bayreuth zu Beginn der 1670er Jahre. Seit 1674 wirkte Förtsch als Tenorsänger und Mitglied der Hamburger Ratskapelle des Kantors und Musikdirektors Joachim Gestenbüttel. Nach der Gründung der Hamburger Oper am Gänsemarkt eröffnete sich ihm hier ein weiteres Feld als Sänger und Komponist: er verfasste die Textbücher für fünf Opern und komponierte in den Jahren 1684-1689 zwölf Opern. Einer der Gründungsväter der Hamburger Oper war Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, der infolge von kriegerischen Auseinandersetzungen mit Dänemark zweimal Zuflucht in der Hansestadt suchen musste – er verpflichtete Förtsch 1680 als Kapellmeister an seinen Schleswiger Hof. Vier Jahre währte die Zeit als Hofkapellmeister in Schleswig, 1684 sah sich Herzog Christian Albrecht erneut gezwungen, vor den Dänen ins Hamburger Exil zu flüchten.

Johann Philipp Förtsch blieb im Herzogtum und wirkte in Husum als Arzt (1681 war er an der von Christian Albrecht gegründeten Kieler Universität zum Dr. med. promoviert worden), nebenbei vertrat er diplomatisch Christian Albrechts Interessen gegenüber der dänischen Besatzungsmacht. Als der Herzog 1689 wieder im Gottorfer Schloss einziehen konnte, machte er Förtsch zu seinem Hofarzt, worauf dieser seine musikalischen Aktivitäten aufgab und sich fortan nur noch der ärztlichen Kunst widmete. 1694 ging er als Hofarzt in den Dienst von Christian Albrechts jüngeren Bruder August Friedrich, der als Fürstbischof von Lübeck in Eutin residierte. Nach August Friedrichs Tod 1705 führte er kurze Zeit die Regierungsgeschäfte des Fürstbistums Lübeck, war danach als Arzt und Justizrat in Eutin und Lübeck tätig und ist 1732 in Eutin gestorben.

Selten haben sich musikdramatische Darstellungsformen der Oper in geistlicher Musik so wirkungsvoll Bahn gebrochen wie in Förtschs auf dieser CD vereinigten Kompositionen. Zwar gab es schon vorher in der Hamburger kirchenmusikalischen Tradition musikdramatische Ansätze, die anderswo in Deutschland auf den energischen Widerstand der geistlichen Obrigkeit gestoßen wären, doch geht Förtsch in seiner Umgestaltung weiter als alle anderen, bei ihm werden die biblischen Vorlagen zu Libretti, die sich ebenso gut für die Präsentation auf einer Opernbühne eignen würden. Durch die dramatische Verdichtung der biblischen Botschaft übersteigen Förtschs Kirchenkompositionen den Horizont von Andachtsmusiken und werden zu eindringlichen musikalischen Predigten.

Diese CD präsentiert die Live-Aufnahme eines Konzerts in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai vom 26. Oktober 2007; die reichen Erfahrungen Roland Wilsons und seiner beiden Ensembles mit Musik des 17. Jahrhunderts kommen Johann Philipp Förtsch bestens zustatten – hier könnte selbst ein streng gläubiges Mitglied eines geistlichen Konsistoriums nicht auf die Idee kommen, Gottes Wort werde durch „opernhafftiges Wesen“ profaniert. Religiös nicht interessierte Zuhörer werden andrerseits nie auch nur den Anflug eines Gähnens unterdrücken müssen, so spannend, lebendig und doch völlig unprätentiös wird hier musiziert!

Detmar Huchting [19.01.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
J.Ph. Förtsch
1Du Heiden Trost 00:08:07
2Kommt, lasset uns gehen gen Bethlehem 00:06:42
3Wer Jesum liebt 00:09:35
4Herr, wie lange wiltu mein so gar vergessen? 00:06:13
5Die Wunder sind zu groß 00:06:18
6Aus der Tiefe 00:08:04
7Ihr Sünder, tretet bald herzu 00:08:54
8Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen 00:12:50
9Mensch, was du tust 00:12:20

Interpreten der Einspielung

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