Alois Bröder
Kammermusik mit Gitarre

Dreyer Gaido CD 21043
1 CD • 65min • 2007
27.07.2009
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
„Blühendes Gras auf dem alten Schlachtfeld, den Träumen entsprossen der toten Krieger". Spätestens bei diesen – Pazifismus verströmenden – Worten offenbart sich der politische Ansatz des Komponisten Alois Bröder. Dieses Zitat findet sich in einem Zyklus japanischer Haikus, deren Vertonung Alois Bröder meisterhaft gelungen ist! Gleich zwei Zyklen von jeweils 14 Miniaturgedichten zog Bröder heran und setzte sie für Stimme und Konzertgitarre. Haikus wirken auf den ersten Blick wie romantische oder auch expressionistische Lyrik. Meist rücken individuelle Seelenzustände in den Fokus und werden durch naturhafte Darstellung chiffrenhaft überhöht. Atmosphären, Stimmungen, Geräusche, ein warmer Regen in der Nacht, der Flügelschlag eines Vogels auf dem Wasser, tote Blätter auf dem Schnee – Stimmungen werden aus sich heraus bedeutend und der Leser/Hörer darf frei assoziieren. Dies hat auch Bröder getan und in seiner Komposition höchst eindrucksvolle, gelegentlich berückende musikalische Bilder gefunden.
Dass dies beim Hörer ankommt, ja, dass diesem schon nach flüchtigem Hören einzelne Worte nicht mehr aus dem Kopf gehen, zeugt von einer klaren musikalischen Aussage. Vor allem der Bariton Martin Hummel weiß aus jedem, auch noch dem flüchtigsten Moment ein Maximum an Seelenregung und Empfindungstiefe zu schöpfen. Zur Seite steht ihm Christopher Brandt, dessen skizzenhaftes Spiel die Szenerie ausgestaltet, als ginge ein Maler mit sparsamen Pinselstrichen zu Werke. Das schließt auch grelle Farbnuancen ein, etwa aufbrausende Crescendi und rasante Bewegungen.
Der zweite Zyklus von noch einmal 14 Haikus ist schon etwas älter – und mit der Sopranistin Eva Lebherz-Valentin besetzt. Auch dieses Werk ist hörenswert, reicht aber in der Interpretation der Sängerin an die jüngere Komposition nicht ganz heran; im Vergleich mit Martin Hummel agiert die Sopranistin leicht unterkühlt und phasenweise etwas angestrengt. Weitere Kostproben aus dem umfangreichen Schaffen Bröders komplettieren die CD. Sie machen deutlich, dass sich die Konzertgitarre keinesfalls hinter anderen Instrumenten oder auch „lauteren" Ensembles zu verstecken braucht; Bröder und seine Interpreten (außer Christopher Brandt spielt noch Olaf Van Gonnissen einige Parts) bieten mit dynamischen Impulsen und reichen Effekten selbst einem Saxofon oder einer spitz intonierten Blockflöte hinreichend Paroli.
Stefan Pieper [27.07.2009]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Alois Bröder | ||
1 | 14 neue Haiku für Bariton und Gitarre | 00:15:37 |
15 | Erdferne für Gitarre | 00:05:45 |
16 | Kern.Spalte. für Altblockflöte und Gitarre | 00:06:30 |
17 | Abbozzi für Gitarre und Klavier | 00:10:57 |
18 | Drei Spiele für Baritonsaxophon, Gitarre, Violoncello und Klavier | 00:11:25 |
21 | 14 Haiku für Sopran und Gitarre | 00:14:00 |
Interpreten der Einspielung
- Christopher Brandt (Gitarre)
- Olaf Van Gonnissen (Gitarre)
- Eva Lebherz-Valentin (Sopran)
- Martin Hummel (Bariton)
- Friederike Richter (Klavier)
- Johannes Fischer (Altblockflöte)
- Linda Bangs (Baritonsaxophon)
- Christoph von Erffa (Violoncello)