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CD-Besprechung

cpo 777 589-2

1 CD • 62min • 2010

25.08.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Manchmal bekommen Werke, die nicht eben zum Standardrepertoire gehören, eine merkwürdige Konjunktur; so geht es offenbar in diesem Jahr der Drottningholmsmusik des schwedischen Komponisten Johan Helmich Roman (1694-1758), die 1744 zu den offiziellen Hochzeitsfeierlichkeiten des schwedischen Kronprinzen Adolf Fredrik mit der preußischen Prinzessin Luise Ulrike, einer Schwester Friedrichs des Großen, aufgeführt wurde: Im Januar spielte Andrew Manze das Werk mit seinem Helsingborg Symphony Orchestra ein, Ende Februar folgte Göran Karlsson mit seinem auf historischen Instrumenten musizierenden Ensemble 1700 Lund. Im Jahr 1993 ist bereits eine Aufnahme der Suite mit dem Drottningholm Baroque Ensemble entstanden, die heute noch verfügbar und keineswegs veraltet ist.

Als die Drottningholmsmusik die hohen Feierlichkeiten umrahmte, war Roman schon 33 Jahre im Dienst der schwedischen Hofkapelle und im 18. Jahr ihr Kapellmeister; und er hatte Erfahrung mit dieser Art Festmusiken, die aus einer losen Folge teils, festlicher teils stimmungsvoller Einzelsätze bestanden und so einen ganzen Abend begleiten konnten: Bereits 1728 hatte er im Auftrag des russischen Botschafters Graf Golovin ein solches Werk für die Feierlichkeiten in Stockholm anlässlich der Krönung von Zar Peter II. geschrieben.

Das Hochzeitspaar begegnete sich bei der Ankunft der Prinzessin Luise Ulrike in Schweden zum ersten Mal – die Eheschließung folgte, wie seinerzeit üblich, dynastischen Erwägungen; bereits bei der Abreise der Braut von Berlin hatte eine formelle Trauung „per procurationem“ stattgefunden, bei welcher der Bräutigam von seinem Gesandten Carl Gustaf Tessin vertreten wurde. So nennt der Titel der Drottningholmsmusik auch als Anlass ihrer Komposition nicht etwa die Heirat, sondern das „Beilager“, also den offiziellen Vollzug der Ehe. Obwohl im Laufe der dreitägigen Festlichkeiten zweifellos etliche andere Musikstücke erklungen sind, erhielten die jungen Eheleute vom schwedischen Hofkomponisten eine musikalische Rundumbegleitung, die möglicherweise während des dem „Beilager“ vorausgehenden Festes erklang: Von repräsentativen Klängen geht die musikalische Skala über Tänze bis hin zu intimen und stimmungsvollen Stücken, bei denen die Musiker, einem zeitgenössischen Bericht zufolge, sich hinter Statuen verbargen, so dass der Raum indirekt beschallt wurde. Das nur etwas über eine Stunde dauernde Werk wurde sicherlich nicht en suite aufgeführt, vielmehr sind die einzelnen Sätze zu einem jeweils passenden Zeitpunkt erklungen – einige besonders beliebte vermutlich auch mehrmals.

Andrew Manze lässt in seiner Interpretation einerseits an einen gewissen Einfluss G. F. Händels denken, dessen Musik Roman bei einem Studienaufenthalt in London zwischen 1716 und 1720 ausgiebig studieren konnte und dessen neues Schaffen er seither vermutlich mit Interesse verfolgt hat. Andererseits lassen besonders die langsamen Sätze bei Manze an die neuen Entwicklungen der Vorklassik denken, mit denen die hohe Braut zweifellos von Berlin her vertraut war.

Göran Karlsson und sein Ensemble 1700 Lund orientieren sich mehr an Romans barocken Wurzeln, wie es 1993 bereits Nils-Erik Sparf mit dem Drottningholm Baroque Ensemble getan hatte. Gegenüber Sparfs lebendiger musikalischer Rhetorik wirkt Karlssons Version freilich blasser, trotz gelegentlich deutlich strafferer Tempi bei Sparf will in der Neuaufnahme oft die richtige Stimmung nicht aufkommen – auch und gerade in den lyrischen Teilen. Das liegt zweifellos auch an einem Continuospiel, das sich oft schwatzhaft und daher unpassend in den Vordergrund drängt; eine charmante Atmosphäre, die besonders die Einspielung des Drottningholm Baroque Ensemble auszeichnet, kommt so bei Lund 1700 nur selten auf. Auch klanglich kann die neue Aufnahme die ungekünstelte Räumlichkeit der 17 Jahre älteren Vorgängerin nicht übertreffen.

Vergleichsaufnahmen: Helsingborg Symphony Orchestra, Andrew Manze (Leitung) (BIS 1602) Drottningholm Baroque Ensemble, Nils-Erik Sparf (Leitung) (Musica Sveciae MSCD 410).

Detmar Huchting [25.08.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johan Helmich Roman
1Drottingholms-Musiquen (Music for a Royal Wedding)

Interpreten der Einspielung

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