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CD-Besprechung

Albéniz

Piano Music Volume 7

BIS 1953

1 CD • 71min • 2010

30.03.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Mit Fleiß und in Kenntnis aller wichtigen und annähernd auch zielführenden Aspekte in Sachen Isaac Albéniz hat sich der aus Luxemburg stammende Pianist Miguel Baselga im Zuge seiner Gesamtaufnahme bis Folge sieben vorgearbeitet. Zweifellos mit Talent und musikphilologischer Umsicht begütert, dürften auch – wenigstens dem Namen nach – spanische Wurzeln für manches künstlerisches Gelingen im Bereich der iberischen Musik für Energiezufuhr gesorgt haben. Hinzu kommt eine Ausbildungsphase unter dem pädagogischen Schutzschirm von Eduardo Del Pueyo. Er wird von Kennern der früheren Szene stets als eine Autorität für die Werke der führenden spanischen Komponisten bezeichnet. Was ich eingangs mit dem Vorsicht anzeigenden Einschub „annähernd" meinte, sei hier kurz angesprochen – und dies ohne wesentliche Schmälerung von Baselgas informativer und anregender, in Grenzen auch aufregender Gesamtleistung. Was dem zunächst in Lüttich ausgebildeten Musiker fehlt, ist eine Raffinesse des Anschlags und der Stückcharakterisierung, die über das (ihm?) Notwendigste hinausreicht. Man fühlt sich von Baselga sicher durch die unterschiedlichen Miniaturlandschaften geleitet, ohne aber letzen Endes auf deren reiche, fesselnde Farb-, Licht- und Bewegungsreize hingewiesen zu sein.

Dies lässt sich – wie ich meine – sehr prägnant am Beispiel des Eröffnungsstücks aus der fünfteiligen Sammlung Chants d'Espagne (T 101) erklären. Hier wird es korrekt als „Prélude" angekündigt. In der Welt des fortgeschrittenen und des hauptberuflichen Klavierspiels ist das zwischen Brillanz und rezitativischer Melancholie pendelnde Stück jedoch unter dem Titel Asturias bekannt und somit als eine geographisch mehr als unzutreffend getaufte Gitarren-Hommage, davon abgesehen freilich von betörender, unter günstigen Umständen geradezu narkotischer Wirkung. Baselga nimmt die zunächst stereotyp fixierten Motivwiederholungen sehr rasch, auffallend flüssig, sozusagen „à la manière de Scarlatti", nur entfernt in Anlehnung an die niemals völlig mechanisierte Brillanz eines fiebernden, wie in einem musikalischen Strudel befindlichen Gitarrenvirtuosen. Der Beginn ist einfach nicht verhalten genug eingefädelt, was den Spannungsaufbau beeinträchtigt.

Ein zweites Beispiel sei genannt. Im Fall der tastend-schwingenden, stammelnd-singenden Córdoba-Skizze wird deutlich, um wie viel sinnlicher und zugleich natürlicher Arthur Rubinstein einst die geliebte Stadterkundung angefasst, inhaliert und schließlich wie für immer gültig „ausgeatmet" hat.

Von Belang für jeden Erforscher spanischer Klaviergestik und Pianoethnologie ist das Programm dieser CD Nummer sieben alle Mal! Elegant, feinsinnig, sozusagen südländisch mit polnischer Unterwucherung – so kann man hier die sechs Mazurka Kleinigkeiten T 68 erleben, von Baselga wendig, auch genügend elastisch und damit stimulierend auf Tanzkurs gehalten. Die Konzertetüde Deseo erinnert an ähnliche Gelenkigkeitsübungen, bzw. Allegro di concierto-Projekte von Gabriel Pierné, von Granados bis hin zu Schumann (op. 8) und Chopin (op. 46). Hübsch und sehr zivil tönt der kleine Militärmarsch, verführerisch der Herbst-Walzer (T 96), der mit fast zwölf Minuten Spieldauer die Dimension eines ausgewachsenen „Konzertwalzers" à la Glasunow oder später auch Ravel behauptet. Hier bietet Baselga mit Brio und sensibler bis korpulenter Tanzattitüde die meiner Meinung nach überzeugendste Leistung.

Wirkungsvoll in der literarischen Pointierung wartet Baselga mit zwei unbekannten Köstlichkeiten auf. Die Improvisation T 115 B spielt der Interpret, indem er den Klängen und Geräuschen eines Phonographen nachspürt und damit dieser von Albéniz 1903 verfügten Minimal-Idee zu neuem Leben verhilft. Bei der zweiteiligen Yvonne en visite! handelt es sich um eine biographisch motivierte Gelegenheitsskizze – womöglich im Hinblick auf die günstige Bewertung seiner Opern durch den Co-Direktor des Brüsseler Théâtre de la Monnaie, Guillaume Guidé. Yvonne war dessen Tochter und sie ist im Verlauf dieser sechs Minuten Albéniz auf humoristische Weise „zu Besuch". Der erste Teil ist mit „Der Knicks" überschrieben, der zweite etwas ausführlicher und zugleich ein wenig geheimnisvoll: „Fröhliches Wiedersehen und einige peinliche Vorkommnisse!"

Peter Cossé † [30.03.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Isaac Albéniz
1Prélude op. 232 Nr. 1 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:05:01
2Orientale op. 232 Nr. 2 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:03:35
3Sous le Palmier op. 232 Nr. 3 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:04:09
4Cordoba op. 232 Nr. 4 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:04:43
5Seguidillas op. 232 Nr. 5 T 101 (aus: Chants d'Espagne op. 232) 00:02:38
6Isabel T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Tempo energico 00:03:13
7Casilda T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Allegro 00:03:16
8Aurora T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Non troppo 00:03:06
9Sofia T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Cantando 00:03:36
10Christa T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Presto 00:03:27
11María T 68 (aus: 6 Mazurkas de Salon) – Tempo giusto 00:02:18
12Deseo T 53 (Estudio de concierto) 00:08:01
13L' Automne-Valse T 96 00:11:51
14Marcha Militar T 45 00:02:01
15Improvisation T 115 B 00:01:55
16Yvonne en visite! T 104 00:06:14

Interpreten der Einspielung

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