Schumann
Davidsbündler gegen Philister
hänssler CLASSIC 98.050
1 CD • 75min • 2014
27.02.2015
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Seine Gesamtaufnahme der zweihändigen Klavierwerke von Robert Schumann faßt Florian Uhlig nicht nach der Chronologie, sondern unter thematische Verbindungsbögen. Das jetzt erschienene 8. Volume ist unter das Motto „Davidsbündler gegen Philister“ gerückt. Den ersteren, durchaus logisch, sind die beiden Bände der Davidsbündlertänze gewidmet. Die Philister dagegen – nach Schumann Spießer und Ewig-Gestrige – werden mehr oder minder frei zumindest teilweise im Carnaval musikalisch abgebildet. Da Uhlig eine Schumann-Gesamtaufnahme (auf insgesamt 15 CDs) anstrebt, sind dabei auch mehrere Fassungen einbezogen – die Davidsbündlertänze in dieser Edition erklingen in der ersten Version. Zudem sind beim Carnaval auch ein paar Stücke dabei, die im Umfeld dieser Komposition entstanden sind, dann ausgeschieden und später einzeln veröffentlicht wurden. (Einige hat der Schumann-Kenner Joachim Draheim, der zugleich für den fachkundigen Einführungstext zeichnet, ergänzt).
Da kommt also viel Wissenschaftliches ins Spiel, aber Florian Uhlig läßt sich nicht auf trockenen Akademismus festlegen. Sein Herz schlägt poetisch für Schumann, das spürt man bei sämtlich 46 Stücken dieser beiden Sammlungen – in den kunterbunten Maskenspielen des Carnaval, denen der Komponist selber nicht unkritisch gegenüberstand („die musikalischen Stimmungen wechseln zu rasch“), wie in den persönlicher gefaßten Tänzen: „Masken werden zu Gesichtern“. Der vierzigjährige Pianist aus Düsseldorf, heute in London lebend, schafft aus lebensprallen Miniaturen ein geschlossenes Gebilde in vielfacher Spiegelung: nie forcierend, aber doch erpicht, den changierenden Stimmungsreizen auf die Spur zu kommen. Uhlig hält sich von Extremen zurück – er will weniger demonstrieren denn eindringen. Das Romantische nicht als (tönendes) Vorzeigebild, sondern als ein Akt höheren Einverständnisses.
Wie pointiert der Pianist dabei vorgeht, mögen zwei Beispiele belegen, nämlich die Doppelporträts im Carnaval. Das sind mit dem schwärmerischen Eusebius und dem draufgängerischen Florestan die beiden Seelen in Schumanns Brust: mild versunken der erstere, wild auffahrend der letztere. Das sind aber auch die beiden Frauen, die des jungen Komponisten Herz gefangen hielten: innig, doch nicht ohne Leidenschaft Chiarina (das ist Clara Wieck), eher kurz und heftig Estrella (seine damalige Verlobte Ernestine von Fricken). Vielschichtiger und sogar eine Spur hintergründiger fallen solche Anspielungen in den Davidsbündlertänzen aus. Bei allen Freiheiten, die er sich läßt, setzt Florian Uhlig die verbalen Anweisungen Schumanns sehr direkt um: vom Innigen zum Ungeduldigen, vom Wilden und Lustigen zum Zarten und Sinnigen. Und wer erfahren möchte, wie „etwas hahnbüchen“ klingt, höre sich die Nummer 3 im ersten Heft an.
Mario Gerteis † [27.02.2015]
Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Robert Schumann | ||
1 | Carnaval op. 9 (Scènes mignonnes sur quatre notes) | 00:30:50 |
22 | Albumblatt Nr. 3 As-Dur op. 99 Nr. 6 | 00:01:25 |
23 | Romanze B-Dur op. 124 Nr. 11 | 00:01:31 |
24 | Walzer a-Moll op. 124 Nr. 4 | 00:01:04 |
25 | Elfe As-Dur op. 124 Nr. 17 | 00:00:25 |
26 | Asch-Capriccio B-Dur | 00:00:59 |
27 | Fantasia sopra un tema di quatre suoni e-Moll | 00:01:13 |
28 | Tanz g-Moll | 00:01:29 |
29 | Davidsbündlertänze op. 6 | 00:36:18 |
Interpreten der Einspielung
- Florian Uhlig (Klavier)