Viola Concertos
cpo 777 986-2
1 CD • 75min • 2014
02.02.2016
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Es sind die drei bedeutendsten Viola-Konzerte des 18. Jahrhunderts: die beiden D-Dur-Konzerte von Franz Anton Hoffmeister (1754-1812) und Carl Stamitz (1745-1801) sowie das Konzert C-Dur für Orgel, Viola und Streicher von Michael Haydn (1737-1806). Außerdem handelt es sich bei den Hoffmeister- und Stamitz-Konzerten um – mitunter nicht gerade hoch geschätzte – Pflichtstücke. „Sie werden verlangt bei Wettbewerben, bei Prüfungen an Musikhochschulen und bei Probespielen für Orchesterstellen. Wer die Viola zum Beruf machen will, muss sich mit diesen Werken auseinandersetzen“ (Ulrike Albrecht im CD-Begleittext). So erging es auch der Solistin dieser Aufnahme, Andra Dārziņa, seit 2004 Professorin für Viola an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. „Erst durch die ständige Beschäftigung mit dieser Musik habe ich sie immer mehr schätzen, ja, lieben gelernt.“ Und das spürt man vom ersten Einsatz der Bratsche an. Den beiden anmutig, charmant und elegant gehaltenen Konzerten begegnet sie mit einer lebendigen und liebevollen Herangehensweise, spielt mit bestimmtem Strich, fasziniert mit Natürlichkeit, mit müheloser Wendigkeit und einem noblen, tieflotenden Ton in allen Lagen. Seien es die Arpeggien im Kopfsatz und die virtuosen Figurationen im Finale des Stamitz-Konzerts oder die wehmütig-ausdrucksvollen Kantilenen im Adagio des noch dem barocken Solokonzert nahestehenden, galanten und verspielt wirkenden Hoffmeister-Werk – Andra Dārziņa verleiht den Bratschen-Partien Leuchtkraft und Wärme und versteht es vorzüglich, das rhetorische und gesangliche Element auf das natürlichste miteinander zu verbinden. Dagegen fällt die von ihr 2013 gegründete Urban Camerata, ein aus Lehrenden und Lernenden der Stuttgarter Hochschule in der Urbanstraße bestehendes Kammerensemble deutlich ab. Anstatt sich von dem im Gestus, in der Ausdruckshaltung rundum überzeugenden Spiel Andra Dārziņas anstecken zu lassen, scheint man sich allein mit Tonschönheit und Charme zu begnügen. Die Konturen dieser galanten, nichts desto trotz über Esprit und stellenweise auch Witz verfügenden Konzerte könnten trotz des schlanken Ensembleklangs weitaus präziser abgebildet sein. Auch schenkt man im Stamitz-Konzert manchen – schon allein durch die Hinzunahme von zwei Klarinetten und zwei Hörnern bedingten – klanglichen Effekten für meinen Geschmack zu wenig Aufmerksamkeit. Das wirkt doch alles recht brav.
Wäre da nicht Michael Haydns Konzert C-Dur für Orgel, Viola und Streicher – der Ohrenöffner dieser Aufnahme –, ich könnte der Urban Camerata ein allenfalls befriedigendes Zeugnis ausstellen. Doch blitzt in diesem homophon gearbeiteten, aber hörbar noch im musikalischen Barock verankerten Werk tatsächlich Spielfreude auf. Auch die dynamische Gestaltung weiß nun zu überzeugen. Es scheint, als ließe sich das Ensemble von den fantasievollen Dialogen zwischen Orgel und Viola bzw. von deren sehr sensiblen Darstellung durch den Organisten Jürgen Essl und Andra Dārziņa endlich zu einer etwas beredteren Musizierhaltung inspirieren. Von einem in der kompositorischen Anlage – wie es im Beiheft zu lesen ist – „großen, satzübergreifenden Crescendo, das dem fulminanten Finale entgegensteuert“ ist trotz des souverän gestalteten virtuosen Laufwerks der Orgel im Schlusssatz jedoch kaum etwas zu spüren.
Christof Jetzschke [02.02.2016]
Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Franz Anton Hoffmeister | ||
1 | Violakonzert D-Dur | 00:21:20 |
Carl Stamitz | ||
4 | Konzert D-Dur op. 1 Nr. 2 für Viola und Orchester | 00:23:05 |
Michael Haydn | ||
7 | Konzert für Orgel, Viola und Streicher | 00:30:44 |
Interpreten der Einspielung
- Andra Dārziņa (Viola)
- Jürgen Essl (Orgel)
- Urban Camerata (Ensemble)